AUFFASSUNG DER PERSON, „INAU’KÉ“ UND DES „PENSAMIENTO“ BEI DEN YUKUNA-MATAPÍ(MIRITÍ-PARANÁ, AMAZONAS – KOLUMBIEN)

Die vorliegende ethnologische Arbeit beschäftigt sich sowohl mit der traditionellen Begründung als auch mit den aktuellen Erwerbs- und Erhaltungsumständen der Identität bei den Yukuna-Matapí Indianern der kolumbianischen amazonischen Tiefländer. „Soziale Person“ und „Self“ sind die hier erarbeiteten...

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Main Author: Robayo Romero, Camilo Alberto
Contributors: Münzel, Mark (Professor. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Subjects:
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Description
Summary:Die vorliegende ethnologische Arbeit beschäftigt sich sowohl mit der traditionellen Begründung als auch mit den aktuellen Erwerbs- und Erhaltungsumständen der Identität bei den Yukuna-Matapí Indianern der kolumbianischen amazonischen Tiefländer. „Soziale Person“ und „Self“ sind die hier erarbeiteten theoretischen Begriffe, die zu erst von Marcel Mauss (1938) vorgestellt wurden, dann anschließend durch die Werke von C. Geertz (1973, 1981) eine weitere Verbreitung fanden, und in der jüngsten Zeit bei M. Sökefeld diskutiert wurden. In Bezug zu den vorangehenden ethnographischen Arbeiten von C. y S. Hugh-Jones (1979, 1979), K. Ahrem (1993), A. C. Taylor (1996) and E. Viveiros de Castro (1998), wird eine Analyse vorgeschlagen, in der die Vorstellungen, Praxis und Kategorien, die mit der Gestaltung, Ausübung und dem Verlust der Identität innerhalb der Gruppe zusammenhängen, geklärt werden sollen. Die Fragestellung der Macht-Strategien hinter diesem Modell ist an der kritischen Perspektive Talal Asads (1983, 1993) orientiert. Diese Forschung ist ein Beitrag zur aktuellen Debatte der ethnozentristischen Neigung im anthropologischen Begriff der Person. Dagegen wird eine integrierte Natur-Kultur- Vorstellung der Menschheit in Einklang mit einem nicht essenzialistischen Identitätsmodell vorgestellt. Die Daten und ethnographischen Erfahrungen wurden nach insgesamt 36 Monaten Feldforschung, innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren, erworben. Eine ideologische männliche Sichtweise prägt diese Arbeit. Einige kulturelle Schemata um die Gestaltung der Yukuna-Matapí Person und die heutige Situation der Identität konnten herausgefunden werden. Die folgenden Faktoren bilden die Person-Vorstellungen dieser Gruppe: die Integration weiblicher und männlicher Erben, die Ernährung und Bildung der Körper, die Zuweisung einer rituellen Spezialisten- oder Arbeiterrolle, die Lieferung von Wissen und ein Verhaltenskodex. Diejenigen, die das Modell annehmen, werden als echte Personen, inauké, anerkannt. Körper und Verhalten sind durch Wissen eingebunden. Die Frauen tragen zum Aufbau des Körpers bei, während die Schamanen, Babys und Kinder sich mit der Weisheit und den speziellen Fähigkeiten der Vorfahren in Verbindung setzen. Die Schamanen verwalten jene und gehen mit dieser Weisheit um; auf Grund der Objektifizierung des ripechu, ein Begriff, der auf Spanisch als „pensamiento“, „Denken“, übersetzt wird, aber welcher, in Bezug auf mentale Vorstellungen, Emotionen, Eigenschaften von Dingen, besondere Teile von Pflanzen oder Tieren, und als Macht oder Fähigkeiten mythischer Wesen, zu verstehen ist. Wenn die Vorfahrensidentität eines „Spezialisten“ der Veranlagung des Einzelnen entspricht, dann wächst der Körper auf und das Wissen wird gelernt, wenn nicht, werden Krankheiten und sogar Todesgefahr entstehen. Durch semantische Assoziationen wird die Konsistenz zwischen der Polarität sozialer Werte, der hierarchischen sozialen Rollen-Anordnung, ihren entsprechenden Aktivitäten, und der Wörter für Emotionen und mentalen Zuständen, bewiesen. Zum Schluss werden die vorgeschlagenen kulturellen Schemata mit den Lebensgeschichten konfrontiert, um die individuellen Erfahrungen und die Wege der narrativen Selbstbild (Self) -Konstruktion der Interviewpartner erfahren zu können. Kapitel eins leitet das Thema und den theoretischen Rahmen ein, anschließend folgt eine Vorstellung der Gruppe. Kapitel zwei erwähnt eine Diskussion zwischen Mitgliedern verschiedener Siedlungen über den Verlust und die Erhaltung der indianischen Sprache und der traditionellen Gewohnheiten. Eine Einigung wird erreicht, wenn die schamanistischen Heilungsarbeiten als Kern der kulturellen Identität anerkannt ist. In Kapitel drei werden einige Baby- und Kinder-Heilungen und -Rituale analysiert. Kapitel vier präsentiert und analysiert drei Mythen, in denen der Sinn des Lebens zu begreifen ist. Das Erwachsenen- Initiationsritual wird als fundamentaler Schritt zur Erwerb des Status der Person, inau´ké, vorgestellt. Kapitel fünf analysiert erst eine Chronik eines Yukuna Vorstehers und dann ein persönliches Ereignis aus dem Leben eines Matapí Mitgliedes. Beide Figuren werden ihre Qualität, vollständige Personen, inau´ké, zu sein, auf Grund kulturellen Wandels und dem unsozialen Verhalten des Ersten, und wegen des Raubes des ripechu „Denken“ des Zweiten, verlieren. Einige Figuren und Tropen, die Bedeutung und die Sinn-Erweiterung von ripechu „Denken-Emotionen“ – in der schamanistischen Sichtweise grundlegend – werden im Kapitel sechs untersucht. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den kulturellen Schemata der Yukuna-Matapí Person und seiner Auseinandersetzung mit Lebensgeschichten realer Individuen. Die Erzählungen zeigen Optionen und Verhandlungen mit traditionellen Modellen der Identität aber auch die bewusste Flucht aus ihnen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0081