Krankheitskosten und gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten mit Multipler Sklerose

Die aktuellen Diskussionen und die in ganz Europa stattfindenden Reformen des Gesundheitssektors verdeutlichen die wachsende Bedeutung von ökonomischen Aspekten in der Medizin. Eine der grundlegenden Formen von gesundheitsökonomischen Studien sind Krankheitskostenstudien. Sie ermitteln die durchsc...

Full description

Saved in:
Bibliographic Details
Main Author: Wienemann, Gabriele
Contributors: Dodel, Richard (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
Description
Summary:Die aktuellen Diskussionen und die in ganz Europa stattfindenden Reformen des Gesundheitssektors verdeutlichen die wachsende Bedeutung von ökonomischen Aspekten in der Medizin. Eine der grundlegenden Formen von gesundheitsökonomischen Studien sind Krankheitskostenstudien. Sie ermitteln die durchschnittlichen Kosten pro Jahr für einen Patienten mit einer bestimmten Erkrankung. Die Kosten werden aus gesellschaftlicher Perspektive berechnet, das heißt sämtliche durch die Krankheit verursachten Kosten sind relevant. In dieser Studie wurden die Krankheitskosten für Multiple Sklerose (MS) bestimmt. MS, eine chronisch entzündliche Erkrankung des ZNS, betrifft auch junge Menschen und zählt zu den kostenintensivsten neurologischen Erkrankungen. Die Kosten wurden für einen Zeitraum von drei Monaten mittels Fragebogen erhoben. Ein weiterer Teil der Arbeit bestand in der Erfassung der Lebensqualität von MS-Patienten. Er wurde mit allgemeinen (EQ-5D) und speziell für Multiple Sklerose (FAMS) entwickelten Instrumenten erhoben. An der Studie nahmen 87 MS-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 41,5 Jahren teil. Die Analyse ergab mittlere jährliche Gesamtkosten pro MS-Patient von 39 900 €. Davon waren 56,5% direkte Kosten, der übrige Anteil wurde durch Arbeitsausfall bzw. Frührente indirekt verursacht. Die indirekten Kosten nahmen mit der Krankheitsschwere zu; der Anteil der Personen, die aufgrund der MS-Erkrankung nicht berufstätig waren lag bei 46%. Der Beschäftigungstatus korrelierte linear mit dem EDSS-Wert. Pro Jahr und Patient fielen durchschnittlich 22 536 € direkte Kosten an, davon waren 14 319 € Medikamentenausgaben. Der zweitgrößte direkte Kostenfaktor waren mit 3 530 € Krankenhausaufenthalte. Bei den direkten Kosten war der Zusammenhang zwischen Krankheitsschwere und Kosten nicht so eindeutig, da die Medikamentenkosten, die den größten Anteil an den direkten Kosten darstellten, mit zunehmender Krankheitsschwere abnahmen. Die Lebensqualität der Studienteilnehmer nahm, wie erwartet, mit stärkerer Ausprägung der Erkrankung ab. Einen signifikant negativen Einfluss auf die Lebensqualität hatten außerdem Depression, Fatigue, Alter, Krankheitsdauer sowie ein höheres Alter bei Diagnosestellung. Depression und Fatigue besaßen in den univariaten Untersuchungen die höchste Korrelation zur Lebensqualität. Untereinander standen diese beiden Aspekte in starkem Zusammenhang. Multiple Sklerose stellt für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes eine hohe Belastung dar. Durch eine optimale und frühe Behandlung kann möglicherweise ein Ausscheiden aus dem Berufsleben verzögert werden. Dadurch könnten indirekte Kosten eingespart werden und eine höhere Lebensqualität erzielt werden. Die hohe psychische Belastung der Erkrankung legt nahe, dass nicht nur eine medizinische sondern auch eine psychotherapeutische Versorgung bei vielen MS- Patienten notwendig ist.
DOI:10.17192/z2012.0304