Untersuchung neurophysiologischer Determinanten von Exekutivfunktionen bei gesunden und depressiven Menschen mit Hilfe eines modifizierten Go/Nogo-Paradigmas

Einleitung: Die unipolare Depression ist eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen mit weitreichenden Folgen für das Individuum, sein soziales Umfeld und die Gesellschaft. Ziel dieser EEG-Studie ist der Nachweis eines Inhibitionsdefizits auf behavioraler und elektrophysiologischer Ebene von u...

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Main Author: Siebel, Lena Christine
Contributors: Konrad, Carsten (Prof. Dr.med.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2016
Medizin
Subjects:
EKP
ERP
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Einleitung: Die unipolare Depression ist eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen mit weitreichenden Folgen für das Individuum, sein soziales Umfeld und die Gesellschaft. Ziel dieser EEG-Studie ist der Nachweis eines Inhibitionsdefizits auf behavioraler und elektrophysiologischer Ebene von unipolar depressiven Menschen mit Hilfe eines modifizierten Go/Nogo-Paradigmas. Bei depressiven Menschen wurden mehrfach Defizite der Exekutivfunktionen sowie elektrophysiologische Veränderungen nachgewiesen. Mit bildgebenden Verfahren konnte ein neuronales Netzwerk um den anterior cingulären Cortex (ACC) und präfrontalen Cortex (PFC) dargestellt werden, welches bei depressiven Menschen eine dysfunktionale Aktivierung zeigt und gleichzeitig durch Paradigmen für Exekutivfunktion aktiviert wird. Material und Methoden: Wir untersuchten 25 unipolar depressive Menschen und 25 gesunde Kontrollen (Matching nach Alter, Geschlecht und Bildungsjahre). Die Patienten befanden sich im Stadium der partiellen Remission und erhielten eine kombinierte Psycho- und Pharmakotherapie. Zur Überprüfung der Inhibitionsfähigkeit verwendeten wir ein modifiziertes Go/Nogo-Paradigma (kompatibler und inkompatibler Aufgabenblock), während ein EEG abgeleitet wurde. Ergebnisse: Auf Verhaltensebene wurden mehr Fehler unter Inhibitionsbedingungen begangen, zudem reagierten die Versuchspersonen schneller bei einem Nogo-Stimulus (inkompatibel). Auf elektrophysiologsicher Ebene (N2- und P3-Amplitude) zeigte sich ein Go/Nogo-Effekt und ein „Kompatibilitätseffekt“, nur im P3 Zeitfenster auch eine Go/Nogo X Kompatibilität-Interaktion. Bezüglich der P3-Latenz konnte unter anderem eine Interaktion Kompatibilität X Gruppe nachgewiesen werden. Es zeigte sich eine Verlängerung der P3-Latenz unter inkompatiblen Bedingungen bei Depressiven, am ehesten bedingt durch eine verzögerte inkompatible Go-P3. Diskussion: Depressive Patienten unterschieden sich von gesunden Kontrollen in einer verlängerten inkompatiblen (Go-) P3-Latenz. Der Stimulus erfordert eine Inhibitionsleistung. Die Verzögerung weist darauf hin, dass der evaluative Prozess einer Reaktionsinhibition bei Depressiven verzögert ist. Es kann geschlussfolgert werden, dass bei depressiven Menschen die neuronalen Netzwerke um den ACC und PFC unter inkompatiblen Stimulus-Reaktions-Bedingungen, insbesondere im Rahmen einer Inhibitionsleistung, verzögert aktiviert werden. Ungeklärt bleibt, ob sich der dysfunktionale Inhibitionsprozess auf klinische Symptome, beispielsweise eine verstärkte Grübelneigung, auswirkt.
Physical Description:294 pages.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2016.0405