Verbesserung der Wirbelkörperrekonstruktion bei komplexen Wirbelkörperfrakturen durch Verwendung eines Doppelballons – Biomechanischer Vergleich zweier Ballon-Verfahren

Hintergrund Bei Wirbelsäulenverletzungen machen Berstungsfrakturen eines oder mehrerer Wirbelkörper einen hohen Anteil der Verletzungen aus. Die Folgen für den Patienten sind gravierend und reichen u.a. von Schmerzen, Einschränkung der Leistungsfähigkeit bis hin zur erhöhten Mortalität, sodass eine...

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Main Author: Nachbaur, Thilo
Contributors: Oberkircher, Ludwig (Priv.-Doz.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2021
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Hintergrund Bei Wirbelsäulenverletzungen machen Berstungsfrakturen eines oder mehrerer Wirbelkörper einen hohen Anteil der Verletzungen aus. Die Folgen für den Patienten sind gravierend und reichen u.a. von Schmerzen, Einschränkung der Leistungsfähigkeit bis hin zur erhöhten Mortalität, sodass eine Behandlung erforderlich ist. Während bei der Behandlung schmerzhafter osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen die Ballonkyphoplastie als Standardverfahren gilt, wird die Versorgung von komplexen Wirbelkörperfrakturen aktuell in der Literatur diskutiert. Bei der Verwendung konventioneller Ballons kann das OP-Ergebnis nur gering vom Operateur beeinflusst werden, da der Ballon dem Weg des geringsten Widerstandes folgt und das mögliche Aufrichten hierdurch beschränkt wird. Im Rahmen dieser Studie werden im komplexen Wirbelkörperfrakturmodell Einzel- und Doppelballone mit besonderem Augenmerk auf die Rekonstruktion des Wirbelkörpers verglichen, um die Möglichkeiten der neuen Methode auszutesten. Material und Methoden Die Wirbelsäulen von 5 Körperspendern wurden nach Computertomographischer Kontrolle auf Unversehrtheit von Th9 bis L5 in präpariert. Aus jeder Wirbelsäule wurden 4 Wirbelkörperpaare gewonnen (Th9+10, Th11+12, L1+2, L3+4). Die Bandscheiben und Bänder zwischen den Wirbelkörpern wurden belassen. Die Präparate wurden in Technovit 3040 (Firma Kulzer) eingebettet. Am unteren Wirbelkörper wurden mittels oszillierender Säge Sollbruchstellen erzeugt und anschließend die Fraktur mittels Gewicht, das in einem Fallturm auf die Wirbelkörpersegmente fiel, erzeugt. Vor und nach Fraktur wurden radiologische Aufnahmen mittels Computertomographen angefertigt. Aus den 20 Wirbelkörperpaaren wurden nach Fraktur 16 vergleichbare Wirbelkörperpaare ausgesucht und in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen wurden randomisiert einer Behandlungsgruppe zugeordnet. Eine Gruppe wurde mit einer bipedikulären Balloon-Kyphoplastie (Allevo, Joline, Hechingen), die andere Gruppe mit bipedikulärem Doppelballon-Kyphoplastie(Stop`n GO, Joline, Hechingen) behandelt. Postoperativ erfolgte die dritte Computertomographie. Radiologisch wurden dabei folgende Messwerte ermittelt: Anteriore, zentrale und posteriore Wirbelkörperhöhe, sowie das Wirbelkörpervolumen. Anschließend wurde aus den Ergebnissen die Rekonstruktion der Wirbelkörper durch die verschiedenen Verfahren verglichen. Ergebnisse 100 % repräsentieren die Werte vor Fraktur. Die zentrale Höhe wurde von 78,5% (65,8-95,8) auf 87,7% (80,1-96,2) in der Ballongruppe und von 77,0% (64,2-87,0) auf 98,3% (88,4-98,3) für die Doppelballongruppe verbessert. Die posteriore Höhe wurde von 82,3% (63,0-100,7) auf 89,2% (82,2-103,1; Ballon) bzw. 85,6% (75,5-99,3) auf 98,0% (90,5-107,1; Doppelballon) angehoben. Hinsichtlich der Höhenrekonstruktion konnte sowohl für die zentrale, als auch für die posteriore Höhe ein signifikanter Unterschied zum Vorteil des Doppelballons gefunden werden (Zentrale Höhe p=0,0108; Posteriore Höhe p=0,0047). Das Wirbelkörpervolumen wurde um 7,3 % (2,6ml; 2,2-7,7ml) in der Ballon-Kyphoplastie-Gruppe und um 18,5% (7,1ml; 1,7-10ml) in der Doppelballon-Kyphoplastie-Gruppe verbessert. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren ebenfalls signifikant (Volumen in Prozent p = 0,0301 bzw. Volumen in cm3 p = 0,0094) Schlussfolgerung Durch die Verwendung eines Doppelballons kann die Inflation und Hohlraumschaffung im Wirbelkörper besser kontrolliert werden. Hierdurch wurden im Vergleich zum konventionellen Ballon signifikant bessere Höhenrekonstruktionen im Bereich der zentralen Höhe des Wirbelkörpers und insbesondere der posterioren Höhe (Wirbelkörperhinterkante) erzielt. Die Verwendung eines Doppelballons in der Kyphoplastie scheint eine Verbesserung des konventionellen Ballons darzustellen. Weitere biomechanische und klinische Studien müssen diesen potentiellen Mehrwert belegen.
Physical Description:77 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2021.0169