Explaining aggressive and delinquent behaviors of disadvantaged adolescents: The impact of negative metastereotypes

For a long time, different (social-) scientific disciplines have been concerned with the phenomena aggression, violence, and delinquency. The particular relevance of these topics in adolescence is demonstrated by recent heated debates about youth violence in several European countries – for example,...

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Main Author: Issmer, Christian
Contributors: Wagner, Ulrich (Prof.Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:English
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Table of Contents: Seit vielen Jahren beschäftigen sich unterschiedliche (sozial-) wissenschaftliche Disziplinen mit den Phänomenen Aggression, Gewalt und Delinquenz. Dass diese Themen besonders im Jugendalter eine hohe Relevanz haben, zeigen die derzeit hitzig geführten Debatten zur Jugendgewalt in verschiedenen Europäischen Ländern – zum Beispiel im Zuge der „U-Bahn Schläger“ Vorkommnisse in Deutschland (vgl. Becker, Brandt, Kaiser, Neumann, & Scheuermann, 2011) oder der als „London riots“ bekannt gewordenen Ausschreitungen in Großbritannien im August 2011 (vgl. Reicher & Stott, 2011). Ein Ziel der vorliegenden Dissertation war es, den Einfluss sogenannter „negativer Metastereotype“ gegenüber der Mehrheitsgesellschaft auf Aggression und Delinquenz in Gruppen benachteiligter junger Menschen zu untersuchen. Metastereotype können als Überzeugungen darüber verstanden werden, welche Stereotype über die eigene soziale Gruppe in einer Fremdgruppe bestehen (Vorauer, Main & O’Connell, 1998). Im Kontext der vorliegenden Dissertation ist dies zum Beispiel die Überzeugung eines jugendlichen Inhaftierten, dass die Gesellschaft außerhalb der Gefängnismauern jugendliche Straftäter allgemein für disziplinlos oder dumm hält. Im Rahmen der Dissertation wurden Daten in insgesamt drei gesellschaftlichen Gruppen erhoben: Inhaftierte im Jugendstrafvollzug, bildungsbenachteiligte junge Menschen und Mitglieder einer ethnischen Minderheit. Die zentrale Hypothese war, dass negative Metastereotype gegenüber der Mehrheitsgesellschaft sich in benachteiligten Gruppen aggressions- und delinquenzverstärkend auswirken. Diese Hypothese gründet sich auf Überlegungen der kriminologischen Labeling-Theorie (Becker, 1963) sowie auf Befunde aus der sozialpsychologischen Forschung in der Tradition der Sozialen Identitätstheorie (Tajfel & Turner, 1986) und zum Phänomen der sozialen Exklusion (Williams, 2009). Die vorliegende Arbeit besteht aus insgesamt drei Manuskripten, in denen jeweils die genannte zentrale Hypothese getestet wurde. Darüber hinaus verfolgte jedes Manuskript spezifische weitergehende Fragestellungen. Die Hypothesen dieser Arbeit konnten in insgesamt fünf Studien bestätigt werden. Mittels einer Stichprobe von N = 225 Inhaftierten im Jugendstrafvollzug wurde in Manuskript #1 gezeigt, dass negative Metastereotype bezüglich der Mehrheitsgesellschaft verschiedene delinquenzverstärkende Maße vorhersagen, wie etwa Aggressivität oder eine negative Einstellung zum Gesetz. In einer zweiten Studie mit N = 92 bildungsbenachteiligten SchülerInnen fand sich ferner, dass negative Metastereotype auch mit selbstberichtetem Begehen von Straftaten zusammenhängen und dass dieser Zusammenhang nur für Personen mit einem hohen impliziten Selbstwert signifikant ist (vgl. Bushman et al., 2009). In Manuskript #2 wurde mittels einer Stichprobe von N = 50 Personen einer ethnischen Minderheit in Großbritannien demonstriert, dass negative Metastereotype die wahrgenommene Fairness der Gesellschaft senken, weil sie die Erinnerung an persönliche Diskriminierungserfahrungen erhöhen (vgl. Owuamalam & Zagefka, 2012). In einer zweiten Studie mit N = 132 bildungsbenachteiligten Jugendlichen wurde zusätzlich gezeigt, dass die beiden genannten Konstrukte den verstärkenden Einfluss von negativen Metastereotypen auf verschiedene problematische Verhaltensweisen (z.B. auf Aggression) sowie den vermindernden Einfluss auf friedliches Protestverhalten mediieren. Schließlich wurde in Manuskript #3 anhand einer längsschnittlich befragten Stichprobe von N = 181 BerufsschülerInnen aufgezeigt, dass wahrgenommene gesellschaftliche Desintegration (vgl. Heitmeyer & Anhut, 2000) sich verstärkend auf negative Metastereotype gegenüber der Mehrheitsgesellschaft auswirkt. Außerdem konnten negative Metastereotype als längsschnittlicher Mediator des Effekts von wahrgenommener Desintegration auf Gewaltverhalten bestätigt werden. Insgesamt weisen die Ergebnisse der drei Manuskripte auf die Relevanz von negativen Metastereotypen bei der Entstehung und Beibehaltung aggressiver und delinquenter Verhaltensmuster hin. Damit legen sie auch nahe, dass eine Reduzierung negativer Metastereotype als wirksame Strategie zur Gewalt- und Kriminalitätsprävention genutzt werden könnte. In der vorliegenden Dissertation wird zum Beispiel Intergruppenkontakt als eine Möglichkeit diskutiert, die Sichtweise der jeweils anderen Gruppe besser kennenzulernen und dadurch Stereotype und Metastereotype abzubauen (siehe Pettigrew & Tropp, 2006, 2008). Darüber hinaus deuten die Befunde zum Einfluss wahrgenommener Desintegration darauf hin, dass benachteiligte Gruppen in unserer Gesellschaft mehr (Aufstiegs-) Chancen, etwa durch verbesserte Arbeitsmarktintegration, und mehr Wertschätzung erfahren sollten. So können Gewalt und Delinquenz wirksam bekämpft werden.