Karieszuwachs bei Vorschulkindern; Korrelation zu verschiedenen Ernährungs -und Prophylaxeparametern

Die vorliegende longitudinale Studie wurde von 2006/ 2007 bis 2009 in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf durchgeführt. Die Kinder wurden in ihren Kindergärten mit der Form der zahnmedizinischen Prophylaxe betreut, die zurzeit in den genannten Landkreisen üblich ist. Dazu gehö...

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Main Author: Glaser, Marion
Contributors: Pieper, Klaus (Prof. Dr. ) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2014
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die vorliegende longitudinale Studie wurde von 2006/ 2007 bis 2009 in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf durchgeführt. Die Kinder wurden in ihren Kindergärten mit der Form der zahnmedizinischen Prophylaxe betreut, die zurzeit in den genannten Landkreisen üblich ist. Dazu gehören gelegentliche Zahnputzunterweisungen, durch die Kindergärtnerinnen überwachte Zahnpflege und die Versorgung mit Fluoridzahnpasten. Im Jahre 2006/ 2007 wurden die zu dem Zeitpunkt 2- bis 4-Jährigen Kinder aus den Landkreisen kariesepidemiologisch befundet. Zur Bestimmung des Kariesinkrements bei jedem einzelnen Probanden wurde 2009 eine zweite Untersuchung durchgeführt. Es konnten insgesamt für 826 Kinder Anfangsbefunde (aufgenommen im Jahr 2006/ 2007) sowie Endbefunde (aufgenommen im Jahr 2009) erhoben werden. Aus den erhobenen Daten wurden kariesepidemiologische Parameter wie dmf-t- und dmf-s Werte und das Kariesinkrement errechnet. Für die Ermittlung der unabhängigen Variablen wurde zusätzlich ein ausgefüllter Fragebogen aus dem Jahr 2009 benötigt, welcher von 566 Kindern vorlag. Die Ergebnisse zeigen, dass bei 395 Kindern, das entspricht 69,8 % der untersuchten Population kein Kariesinkrement zu beobachten war. 171 Kinder (30,2 %) hatten jedoch einen Karieszuwachs von 1 bis 10 dmf-t. Im Durchschnitt betrug der mittlere dmf-t Inkrementwert 0,75. Die bivariate Analyse, mit der der Einfluss unterschiedlicher Variablen auf die Zielgröße „dmf-t“ untersucht wurde, ergab für folgende Variable einen negativen Einfluss auf die Zahngesundheit: • Hoher Zuckerscore als Maß für ungünstige Ernährungsgewohnheiten. Folgende Variablen hingegen zeigten einen positiven Einfluss auf die Zahn-gesundheit: • Früher Beginn der Zahnpflege (im 1. Lebensjahr), • Verwendung einer Kinderzahnpaste, • Mindestens 1mal tägliches Zähneputzen. In unserer Studie konnte eine deutliche Abhängigkeit des Kariesvorkommens von der sozialen Schicht festgestellt werden. Mit Hilfe der schrittweisen, multiplen Regressionsanalyse („stepwise backward logistic regression analysis“) konnten statistisch signifikante Einflüsse von Ernährungsgewohnheiten (RK= 0,033; p=0,028) und der sozialen Schichtzugehörig-keit (RK= -0,096; p=0,004) nachgewiesen werden. Die zunehmende Polarisation macht eine weitere Reduktion des Kariesbefalls mit den herkömmlichen Methoden der Gruppenprophylaxe zunehmend schwieriger. Die in der vorliegenden Studie ermittelten Ergebnisse verdeutlichen, dass vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien nicht adäquat von den herkömmlichen kariespräventiven Maßnahmen profitieren. Es bedarf weiterer Studien, um mehr Verständnis für die verschiedenen Risikofaktoren der Frühkindlichen Karies zu erlangen, sowie weiterer Anstrengungen im gruppen- und individualprophylaktischen Bereich, um dauerhafte Erfolge vorweisen zu können.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0174