Befragung über den Umgang mit neuraxial verbliebenen Fremdkörpern

Eine aufgrund ihres seltenen Auftretens in der Literatur wenig beschriebene Komplikation ist der Verbleib eines Katheterteils im neuraxialen Raum. Bisher reicht die zur Verfügung stehende Literatur und Datenlage nicht aus, um ein angemessenes Vorgehen in Diagnostik und Therapie zu gewährleisten. Di...

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Main Author: Lieb, Anne-Friederike Christine
Contributors: Frietsch, Thomas (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Eine aufgrund ihres seltenen Auftretens in der Literatur wenig beschriebene Komplikation ist der Verbleib eines Katheterteils im neuraxialen Raum. Bisher reicht die zur Verfügung stehende Literatur und Datenlage nicht aus, um ein angemessenes Vorgehen in Diagnostik und Therapie zu gewährleisten. Die Gesellschaften der Anästhesie und Intensivtherapie (DGAI), Neurochirurgie (DGNC), Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) und Unfallchirurgie (DGU) wurden per Email kontaktiert und ein Fragebogen mit 10 verschiedenen Fragen wurde an die Kliniksdirektoren, Chefärzte und Praxisinhaber weitergeleitet. Von August 2008 bis Mai 2009 wurden 130 Antworten an ein eingerichtetes Postfach zurück gesandt. Durch systematische Analyse der Rückmeldungen konnten Erkenntnisse zum Vorgehen bei einem Verbleib eines Katheterfragments im neuraxialen Raum gewonnen und ein Experten-basierter Standard sowie Handlungsanleitungen entwickelt werden. Der größte Teil der Antwortenden besteht aus anästhesiologisch tätigen Ärzten, die über reichlich Erfahrung mit den angegebenen Katheterverfahren verfügen und in nicht spezialisierten Häusern arbeiten. Die Handlungsanweisungen zur Extraktion von neuraxial verbliebenen Fremdkörpern lauten wie folgt: Ist ein Katheterfragment im asymptomatischen erwachsenen Patienten verblieben, so kann in dieser Situation zugewartet werden. Eine Antibiotikaprophylaxe wird nicht empfohlen. Im symptomatischen erwachsenen Patienten sollte das Katheterfragment durch ein Dünnschicht- CT lokalisiert werden. Ist dies nicht erfolgreich sollte eine Röntgenkontrolle unter Durchleuchtung erfolgen. Bleiben beide Diagnostikmittel ohne Erfolg, wird eine operative Exploration empfohlen. Hauptindikationen für eine Operation sind neurologische Ausfälle, Liquorverlustsymptomatik, Infektionen, Schmerzen und lokale Beschwerden. Relative Indikationen sind Schmerzen trotz konventioneller Schmerztherapie, Infektion trotz adäquater Antibiotikatherapie und gesicherte intrathekale Lage. In nicht erwachsenen Patienten ist eine sofortige Operationsindikation zu sehen, da aufgrund des längeren Verbleibs des Katheterstücks und des bevorstehenden Wachstums mit einer erhöhten Komplikationsrate gerechnet werden muss. Zum operativen Vorgehen wird unabhängig vom Alter der Patient in Bauchlage gelagert und das Katheterteil über die Eintrittsstelle in Allgemeinanästhesie aufgesucht. Der Zugangsweg kann entweder durch einen mikrochirurgischer Zugang mit Mikroskop oder über die Midline Inzision erfolgen. Der Eingriff ist nach dem jetzigen Stand der Erkenntnis durch eine neurochirurgische Fachabteilung durchzuführen. Dieses Vorgehen kann aufgrund der Befragung erstmals präzisiert werden, da aus der Literatur bisher keinerlei Empfehlungen und Standards zum operativen Vorgehen ableitbar waren.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0287