Trends und regionale Variabilität der Tonsillenchirurgie in Deutschland

Die Datenerhebung für die vorliegende Longitudinalstudie erfolgte anhand einer Sonderauswertung des statistischen Bundesamtes. Das statistische Bundesamt sammelt und archiviert seit 2005 einheitlich bundesweit Daten zu stationär behandelten Patientinnen und Patienten, sodass von homogenen Daten hohe...

Full description

Saved in:
Bibliographic Details
Main Author: Hendricks, Christina
Contributors: Windruhr, Jochen (Prof. Dr. med.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2021
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
Description
Summary:Die Datenerhebung für die vorliegende Longitudinalstudie erfolgte anhand einer Sonderauswertung des statistischen Bundesamtes. Das statistische Bundesamt sammelt und archiviert seit 2005 einheitlich bundesweit Daten zu stationär behandelten Patientinnen und Patienten, sodass von homogenen Daten hoher Qualität ausgegangen werden darf. Unter Bezug auf die offizielle Bevölkerungsstatistik wurden die OPR für Deutschland und jeweils für die 16 Bundesländer für Patientinnen und Patienten berechnet. Eine statistische Varianzanalyse (ANOVA), einschließlich Duncan’s Multiple Range Test und Kruskal-Wallis-Test, sowie eine Korrelationsanalyse mittels Pearson Korrelationskoeffizienten wurde durchgeführt. Anhand der Ergebnisse ließen sich unter den 16 Bundesländern fünf mit vergleichbarem OPR-Mittelwert identifizieren, der Einfluss des Geschlechts war auch hier eindeutig: die Varianz bei Patienten war größer (sechs Untergruppen) als bei Patientinnen (vier Untergruppen). Die NBR konnte ebenfalls geschlechtsspezifisch für Deutschland und die jeweiligen Bundesländer berechnet werden. Der Einfluss des männlichen Geschlechts auf die NBR erwies sich zeitkonstant und regional unabhängig als signifikant negativ. Auffallend waren signifikante und zeitkonstante Unterschiede in der NBR beim Vergleich der einzelnen Bundesländer miteinander. Eine signifikante positive Korrelation zwischen OPR und NBR fand sich in 14 von 16 Bundesländern, hier wirkte sich allerdings die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht ungünstig aus: die NBR korrelierte bei Patientinnen signifikant stärker mit der OPR als bei Patienten. Die Durchführung weiterer klinischer Studien kann zukünftig den Fallzahlrückgang und eventuelle Zusammenhänge zu entstehenden Behandlungskosten beleuchten. Ferner können die Indikationsstellung für Tonsilleneingriffe, sowie die ursächlichen Zusammenhänge zwischen Tonsillenchirurgie und daraus entstehenden Komplikationen umfangreicher erfasst und analysiert werden. Schließlich können durch weiterführende Studien regionale Unterschiede genauer betrachtet und eingegrenzt werden. Die Fragestellungen dieser Untersuchungen lassen somit wie folgt beantworten: 1. Welche Entwicklung hat die absolute und relative Operationshäufigkeit der Tonsillenchirurgie in Deutschland und den 16 Bundesländern genommen? Die Häufigkeit der durchgeführten TE- und ATE-Eingriffe hat innerhalb des Beobachtungszeitraumes signifikant abgenommen, während die TT-Häufigkeit signifikant gestiegen ist. Die OPR der Rest-TE- sowie Abszess-TE, sowie NBR blieb dagegen konstant. 2. Hat sich der Zusammenhang zwischen revisionspflichtigen Blutungskomplikationen und Geschlecht geändert? Der Zusammenhang zwischen revisionspflichtigen Blutungskomplikationen und Geschlecht ist während des gesamten Beobachtungszeitraums unverändert geblieben. Bei Patientinnen ließen sich in allen Bundesländern und allen beobachteten Jahrgängen signifikant niedrigere Nachblutungsraten im Vergleich zu Patienten feststellen. 3. Bestehen statistisch signifikante regionale Unterschiede bei den Operations- und Nachblutungsraten? Bezüglich der regionalen Unterschiede bei den Operations- und Nachblutungsraten haben sich signifikante Unterschiede gezeigt. Die OPR von Bremen und Hamburg waren bei beiden Geschlechtern höher als der bundesweite Durchschnitt. Kein Bundesland wies eine signifikant unterdurchschnittliche OPR auf. Bezüglich der revisionspflichtigen Nachblutungen zeigten Niedersachsen, Berlin und Baden-Württemberg bei beiden Geschlechtern signifikant höhere Nachblutungsraten als der bundesweite Durchschnitt. Die Nachblutungsrate von Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen waren dagegen bei beiden Geschlechtern signifikant niedriger als der bundesweite Durchschnitt. Im Bundesdurchschnitt der NBR befanden sich beide Geschlechter in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Hessen und Sachsen. Geschlechtsspezifische Unterschied fanden sich für die NBR demnach in Bayern und Brandenburg. 4. Findet sich eine geringere Nachblutungsrate, wenn überdurchschnittlich häufig operiert wird? Eine signifikante Korrelation zwischen der OPR und NBR kann für alle Bundesländer mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Hamburg festgestellt werden. Da ausschließlich positive Korrelationswerte ermittelt wurden, ist mit steigenden OPR auch eine steigende NBR zu erwarten. Ein gegenteiliger Effekt konnte nicht nachgewiesen werden.
Physical Description:83 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2021.0127