Kosteneffektivitätsanalyse der Oozyten Kryokonservierung ohne medizinische Indikation im Sinne des Social Freezing im Deutschen Gesundheitssystem auf Basis eines Markov Modells

Fragestellung: Ist die Oozyten Kryokonservierung aus nicht medizinischer Indikation – das sogenannte „social freezing“ – in Deutschland auf Basis einer Modellrechnung aktuell kosteneffektiv im Vergleich zur herkömmlichen In-vitro-Fertilisation (IVF)/ intrazytoplasmatischen Spermieninjektion? Zusam...

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Main Author: Klüber, Cosima Marlene
Contributors: Ziller, Volker (PD Dr. med) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2019
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Fragestellung: Ist die Oozyten Kryokonservierung aus nicht medizinischer Indikation – das sogenannte „social freezing“ – in Deutschland auf Basis einer Modellrechnung aktuell kosteneffektiv im Vergleich zur herkömmlichen In-vitro-Fertilisation (IVF)/ intrazytoplasmatischen Spermieninjektion? Zusammenfassende Antwort: Es ist möglich höhere Lebendgeburtsraten mit der Oozyten Kryokonservierung, verglichen mit den anderen Strategien zu erreichen, aber bei signifikant höheren Kosten pro Lebendgeburt. In keinem der berechneten Szenarien war die Oozyten Kryokonservierung kosteneffektiver, als die konventionellen reproduktive Techniken. Was ist bis jetzt bekannt: Da die Fertilität von Frauen mit zunehmendem Alter abnimmt und sich der Trend zur späten Mutterschaft weiter fortsetzt, steigt das Angebot und der Gebrauch von fertilitätsprotektiven Maßnahmen, wie der Oozyten Kryokonservierung aus nicht medizinischer Indikation weltweit. Auch wenn „social freezing“ gewisse Vorteile bietet, sind nur wenige Daten zur Sicherheit, Effektivität und Kosteneffektivität vorhanden. Diese Informationen sind sowohl für Ärzte, als auch Patienten notwendig, um eine ausgewogene Beratung zu ermöglichen. Studiendesign: Es wurde ein Modell, basierend auf drei Strategien für Frauen, die planen eine Mutterschaft bis 40 zu verschieben entwickelt. In jeder Strategie wird aktiv Kontrazeption bis 40 praktiziert und dann zunächst für ein Jahr die spontane Konzeption versucht. Wenn dies nicht erfolgreich ist nutzen Frauen in Strategie 1 (Oozyten Kryokonservierung) maximal drei Zyklen IVF/ICSI mit im Alter von 25, 28, 30, 35, oder 38 konservierten Oozyten. Frauen mit Strategie 2 (spontane Konzeption) versuchen weiterhin die natürliche Konzeption, während in Strategie 3 (IVF/ICSI) Patientinnen maximal drei Zyklen IVF/ICSI mit frischen Oozyten durchlaufen. Wenn dies weiterhin nicht erfolgreich war, wird in allen Strategien die verbliebenen drei Jahre die spontane Konzeption bis zum Alter von 45 Jahren versucht. Material und Methoden: Es wurde ein adaptives Markov Model genutzt, um die kumulativen Lebendgeburtsraten und die Kosteneffektivität gemessen in Kosten pro Frau und Kosten pro Lebendgeburt zwischen den verschiedenen Strategien zu schätzen. Kosten und Chancen auf eine Schwangerschaft und folgende Lebendgeburt nach herkömmlichen IVF/ICSI Zyklen, nach ICSI mit getauten Oozyten und nach spontaner Konzeption basieren auf publizierten Daten. Ergebnisse und Stabilitätsanalyse: Die kumulativen Lebendgeburtsraten mit 45 In Strategie 1 (Oozyten Kryokonservierung) nahmen generell mit zunehmendem Alter ab und lagen zwischen 71,14% (25) und 67,6% (38), während die kumulative Erfolgsrate in Strategie 2 bis 51,5% und in Strategie 3 bei 60,8% lag. Würden jeweils 100 Frauen die Strategien nutzen würde das schätzungsweise zu 6,8 bis 10,6 zusätzlichen Lebendgeburten mit Strategie 1 verglichen mit Strategie 3 und zu 16,1 bis 19,9 verglichen mit Strategie 2 führen. Die Kosten von Strategie 1 (Oozyten Kryokonservierung) waren Altersabhängig und lagen zwischen 15.939 (30Y) und 18.086 (35). Die Kosten pro Lebendgeburt folgten einem ähnlichen Muster. Die Kosten für Strategie 3 waren niedriger bei 12.338€ pro Frau und 20.293€ pro Lebendgeburt. Limitationen: Es gibt einige Limitationen für dieses Modell. Auch wenn die Effekte des Alters auf die Fertilität ausführlich studiert wurden, existieren kaum Daten die natürliche Fertilität in höherem Alter betreffend. Dasselbe gilt für die Oozyten Kryokonservierung, im Besonderen Fertilisations- und Schwangerschaftsraten. Die Resultate dieses Modells könnten daher unter anderen Annahmen variieren. Auch niedrigere Nutzungsraten kryokonservierter Oozyten unter Patienten, die „social freezing“ nutzen kann die Kosteneffektivität signifikant reduzieren. Weitere Implikationen der Ergebnisse: Basierend auf diesen Ergebnissen führt „social freezing“ in Deutschland zu zusätzlichen Schwangerschaften bei Frauen über 40, aber auch zu erheblich höheren Kosten. Bei gegebenen Lebendgeburtsraten und den Kosten scheint die elektive Oozyten Kryokonservierung aus nicht medizinischer Indikation nicht kosteneffektiv zu sein. Dies sollte bei der Beratung und Behandlung von Patientinnen berücksichtigt und reevaluiert werden, wenn neue Daten bezüglich Erfolgsraten und Preisänderungen vorliegen.
Physical Description:99 Pages
DOI:https://doi.org/10.17192/z2019.0425