Jugend im Internat : Eine Untersuchung zum Erleben von Fremd-, Mit- und Selbstbestimmung im Spannungsverhältnis von Jugend- und Organisationsleben

Internate sind als Lebensraum von Jugendlichen besondere pädagogische Organisationen, für die es charakteristisch ist, den Alltag ihrer Bewohner*innen umfassend durch Regeln und Routinen als fremdbestimmte Strukturen zu rahmen. Gleichzeitig wachsen die Jugendlichen in Gemeinschaft mit Gleichaltrigen...

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Main Author: Peyerl, Katrin
Contributors: Züchner, Ivo (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2019
Erziehungswissenschaft
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Internate sind als Lebensraum von Jugendlichen besondere pädagogische Organisationen, für die es charakteristisch ist, den Alltag ihrer Bewohner*innen umfassend durch Regeln und Routinen als fremdbestimmte Strukturen zu rahmen. Gleichzeitig wachsen die Jugendlichen in Gemeinschaft mit Gleichaltrigen auf, verbringen ihren Alltag gemeinsam und absolvieren dabei Bildungs- und Entwicklungsprozesse, die – zumindest idealtypisch – zu selbstständigen und selbstbestimmten Menschen, die an der Gesellschaft partizipieren, führen. Im Rahmen der Arbeit wurde die mit dem Aufwachsen in Internaten einhergehende Verschränkung von Jugend- und Organisationsleben zu beleuchten, was sowohl im theoretischen wie auch empirischen Teil der Arbeit stattfindet. Hierbei wird ein Spannungsverhältnis angenommen, mit dem sowohl die Jugendlichen als auch die Internate als pädagogische Organisationen umgehen müssen. Im Zentrum der Betrachtung liegen dabei die Konstitution und das Erleben von Fremd-, Mit- und Selbstbestimmung im Internat aus der Perspektive der Jugendlichen. Insgesamt werden sowohl die organisationale Rahmung des Lebens der Bewohner*innen über eine Betrachtung zentraler Regeln und Kontrollstrukturen wie auch Möglichkeiten der Einflussnahme und Entscheidungsspielräume auf das eigene Leben und die Internate selbst beleuchtet. Im Fokus der eigenen Studie liegt die Wahrnehmung und das Erleben der Bewohner*innen. Durch neun Gruppendiskussionen an unterschiedlichen Internaten mit Jugendlichen, die in Anlehnung an die dokumentarische Methode ausgewertet wurden, wird herausgearbeitet, welche Möglichkeiten der Mit- und Selbstbestimmung sowie welche Formen der Fremdbestimmung und damit ggf. einhergehender Kontrolle die Jugendlichen erleben und wie sie diese wahrnehmen. Vor dem Hintergrund des angenommenen Spannungsverhältnisses von Jugend- und Organisationsleben werden damit verbunden (kollektive) Orientierungen im Erleben von Fremd-, Mit- und Selbstbestimmung sowie Praktiken der Bewältigung eines möglichen Spannungsverhältnisses rekonstruiert. Es zeigt sich, dass alle untersuchten Internate gewisse fremdbestimmte Strukturen besitzen, die den Alltag der Jugendlichen prägen, zu denen sich die Jugendlichen aber unterschiedlich verhalten. Dies lässt sich zum einen auf rekonstruierte Gegenwarts- und Zukunftsorientierungen, zum anderen aber auch auf fehlende Wirksamkeitserfahrungen in organisational implementierten Mitbestimmungsgremien u.ä. zurückführen. Neben umfassenden Diskursbeschreibungen wurden durch die Kontrastierung der Ergebnisse letztlich drei Typen gebildet: Typ 1: Die Befürworter*innen von Fremdbestimmung, Typ 2a: Die organisierten Mitbestimmer*innen, Typ 2b: Die informellen Einflussnehmer*innen.
Physical Description:336 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2020.0096