Die Zusammenhänge zwischen adaptiver Emotionsregulation und Depression - Untersuchung prospektiver Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten von Emotionsregulation und dem Symptomspektrum von Major Depression

Major Depression (MD) gilt als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, die bei den Betroffen mit enormem Leiden verbunden ist und zu hohen sozioökonomischen Kosten führt. Ein großer Anteil der Betroffenen spricht nicht oder nur teilweise auf die derzeitigen psycho...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Radkovsky, Anna
Beteiligte: Berking, Matthias (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2017
Psychologie
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2017.0475
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Major Depression (MD) gilt als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, die bei den Betroffen mit enormem Leiden verbunden ist und zu hohen sozioökonomischen Kosten führt. Ein großer Anteil der Betroffenen spricht nicht oder nur teilweise auf die derzeitigen psychotherapeutischen Behandlungsansätze an. Defizite in der Emotionsregulation (ER) gelten als ein möglicher Faktor, der zur Aufrechterhaltung von MD beitragen kann und somit als ein wichtiger Ansatzpunkt zur Verbesserung der Therapieangebote. Ziel der vorliegenden Dissertation war es, prospektive Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten von Emotionsregulation und dem Symptomspektrum von Major Depression zu untersuchen, um so ein differenzierteres Verständnis über die zeitlichen Zusammenhänge dieser beiden Variablen gewinnen zu können. In einer längsschnittlichen Studie wurden bei depressiven Patienten einer psychosomatischen Fachklinik wöchentlich adaptive ER und psychopathologische Symptombelastung im Selbstbericht erfasst. Diese Verlaufsdaten wurden mittels Strukturgleichungsmodellen zur Analyse von reziproken Veränderungen ausgewertet. Es kamen bivariate Wachstumskurvenmodelle und latente Veränderungsmodelle zur Anwendung, um den wechselseitigen Einfluss von Emotionsregulation und Psychopathologie zu untersuchen. Der erste Artikel fokussierte auf längsschnittliche Zusammenhänge zwischen adaptiver ER und depressiver Symptomschwere (DSS). Es zeigte sich, dass eine Verbesserung der adaptiven ER mit einer Abnahme der DSS in Zusammenhang steht und adaptive ER die nachfolgende Reduktion der DSS signifikant vorhersagen konnte. Unter den spezifischen ER Kompetenzen zeigten sich die Fertigkeiten, Emotionen zielgerichtet beeinflussen zu können, und unerwünschte Emotionen bei Bedarf auch akzeptieren und aushalten zu können, als relevant. Die Fragestellung des zweiten Artikels zielte darauf ab, mögliche Unterschiede in der Regulation spezifischer affektiver Zustände und deren Zusammenhang mit nachfolgender DSS zu untersuchen. Emotionsregulation wird bislang häufig emotionsübergreifend erfasst. Unklar ist daher, ob die adaptive Regulation spezifischer affektiver Zustände wie depressive Stimmung, Traurigkeit, Ärger und Angst, die alle als bedeutsam zur Aufrechterhaltung von Major Depression angesehen werden, den gleichen Einfluss auf depressive Psychopathologie haben. Es zeigte sich, dass nur die adaptive Regulation der affektiven Zustände depressive Stimmung und Traurigkeit die nachfolgende Reduktion depressiver Symptomschwere vorhersagten. Der adaptive Umgang mit Angst und Ärger wurde im Gegensatz dazu durch das depressive Belastungsniveau bestimmt. Der konstruktive Umgang mit depressiver Stimmung und Traurigkeit scheint für eine Verbesserung der depressiven Symptomatik von besonderer Bedeutung zu sein. Ein Großteil der Patienten mit Major Depression leidet unter komorbiden Angststörungen und einem erhöhten allgemeinen Belastungsniveau. Ziel des dritten Artikels war es, zu untersuchen, ob adaptive ER auch einen Einfluss auf diese komorbiden Beschwerden hat. Nur zwischen adaptiver ER und DSS konnte ein eindeutiger Zusammenhang gefunden werden; kein Zusammenhang zeigte sich zwischen adaptiver ER und ängstlicher Symptomschwere. Eine Verbesserung der adaptiven ER ist mit einer Reduktion des generalisierten Belastungsniveaus assoziiert, jedoch es auch hier keinen Zusammenhang zwischen ER und nachfolgender Veränderung des Belastungsniveaus. Adaptive ER scheint nach diesen Ergebnissen zwar einen Einfluss auf die Reduktion der depressiven Kernsymptomatik zu haben, nicht jedoch auf weitere mit Depression assoziierte Symptome und Beschwerden. Die vorliegende Arbeit verdeutlicht die Bedeutung von adaptiver ER bei der Aufrechterhaltung von Major Depression. Besonders wichtig ist dabei die differenzierte Betrachtung von ER, bezüglich spezifischer Kompetenzen und affektiver Zustände, durch die wichtige Erkenntnisse über den Prozess der ER gewonnen werden können, die zur Verbesserung der derzeitigen Behandlungskonzepte von Major Depression einen wichtigen Beitrag leisten können.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2017.0475