Die Fraktur des Os nasale: Eine Analyse an 300 Patienten

Ziel dieser Untersuchung war es, das Patientengut der zwischen 1999 und 2004 in der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Philipps-Universität Marburg behandelten Patienten mit Nasenbeinfrakturen im Spiegel der Literatur zu analysieren. Von besonderem Interesse war hierbei das diagnostische und therapeutische...

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Main Author: Gedeon, Hannah
Contributors: Bette, Michael (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2009
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Ziel dieser Untersuchung war es, das Patientengut der zwischen 1999 und 2004 in der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Philipps-Universität Marburg behandelten Patienten mit Nasenbeinfrakturen im Spiegel der Literatur zu analysieren. Von besonderem Interesse war hierbei das diagnostische und therapeutische Vorgehen sowie Faktoren, die die Entstehung eines Septumhämatoms begünstigen. Der Untersuchung lagen die retrospektiv erhobenen Ergebnisse von 300 Patienten mit einfacher oder komplexer Nasenbeinfraktur zugrunde, die im oben genannten Zeitraum behandelt wurden. 15 dieser 300 Patienten entwickelten ein posttraumatisches Septumhämatom. Der Altersdurchschnitt im untersuchten Patientenkollektiv lag bei 29,6 Jahren. Die drei Hauptursachen waren Stürze (30%), tätliche Auseinandersetzungen (28%) und Sportunfälle (27%). Es bestand eine deutliche Prädisposition für das männliche Geschlecht (77%). In der vorliegenden Studie zeigte sich ein Anstieg der Inzidenz für Nasenbeinfrakturen sowohl in den Wintermonaten als auch am Wochenende. Das therapeutische Vorgehen bei der Nasenbeinfraktur wird kontrovers diskutiert. Unter Berücksichtigung der Literatur und der Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung scheint bei Patienten mit unkomplizierter Nasenbeinfraktur die geschlossene Reposition die Therapie der Wahl zu sein. Eine primäre Septorhinoplastik sollte Patienten mit komplexem Verletzungsmuster vorbehalten bleiben. Bezüglich der Narkoseart wird je nach Land und Institution entweder ein Vorgehen in Lokalanästhesie oder in Vollnarkose bevorzugt. Eine unkomplizierte geschlossene Nasenbeinfraktur ohne Affektion des Septums kann in der Regel problemlos in Lokalanästhesie geschlossen reponiert werden. Vorteil der Reposition unter Lokalanästhesie ist das verminderte Narkoserisiko sowie die schnellere und kostengünstigere Versorgung der Patienten bei vergleichbaren funktionellen und kosmetischen Ergebnissen. Ein stationärer Aufenthalt ist aufgrund des verhältnismäßig geringen Schwierigkeitsgrades des Eingriffes und des steigenden Kostendruckes immer weniger zu rechtfertigen. Auch in der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Philipps-Universität Marburg erfolgt die Reposition der einfachen Nasenbeinfraktur zunehmend unter ambulanten Bedingungen in Lokalanästhesie. Ein weiteres Ziel der vorliegenden Erhebung war begünstigende Faktoren für die Entstehung eines Septumhämatoms zu identifizieren, um durch deren rasches Erkennen die entsprechende Behandlung gegebenenfalls zu optimieren. Das Septumhämatom tritt meistens posttraumatisch und nur in seltenen Fällen spontan auf. Im Patientenkollektiv der vorliegenden Studie trat es bei 5% der Patienten auf. In den meisten dieser Fälle (60%) bestand das Septumhämatom bereits im Rahmen der Erstvorstellung. Seltener wurde ein Septumhämatom nach einem Intervall von einigen Tagen diagnostiziert. Die Therapie der Wahl beim Septumhämatom ist die sofortige Inzision und Entlastung des Hämatoms sowie eine prophylaktische Antibiotikatherapie. Wird ein Septumhämatom nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es zu schwerwiegenden Komplikationen bei aufsteigenden Infektionen kommen, wie z.B. Menigitiden, Sinus-cavernosus-Thrombosen, Subarachnoidalempyeme, Hirnabszesse, etc. Patienten, die ein Septumhämatom entwickelten, zeigten weder bei den Unfallursachen noch bei der Geschlechts- und Altersverteilung größere Unterschiede zu den Patienten, die kein Septumhämatom entwickelten. Die besondere Häufung eines bestimmten Symptoms, welches mit großer Sicherheit auf ein Septumhämatom hinweist, konnte während der Analyse der vorliegenden Daten nicht identifiziert werden Einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Patientengruppen zeigte sich bei den begleitenden Weichteilverletzungen. So lag der Anteil an offenen Frakturen bei Patienten mit Septumhämatom mit 80% um ein Vielfaches höher als bei Patienten ohne Septumhämatom, bei denen nur in 18% der Fälle eine offene Fraktur vorlag. Bei 67% der Patienten, die ein Septumhämatom entwickelten, lag außerdem eine Septumfraktur vor, während nur 5% der Patienten ohne Septumhämatom eine Septumfraktur erlitten. Im Umkehrschluss ließ sich feststellen, dass Patienten, bei denen eine Septumfraktur vorlag, in 43% der Fälle auch ein Septumhämatom entwickelten. Im Gegensatz dazu entwickelte sich bei Patienten ohne Septumfraktur ein Septumhämatom nur in 5% der Fälle. Aufgrund des gehäuften Auftretens von Septumhämatomen im Rahmen von komplexen offenen Nasenbeinfrakturen und Septumfrakturen sollte bei Patienten mit diesem Verletzungsmuster besonders auf die Entstehung eines Septumhämatoms geachtet werden. Engmaschige Kontrollen und frühzeitige operative Therapie bei Nachweis eines Septumhämatoms sind die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung späterer Funktionseinschränkungen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0512