Die Auswirkung von Immunsuppression auf den perioperativen Verlauf in der Versorgung von Patienten mit Frakturen des proximalen Femur

Die Auswirkung von Immunsupression auf den perioperativen Verlauf in der Versorgung von Patienten mit Frakturen des proximalen Femur Die proximale Femurfraktur ist weltweit ein häufiger Grund für operative Eingriffe. Meist betrifft sie ältere Patienten, so dass für die Zukunft auf Grund des demogra...

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Main Author: Reußner, Bettina
Contributors: Frink, Michael (Prof. Dr. med.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2020
Unfall,- Wiederherstellungs-, und Handchirurgie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die Auswirkung von Immunsupression auf den perioperativen Verlauf in der Versorgung von Patienten mit Frakturen des proximalen Femur Die proximale Femurfraktur ist weltweit ein häufiger Grund für operative Eingriffe. Meist betrifft sie ältere Patienten, so dass für die Zukunft auf Grund des demographischen Wandels mit einem deutlichen Anstieg der Inzidenz gerechnet werden kann. Die proximale Femurfraktur geht mit einer relevanten Komplikationsrate einher, viele Patienten können zudem nach dem Erleiden einer proximalen Femurfrakur ihre ursprüngliche Lebensqualität nicht wiederherstellen. Sie stellt somit eine relevante Belastung für das Gesundheitssystem, als auch für den einzelnen Patienten dar. Gleichzeitig ist die Bestimmung des individuellen präoperativen Komplikationsrisikos aufgrund der vielfältigen Faktoren weiterhin schwierig. Ein Risikofaktor für eine erhöhte Komplikationsrate könnte beispielsweise eine bestehende Immunsuppression sein. Diese Arbeit untersuchte anhand einer Fall-Kontroll Studie den Einfluss von Immunsuppression auf den stationären Verlauf von Patienten, welche zwischen 01/2007 und 11/2012 am “Universitätsklinikum Gießen Marburg” aufgrund einer proximalen Femurfraktur operiert wurden. Eingeschlossen wurden Patienten, welche innerhalb der letzten 6 Monate Chemo- oder Radiotherapie erhielten, und-/oder zum Operationszeitpunkt eine Leukopenie aufwiesen, bzw. mindestens ein Medikament mit immunsupprimierender Wirkung einnahmen. Nach Anwendung dieser Kriterien konnten 34 weibliche sowie 19 männliche Indexpatienten identifiziert werden. Unter Berücksichtigung des Alters, Geschlechts, des Charlson Comorbidity Index (CCI), sowie der Methodik der Frakturversorgung wurden diesen ein Kontrollpatient zugeordnet. Im weiteren Verlauf wurden u.a. folgende Parameter statistisch ausgewertet: BMI, CCI, Zeitraum von Trauma bis Aufnahme, Dauer des Krankenhausaufenthaltes, postoperative Komplikationen nach der Clavien Dindo Klassifikation, Dauer des Intensivaufenthaltes, Operationsablauf, sowie Verabreichung von Medikationen wie beispielsweise Schmerzmitteln. Zwischen beiden Gruppen lag kein signifikanter Unterschied hinsichtlich des BMI, CCI, Zeitraum von Trauma bis zur Aufnahme oder der Dauer der Operation vor. Die Indexpatienten waren signifikant jünger, und nahmen zudem mehr Medikamente ein als die Kontrollgruppe. Sechs Patienten der Indexgruppe erhielten eine Lokalanästhesie, wohingegen alle Patienten der Kontrollgruppe in Vollnarkose operiert wurden. Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen hinsichtlich der Dauer der intensivmedizinischen Behandlung festgestellt werden, obwohl die Indexgruppe insgesamt signifikant länger im Krankenhaus behandelt wurde. Bezüglich der perioperativen Komplikationen konnte unter Nutzung der Clavien Dindo Klassifikation kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Soweit bekannt, ist die vorliegende Studie die erste, die sich mit der Auswirkung von Immunsuppression auf den perioperativen Verlauf von Patienten mit proximaler Femurfraktur befasst. Sie bildet hinsichtlich der behandelten Thematik einen wichtigen Baustein, um die Risiken für postoperative Komplikationen und die komplexe Wirkweise des Immunsystems besser verstehen und einschätzen zu können, insbesondere da die bisherige Studienlage, welche die Einflüsse von Immunsuppression auf den perioperativen Verlauf elektiver Operationen untersucht, uneinheitlich ist. Aufgrund des gewählten retrospektiven Studiendesigns, der relativ kleinen Größe der Indexpopulation, welche zudem sehr heterogene Gründe für eine Immunsuppression aufweist, ist die Aussagekraft der Ergebnisse limitiert. Die Ergebnisse stützen die bisherige Empfehlung, immunsupprimierende Medikation vor einem chirurgischen Eingriff nicht zwangsläufig pausieren zu müssen. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um eindeutige Empfehlungen aussprechen zu können.
Physical Description:92 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2020.0263