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Titel:Technische Humankapitalbildung in der Yokosuka-Schiffswerft zu Beginn der Industrialisierung Japans
Autor:Nishiyama, Takahiro
Weitere Beteiligte: Pauer, Erich (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2009
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2009/0459
DOI: https://doi.org/10.17192/z2009.0459
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2009-04599
DDC:330 Wirtschaft
Titel(trans.):Technical human capital formation in the Yokosuka-shipyard at the beginning of the industrialisation in Japan
Publikationsdatum:2009-10-09
Lizenz:https://rightsstatements.org/vocab/InC-NC/1.0/

Dokument

Schlagwörter:
Human resouce management, Japan, Humankapital, Humankapitaltheorie, Industrialization, Industrialisierung, Japan, Human capital formation

Zusammenfassung:
Durch den Kontakt mit holländischen Händlern hatte Japan frühzeitig Zugang zu westlichem Wissen. In der Edo-Zeit (1603-1868) wurden insgesamt mehr als 10.000 Bücher über Medizin und Technologie aus Holland eingeführt. Die Anzahl der Japaner, die sich über die holländische Sprache westliches Wissen aneigneten, betrug bis Ende der Edo-Zeit über 3.000. Sie verbreiteten das technische, medizinische und kulturelle Wissen aus dem Westen über ihre Lehrtätigkeit in den ‚Schulen der westlichen Wissenschaften (yōgaku-juku)‘, die in der Edo-Zeit die Rezeptions- und Diffusionsstellen westlichen Wissens waren. Dieses akkumulierte Vorwissen über die westliche Technologie und Medizin wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend umgesetzt und zur Weiterentwicklung eigener Techniken angewendet. Die japanische Industrialisierung ging somit mit einem langfristigen Wissens- und Technologietransfer aus dem Westen einher und kann deshalb nicht als spontane, von der neuen Meiji-Regierung inspirierte Handlung bezeichnet werden. Die Industrialisierung Japans muss vielmehr in ihrer historischen Kontinuität und den historischen Kontexten untersucht werden. In der sogenannten ‚industriellen Lehrzeit‘ (1850-1870) wurden zahlreiche frühe Industrien eingerichtet. Dort erfolgte eine Ausbildung von technischen Fachkräften weitgehend selbstständig, aber auch, wie zum Beispiel in der Nagasaki-Schiffswerft, durch ausländische Fachkräfte und Meister. Auch die Humankapitalbildung in der Yokosuka-Schiffswerft begann in der Zeit der ‚industriellen Lehrzeit Japans‘ und komplettierte ihr Ausbildungsprogramm in der Ära des industriellen Aufschwungs. Zwischen dem Anfang der Ausbildung des technischen Personals in der Schiffswerft 1865 und 1907 wurden dort fast 300 Ingenieure und Vorarbeiter ausgebildet. Die Absolventen erhielten direkt nach ihrer Ausbildung eine höhere Stelle als Ingenieur oder Lehrkräfte in weiteren Schiffswerften und Ausbildungsstätten, wie zum Beispiel an der 1873 gegründeten Kōbu dai-gakkō (College of Engineering). Hier wird deutlich, dass die in der Yokosuka-Schiffswerft ausgebildeten Ingenieure zur Diffusion des technischen Wissens in Japan beitrugen und somit die Industrialisierung Japans in großem Ausmaß unterstützten. Vor diesem Hintergrund steht im Zentrum des Interesses der vorliegenden Arbeit die Ausbildung von hoch qualifiziertem technischen Personal von der ‚industriellen Lehrzeit Japans‘ bis zum industriellen Aufschwung in der ersten modernen Fabrik Japans, der Yokosuka-Schiffswerft. Wie diese Ausbildungsprozesse möglich wurden, und welche Bedeutung dieser Humankapitalbildung in der Yokosuka-Schiffswerft für die Industrialisierung Japans beigemessen werden kann, sind Fragen, welche die Darlegungen leiten werden.

Summary:
Through contact with Dutch traders, Japan had early access to western knowledge. In the Edo period (1603-1868), a total of more than 10,000 books on medicine and technology were imported from Holland. The number of Japanese, who could understand Dutch and acquire the knowledge from Western country, was by the end of the Edo period about 3,000. They disseminated the technical, medical and cultural knowledge from the West through their job as teacher in the schools of Western science (yôgaku-Juku), which were the center of reception and diffusion of Western knowledge in the Edo period. This accumulated knowledge about the western technology and medicine was increasingly implemented since the mid-19th Century to develop their own techniques. The Japanese industrialization occurred thus with a long-term knowledge and technology transfer from the West and therefore cannot be considered as a spontaneous, by the new Meiji government inspired phenomenon. The industrialization of Japan must be analyzed much more in its historical continuity and contexts. In the so-called the Japans era of the Industrial apprenticeship (1850-1870), many early industries were established in Japan. In this era there was a vocational training for technical specialists largely independently, but also, as for example in the Nagasaki shipyard, by foreign specialists and masters. The human capital formation in the Yokosuka shipyard began in the time of the Japans industrial apprenticeship and completed their training program in the industrial boom. Between 1865 and 1907 there were nearly 300 engineers and foremen trained. The graduates received after their training directly a higher position as an engineer or a teacher in other shipyards and training schools, such as in 1873 founded Kôbu dai-gakkô (College of Engineering). It can be easily assumed, that in the Yokosuka shipyard-trained engineers for the diffusion of technical knowledge in Japan and thus contributed superbly to the industrialization of Japan. This work will attempt to explain, how the training of highly qualified technical staff in the early stage of the industrial development in Japan organized and how important this human capital formation in the Yokosuka Ship Yard for the industrialization of Japan was.


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