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Titel:Untersuchung des deklarativen Gedächtnisses für Public Events bei Patienten mit Temporallappenepilepsie
Autor:Barth, Sonja Dorothea
Weitere Beteiligte: Rosenow, Felix (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2008
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2008/0577
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2008-05773
DOI: https://doi.org/10.17192/z2008.0577
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.):Evaluation of declarative memory for public events in patients with temporal lobe epilepsy
Publikationsdatum (Online):2008-08-25

Dokument

Schlagwörter:
Epilepsie, Gedächtnistest, Temporallappen-Epilepsie, Episodisches Gedächtnis, Explizites Gedächtnis, Public events

Zusammenfassung:
Einleitung: Die Temporallappenepilepsie ist eine der häufigsten fokalen Epilepsien mit multiplen Ursachen. Es ist bekannt, dass Patienten mit langjähriger chronischer Epilepsie, insbesondere bei temporal lokalisiertem Fokus, häufig über Gedächtnisdefizite klagen, wobei speziell episodische Gedächtnisinhalte betroffen zu sein scheinen. Hierzu zählt unter anderem das Erinnern an öffentliche Ereignisse, so genannte „Public Events“. Dies unterstützt die Annahme, dass der Temporallappen und speziell der dort lokalisierte Hippokampus eine entscheidende Rolle bezüglich einer intakten Gedächtnisfunktion spielt. Im Rahmen dieser Untersuchung sollte mittels eines standardisierten Fragebogens für Public Events geprüft werden, ob Patienten mit Temporallappenepilepsie eine Störung des episodischen Gedächtnisses zeigen und ob diese Störung zeitlich mit dem ersten Auftreten von Anfällen assoziiert ist. Material und Methoden: Zu Beginn der Untersuchung wurde ein standardisierter, 100 Items umfassender Fragebogen entwickelt. Dieser setzte sich aus Public Events unterschiedlicher Kategorien aus den Jahren 1960-2004 zusammen. Mithilfe dieses Interview-Fragebogens wurde dann das Gedächtnis von 20 Patienten, die unter Temporallappenepilepsie leiden sowie 20 vergleichbaren, gesunden Kontrollpersonen getestet. Sie wurden dabei nach den Ereignissen selbst, deren zeitlicher Einordnung und deren subjektiver emotionaler Bewertung befragt. Ergebnisse: Die aus Patienten und Kontrollpersonen gebildeten Paare unterschieden sich nicht signifikant bezüglich Alter, Geschlecht, Ausbildung, Händigkeit und Intelligenz. Jedoch ergaben sich signifikante Unterschiede zugunsten der gesunden Kontrollpersonen hinsichtlich der mittleren Gedächtnisleistung und der Leistung in den einzelnen Dekaden. Es ergaben sich hierbei Haupteffekte für die Gruppe und die Dekade sowie ein Interaktionseffekt Gruppe x Dekade. Signifikante Unterschiede bezüglich der zeitlichen Einordnung gewusster Items und deren emotionaler Bewertung ergaben sich nicht. Auch Differenzen zwischen links- und rechtseitig lokalisierter Epilepsie konnten nicht gefunden werden. Bei alleiniger Betrachtung der Patienten mit Hippokampussklerose zeigte sich zusätzlich ein signifikanter Unterschied zwischen der Gedächtnisleistung vor und nach Erkrankung sowie eine geringere emotionale Item-Bewertung durch die rechtsseitig erkrankten Patienten. Diskussion und Schlussfolgerungen: Anhand dieser Untersuchung konnte gezeigt werden, dass Patienten, die unter langjähriger Temporallappenepilepsie leiden, eine signifikant schlechtere Gedächtnisleistung bezüglich öffentlicher Ereignisse haben als gesunde Kontrollpersonen. Dabei scheint die Genese der Erkrankung eine Rolle zu spielen. So konnte bei den Patienten mit der Ätiologie einer Hippokampussklerose zusätzlich ein signifikanter Unterschied zwischen der Gedächtnisleistung vor und nach Erkrankung und eine geringere emotionale Item-Bewertung bei rechtsseitiger Hippokampussklerose gezeigt werden. Weitere Unterschiede zwischen rechts- und linksseitiger Temporallappenepilepsie fanden sich nicht. Ein eindeutiger Effekt der Erkrankungsdauer konnte anhand dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden. Außerdem zeigte sich kein Defizit der Patienten bei der zeitlichen Einordnung gewusster Items, also eine normale Gedächtnischronologie. Die Testung bezüglich spezifischer Gedächtnisleistungen, wie beispielsweise der hier geprüften öffentlichen Ereignisse, könnte auch im klinischen Alltag zur optimierten Erfassung krankheitsspezifischer neuropsychologischer Defizite eingesetzt werden und gegebenenfalls auch lokalisatorische Hinweise bei unklaren Epilepsiesyndromen liefern.

Summary:
Introduction Temporal lobe epilepsy is one of the most frequent focal epilepsies. Multiple causes of this disease are discussed. It is well-known that patients with chronic epilepsy over many years, especially temporal lobe epilepsy, frequently complain about memory deficits. In particular episodic memory contents, such as memories of public events, seem to be affected. This supports the hypothesis that the temporal lobe and particularly the hippocampus plays a crucial role for an intact memory function. With this investigation we evaluated, with help of a standardized questionnaire for public events, whether patients with temporal lobe epilepsy show a restriction of short term memory and whether this is associated with the first occurrence of seizures. Material and Methods At the beginning of the investigation a standardized comprehensive questionnaire with 100 items was developed. This consisted of public events of different categories for the years 1960-2004. With help of this interview questionnaire the memory of 20 patients with temporal lobe epilepsy and 20 comparable, healthy control persons was tested. All participants were asked about events themselves, their chronology and the subjective emotional validation of the events. Results The patients with temporal lobe epilepsy versus controls did not differ significantly concerning age, sex, training, handedness and intelligence. However significant differences resulted in favor of the healthy control persons regarding total average capacity of memory and the capacity during the individual time decades. Here main effects for the group and decade, as well as an interaction effect for group and decade, resulted. Significant differences concerning the chronology and their subjective emotional validation of the events did not result. Also differences according to side localization of the epilepsy could not be found. Additionally, for patients with hippocampal sclerosis a significant difference between the capacities of memory before and after onset of epilepsy, as well as a lower subjective emotional validation of the events for right-sided patients could be detected. Discussion: On the basis of this investigation it could be shown that patients with chronic temporal lobe epilepsy have a significantly worse capacity of memory concerning public events than healthy control persons. The genesis in particular of the existence of a right-sided hippocampus sclerosis seems to play therefore an important role. Further differences between right and left-sided temporal lobe epilepsy were not evaluated. On the basis of this investigation a clear effect of the illness duration could not be proven. In addition no deficiency in normal memory chronology could be detected. Collectively these results suggest that testing specific memory achievements, such as public events, could be used in clinical practice for optimizing the collection of illness-specific neuropsychological deficiencies and localization of unclear epileptic syndromes.


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