Eine Erhebung der Motivation zur studentischen Lehre, des Burnout-Risikos und der Arbeitszufriedenheit bei Hausärzten im ländlichen Raum

Hintergrund: Im ländlichen Bereich stellt der Hausärztemangel ein schon heute gravierendes und vor allem progredientes Problem dar. Lösungsansätze schließen die Ausbildung von Medizinstudierenden in ländlichen Regionen ebenso ein, wie eine Stärkung des Faches Allgemeinmedizin im Medizinstudium (Mast...

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Main Author: Schwaffertz, Annette
Contributors: Becker, Annette (Prof. Dr. med. ) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2021
Allgemeinmedizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Summary:Hintergrund: Im ländlichen Bereich stellt der Hausärztemangel ein schon heute gravierendes und vor allem progredientes Problem dar. Lösungsansätze schließen die Ausbildung von Medizinstudierenden in ländlichen Regionen ebenso ein, wie eine Stärkung des Faches Allgemeinmedizin im Medizinstudium (Masterplan 2020). Auf Hausärzte in diesen Regionen kommen somit ggf. neue Aufgaben zu, so dass eine Betrachtung der Motivation zur Teilnahme an der studentischen Lehre, des Burnout-Risikos, der Arbeitszufriedenheit, sowie beruflichen Perspektive in einer Musterregion mit entsprechenden Strukturmerkmalen durchgeführt wurde. Methoden: In der Region Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen, NRW) wurde die Studie HaMedSi („Hausärzte für Medizinerausbildung in Siegen-Wittgenstein“) durchgeführt. Hier wurden alle niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte des Kreises zur Teilnahme an dem Survey eingeladen, wobei neben demographischen Strukturmerkmalen auch die Arbeitszufriedenheit (WSQ-D), das Burnout-Risiko (MBI-D), die berufliche Perspektive, sowie die Lehrmotivation ermittelt wurden. Zur Bestimmung der letztgenannten wurde ein Fragebogen entwickelt („Motivation of Medical Education Questionnaire, MoME-Q). Ergebnisse: Mit n=85 von158 Hausärztinnen und Hausärzten (53,8%) nahm ein repräsentativer Teil an der Studie teil. Bzgl. der Motivation zur Teilnahme an der studentischen Lehre konnte der Fragebogen von initial 28 auf 24 Fragen reduziert werden. Die zunächst angenommene 4-Faktoren-Struktur stellte sich als Zwei-Faktoren-Modell heraus mit den Faktoren „Commitment“ und „Persönlicher Nutzen“. Es zeigte sich, dass Ärzte mit Nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPas) und Ärzte mit Vorerfahrung ein höheres Engagement im Hinblick auf die studentische Lehre aufweisen. Bzgl. des Burnout-Risikos wiesen 12% der Studienteilnehmer ein hohes Maß an emotionaler Erschöpfung, 13% ein hohes Maß an Depersonalisation und 26% ein niedriges Maß an persönlicher Leistungsfähigkeit auf. Im Hinblick auf die Arbeitszufriedenheit korrelierte die Wochenarbeitszeit signifikant mit der Subskala „Belastung“. Bzgl. der beruflichen Perspektive und tatsächlichen Versorgungsrealität zeigt sich, dass knapp die Hälfte der Ärzte älter als 55 Jahre ist und in den meisten Fällen keine konkreten Konzepte zur Fortführung der Praxis bestehen bzw. die Bemühungen Nachfolge zu finden oftmals schon aufgegeben wurden. Diskussion: Es konnte eine komplette Population an Hausärzten in einem begrenzten geografischen Gebiet befragt werden. In dem Zusammenhang wurde ein Fragebogen zur Motivation zur Teilnahme an der studentischen Lehre entwickelt, erprobt und modifiziert. Eine Validierung des Instruments an einer weiteren Kohorte ist notwendig und in einem nächsten Schritt geplant. Ebenso gelang es das Burnout-Risiko und die Arbeitszufriedenheit von Hausärzten zu ermitteln und mit demographischen Strukturmerkmalen zu korrelieren. Hierbei zeigten sich bestimmte Risikogruppen und Konstellationen, für die nun bestimmte maßgeschneiderte Interventionen erdacht und durchgeführt werden könnten. Die Befragung nach der beruflichen Perspektive zeigte, dass das System nur noch dadurch funktioniert, dass viele Hausärztinnen und Hausärzte über die Renteneintrittsgrenze hinaus arbeiten. Die demographische Entwicklung wird die präkäre Versorgungslage vermutlich weiter verschärfen.  
Physical Description:84 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2021.0039