Wege religiöser Bewältigung: Deutsche Adaptation und Validierung des RCOPE

Hintergrund Im Bewältigungsprozess kritischer Lebensereignisse können religiöse Vorstellungen und Verhaltensweisen eine Ressource darstellen. Im deutschsprachigen Raum sind hierzu bisher Diagnostika zur Krankheitsbewältigung etabliert, die Religiosität als eindimensionale Skala abbilden (Klauer &...

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Main Author: Fehlberg, Esther
Contributors: Basler, Heinz-Dieter (Prof. Dr. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2014
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Hintergrund Im Bewältigungsprozess kritischer Lebensereignisse können religiöse Vorstellungen und Verhaltensweisen eine Ressource darstellen. Im deutschsprachigen Raum sind hierzu bisher Diagnostika zur Krankheitsbewältigung etabliert, die Religiosität als eindimensionale Skala abbilden (Klauer & Filipp, 1993). Diese Inventare berücksichtigen jedoch nicht die verschiedenen Dimensionen von Religiosität, die nach Maercker und Langner (2001) zudem eine von fünf Dimensionen persönlicher Reifung nach traumatischen Erlebnissen darstellt. Zur eingehenderen Untersuchung funktionaler und dysfunktionaler Aspekte von Religiosität haben Pargament und Mitarbeiter (1998, 2000) mit dem RCOPE ein umfangreiches multidimensionales Diagnostikum religiöser Bewältigung vorgelegt. Zusätzlich hierzu wurde mit dem Brief-RCOPE ein Kurzinstrument ergänzt, welches positive (funktionale) und negative (dysfunktionale) religiöse Bewältigungsstile mit 14 Items skalenübergreifend erfasst. Die vorliegende Arbeit hatte zum Ziel, durch die Adapation der beiden vorgenannten amerikanischen Instrumente ins Deutsche und nachfolgende Validierung die differenzierte Erfassung religiöser Bewältigungsstile dem deutschen Sprachraum zugänglich zu machen. Methoden Unter Berücksichtigung der Validierungsstudien zum Original wurden aus ökonomischen Gründen neun der insgesamt 17 Skalen des RCOPE ausgewählt. Die 14 Items des Brief-RCOPE wurden unverändert übernommen. Eingeschlossen wurden N = 210 Personen, die einem Life-Event ausgesetzt gewesen waren. Weitere Instrumente, die in die vorliegende Studie integriert wurden, waren: „Hospital Anxiety and Depression Scale“ (Herrmann et al., 1995), „Symptom-Checkliste SCL-90“ (Franke, 1995) sowie „Posttraumatische Persönliche Reifung“ (Maercker & Langner, 2001). Ergebnisse Die Skalen des RCOPE (z.B. „Aktives Vertrauen in Gottes Beistand“, „Zweifel an Gottes Macht“) zeigten befriedigende bis gute Reliabilitäten (Cronbachs α = .72 – .88). In der analog den Originalarbeiten durchgeführten Faktorenanalyse mit obliquer Rotation konnte die Faktorenstruktur Pargaments weitestgehend repliziert werden, es ergab sich zunächst eine achtfaktorielle Lösung. Aus inhaltlichen Gründen wurde der starke erste Faktor aufgeteilt, sodass sich eine neunfaktorielle Lösung ergab, die damit Pargaments Ergebnissen entspricht. Fast alle Skalen wiesen substanzielle positive Assoziationen zu den Dimensionen der persönlichen Reifung auf (rmax = .62, p < 0.01). In einer Regressionsanalyse mit persönlicher Reifung als Kriterium konnten 37% der Kriteriumsvarianz auf religiöses Coping zurückgeführt werden. Hinsichtlich der Anwendung funktionaler und dysfunktionaler religiöser Bewältigungsstile wies eine Teilstichprobe aktiver kirchlicher Laien höhere Mittelwerte auf. Die beiden Skalen des Brief-RCOPE wiesen mit Cronbachs α = .91 für positives religiöses Coping eine sehr gute Reliabilität, mit α =.76 für negatives religiöses Coping eine befriedigende Reliabilität auf. Für funktionale Copingstrategien zeigte sich eine mittlere Assoziation mit persönlicher Reifung (r = .49), auch dysfunktionale religiöse Bewältigung war schwächer mit persönlicher Reifung assoziiert (r = .29). Die Assoziationen mit Ängstlichkeit und Depressivität waren für beide Skalen des Brief-RCOPE schwach positiv. Schlussfolgerung Mit der deutschen Adaptation der RCOPE liegt ein ausführliches Instrument zur multidimensionalen Erfassung religiösen Copings vor. Das Instrument ist reliabel mit stabiler Faktorenstruktur im transkulturellen Vergleich. Die Kriteriumsvalidität des RCOPE zeigte sich in erwartungskonformen Niveauunterschieden in den Teilstichproben. Relevante Assoziationen von religiöser Bewältigung mit persönlicher Reifung belegten im Einklang mit den Originalarbeiten die Konstruktvalidität. Die Validität des Brief-RCOPE als Screening-Instrument bedarf weiterer Überprüfung z.B. in Patientenkollektiven.
DOI:10.17192/z2014.0286