Magnetresonanztomographie als Störfaktor bei Untersuchungen von Probanden im Rahmen einer Studie zur Wahrnehmung eigener Handlungen

Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, herauszufinden, ob bei Untersuchungen im MRT-Scanner dieser einen Störfaktor darstellt und somit die Leistung von Probanden beeinflusst. Darüber hinaus wurde untersucht, ob es bereits beim Akquirieren der Probanden Unterschiede bezüglich der Symptomsch...

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Main Author: Schwenzer, Lars Christian
Contributors: Straube, Benjamin (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2024
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, herauszufinden, ob bei Untersuchungen im MRT-Scanner dieser einen Störfaktor darstellt und somit die Leistung von Probanden beeinflusst. Darüber hinaus wurde untersucht, ob es bereits beim Akquirieren der Probanden Unterschiede bezüglich der Symptomschwere gibt, und ob die Leistung in dem von uns durchgeführten Experiment mit der Symptomschwere korreliert. In einem Experiment zur Wahrnehmung eigener Handlungen war es Aufgabe der Probanden verschiedene Verzögerungen (0 – 417 Millisekunden) zwischen selbst-initiierten (aktiven) oder fremd-initiierten (passiven) Handlungen und deren Wiedergabe auf einem Bildschirm zu erkennen. Anhand der erhobenen Daten werteten wir die Anzahl der korrekten Angaben, ob eine Verzögerung bestand, aus. Nicht alle Probanden haben die Untersuchung im MRT-Scanner durchgeführt. Die Hälfte der Probanden hat die Untersuchung als reine Verhaltenstestung außerhalb des MRT-Scanners an einem Schreibtisch durchgeführt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die beiden Versuchsgruppen eine ähnliche Leistung bei der Erkennung von Verzögerungen erzielt haben. Entgegen der von uns aufgestellten Hypothese scheint die Untersuchung im Scanner die Leistung der Probanden nicht negativ zu beeinflussen. Ebenso stellten wir anhand verschiedener neuropsychologischer Tests fest, dass es keine signifikanten Unterschiede in Bezug zur Symptomschwere zwischen den beiden Versuchsgruppen gegeben hat. Bei Betrachtung der Korrelation von Symptomschwere und Leistung zeigte sich, dass Probanden mit einer stärkeren depressiven Symptomatik zum Teil eine schlechtere Leistung in den verschiedenen Experimenten erzielt haben. Wie bereits in Kapitel 5.3.2 „Depression als Kovariable“ beschrieben, ist dies ein wichtiger Aspekt, da es eine Häufung von Depression bei Patienten mit Schizophrenie gibt (Buckley et al., 2009) und eine Behandlung dieser zu einer erhöhten Lebensqualität und niedrigeren Morbidität führen kann. Ebenso hat die Depression negative Auswirkungen auf die Symptomatik der Schizophrenie. Dies steht im Einklang mit der von uns erhobenen Korrelation zwischen depressiver Symptomatik und schlechterer Leistung in den Experimenten. Die Ursachen, Auswirkungen und Therapien von Depression als Begleiterkrankung bei Patienten mit Schizophrenie sehen wir als wichtigen Ansatzpunkt für zukünftige Forschung. Weitere Forschungsarbeiten sind notwendig, um festzustellen, ob Untersuchungen im MRT-Scanner durch diesen beeinflusst werden. Dafür kämen, wie in Kapitel 5.3 „Limitationen“ beschrieben, mehrere Fragestellungen in Betracht. Zum einen erachten wir eine genauere Betrachtung der Kovariablen wie Angst über neuropsychologische Tests als sinnvoll. Zum anderen könnten verschiedene Untersuchungen mit unterschiedlichen Gruppen an Probanden und Aufgaben in anderen Bereichen durchgeführt werden, um ein breiteres Spektrum abzubilden. Die klinische Relevanz der von uns erarbeiteten Ergebnisse lässt darauf schließen, dass die mittels fMRT beobachteten Effekte, welche unter anderem in Kapitel 1.1.4 „Wahrnehmungsstörungen bei Probanden mit Schizophrenie“ genannt wurden, potentiell nicht durch die Messung im Scanner verfälscht wurden. Demnach scheinen die mittels fMRT erhobenen Daten Pathologien gut abzubilden. Da Untersuchungen mittels fMRT aktuell nicht zum diagnostischen Standard für die Schizophrenie gehören, sondern hauptsächlich Gegenstand der Forschung sind, bezieht sich der klinische Nutzen unserer Ergebnisse eher auf die daraus resultierenden Forschungsergebnisse. Die korrekte Darstellung von Mechanismen, die zu Pathologien bei Patienten mit Schizophrenie führen können, in unserer Studie mittels fMRT, stellt einen wichtigen Ansatz für zukünftige therapeutische Interventionen dar. Durch ein tieferes Verständnis der Grundlagen von Schizophrenie ergeben sich hoffentlich in Zukunft neue und gezielte Therapieansätze.
DOI:10.17192/z2024.0143