Wirtschaftliche Evolution aus systemtheoretischer Perspektive

In der Dissertation von Peter Rassidakis, Diplom Volkswirt aus Marburg, wird unter Verwendung des systemtheoretischen Instrumentariums aufgezeigt, wie sich Evolution als ein Prozess der Vielfaltsstei-gerung in unterschiedlichen Systemen vollzieht. Nach einer Darstellung grundlegender systemtheor...

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Main Author: Rassidakis, Peter
Contributors: Röpke, Jochen (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Doctoral Thesis
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2009
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der Dissertation von Peter Rassidakis, Diplom Volkswirt aus Marburg, wird unter Verwendung des systemtheoretischen Instrumentariums aufgezeigt, wie sich Evolution als ein Prozess der Vielfaltsstei-gerung in unterschiedlichen Systemen vollzieht. Nach einer Darstellung grundlegender systemtheoretischer Überlegungen werden zunächst individuelle Evolutionsprozesse betrachtet. Individuen sind aus systemtheoretischer Perspektive operativ geschlos-sene Systeme und können durch eine autopoietische Reproduktion ihres Bewusstseins ihre Vielfalt steigern. Sie nehmen dabei Reize aus der Umwelt wahr, die zur Aufdeckung von unbewussten Inkom-petenzen führen und Lernprozesse auslösen können, die sich auf mehreren Lernebenen abspielen. Individuen agieren im Rahmen sozialer Systeme, in denen sie eingebunden sind und ihre Kommunikationen reproduziert werden. Soziale Systeme nehmen ihre Umwelt über ihre partizipierenden Individuen wahr und besitzen eine eigene Wissensbasis, die ein emergentes Produkt des Wissens und der Kompetenzen ihrer Akteure ist. Insbesondere sind Unternehmenssysteme dargestellt worden, die mit Hilfe ihrer Strukturen und Regeln unterschiedliche Kommunikationen zulassen bzw. fördern oder aber verbieten. Es wurden zentrale Kriterien herausgestellt, die den Wissensaufbau und die Wissensdurchsetzung innerhalb von Unternehmenssystemen unterstützen können. In einem weiteren Schritt der Untersuchung werden Wirtschaftssysteme betrachtet. Ihr Hauptmerkmal sind die Form der Interaktion durch Zahlungen sowie ihr wertschöpfender Operationsmodus. Diese können anhand unterschiedlicher systemischer Abgrenzungskriterien in Teilsysteme wie bspw. funktionale Systeme, Märkte oder Industrien differenziert werden. Wirtschaftssysteme können ebenfalls Evo-lutionsprozesse durchlaufen. Sie steigern dadurch ihre Fähigkeiten, mit gegenwärtigen und zukünftigen Knappheiten umzugehen. Die Notwendigkeit der Evolution - in Form der Integration neuen Wissens in den Wertschöpfungsprozess - wird hauptsächlich durch den abnehmenden Grenznutzen von Innova-tionen begründet. Für den Prozess wirtschaftlicher Evolution stellen sich technologische Pfadabhängig-keiten sowie sozio-ökonomischer Faktoren als äußerst bedeutsam heraus. Abschließend wird die Rolle wirtschaftlicher Evolution für übergeordnete gesellschaftliche Systeme sowie die Bedeutung von Interaktionen zwischen gesellschaftlichen Teilsystemen für die Erzeugung und Diffusion von Wissen untersucht. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die strukturelle Kopplung der Systeme der Wissenschaft und der Wirtschaft gelegt, wobei sich gesamtgesellschaftliche sowie system-spezifische Normen und Regeln aufzeigen lassen, die den Wissenstransfer zwischen diesen Systemen beeinflussen können. Vor dem Hintergrund der prinzipiellen Schwierigkeit, Erfahrungswissen zu übertragen, wird die besondere Rolle individuellen Handelns für diesen Prozess herausgestellt. Der systemtheoretische Ansatz zeigt auf, dass der Versuch einer Erklärung evolutiver Prozesse abhängig von der Abgrenzung ist, die ein Beobachter vornimmt. Die Wahrnehmung, der Aufbau und die Selektion von Wissen erfolgen somit innerhalb von Grenzen, die je nach systemischem Blickwinkel in einem System selbst oder in seiner Umwelt anzusiedeln sind. Dadurch lässt sich wirtschaftliche Evolution als eine Abfolge bestimmter Interaktionen zwischen psychischen, unternehmerischen und wirtschaftlichen Systemen untersuchen.
DOI:10.17192/z2009.0387