Neue Ansätze der Diagnostik und Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), zu deren Vollbild die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität gehören, zählt zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. In den letzten Jahren sind vor allem neuropsychologische Modelle zur Ätio...

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Main Author: Soff, Cornelia
Contributors: Christiansen, Hanna (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2016
Psychologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), zu deren Vollbild die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität gehören, zählt zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. In den letzten Jahren sind vor allem neuropsychologische Modelle zur Ätiopathogenese der ADHS in den Fokus der ADHS-Forschung gerückt. Exekutive Funktionsdefizite, insbesondere im Bereich der Aufmerksamkeit und des Arbeitsgedächtnisses, sind bei Patienten mit ADHS ein gut und vielfach replizierter Befund. Vor diesem Hintergrund scheint sowohl die Entwicklung von Diagnoseinstrumenten zur Feststellung neuropsychologischer Defizite, als auch deren Behandlungsmöglichkeiten von besonderer Bedeutung zu sein. Im vorliegenden Kumulus werden drei Studien vorgestellt, die sich zum einen mit der neuropsychologischen Diagnostik der ADHS, als auch mit einer möglichen neuen Behandlungsform neuropsychologischer Defizite bei Jugendlichen mit ADHS auseinandersetzen. Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zu den psychometrischen Eigenschaften und dem Nutzen neuropsychologischer Verfahren, die zunehmend häufiger in der Diagnostik der ADHS eingesetzt werden. Daher wurden in der ersten Studie die psychometrischen Eigenschaften des Quantified behavior Tests (QbTest 6-12), dem bisher einzigen neuropsychologischen Verfahren, das alle drei Kernsymptome der ADHS erfasst, über die Bestimmung der konvergenten und diskriminanten Validität untersucht. Zudem wurde überprüft, ob der QbTest 6-12 besser zwischen Kindern mit und ohne ADHS diskriminieren kann als ein anderer computergestützter neuropsychologischer Test, der Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung von Kindern (KiTAP). In den Multitrait-Multimethod-Analysen waren die Kriterien für konvergente und diskriminante Validität des QbTests 6-12 nur eingeschränkt erfüllt. Jedoch diskriminierte der QbTest mit einer korrekten Zuordnungsquote von 73.8 % besser zwischen Kindern mit und ohne ADHS als die KiTAP. Kinder mit ADHS weisen im Vergleich zu gesunden Kindern eine verminderte Aktivierung des dorsolateralen präfrontalen Cortex (DLPC) auf, was u. a. mit einer verminderten Leistung in Arbeitsgedächtnistests assoziiert wird. Eine Normalisierung der Aktivität in diesem Gehirnareal könnte dieses Defizit möglicherweise reduzieren. Mittels transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS) ist es möglich, die Erregungsbereitschaft verschiedener kortikaler Areale zu verändern. Die zweite Studie ging daher der Frage nach, ob die anodale tDCS über dem DLPC bei Jugendlichen mit ADHS zu einer Reduktion neuropsychologischer Defizite (erhoben mit dem QbTest) und der klinischen Symptomatik führen kann. Daran anknüpfend wurde in der dritten Studie während einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) der Effekt der anodalen tDCS über dem DLPC auf die Leistung in einem Arbeitsgedächtnistest und die Aktivierung relevanter neuronaler Netzwerke im Vergleich zu einer Shamstimulation untersucht. Explorative Analysen ergaben an Hand der klinischen Einschätzung durch die Eltern eine Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Impulsivität. Im QbTest zeigte sich eine signifikante Reduktion der Hyperaktivität und Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistung. Die fMRT-Analysen ergaben eine signifikant höhere Aktivierung in den Regionen des linken DLPC, des linken Prämotorcortex (PMC), des linken supplementär motorischen Areals (SMA) und des posterioren Parietalcortex (PPC) in der tDCS-Bedingung im Vergleich zur Sham-Bedingung. Zusammenfassend sprechen die vorliegenden Studienergebnisse dafür, dass der QbTest, vor allem durch seine objektive Messung der Hyperaktivität, einen zusätzlichen Nutzen im Rahmen der Diagnosestellung der ADHS liefern kann. Des Weiteren untermauern die Studien das Potential der anodalen tDCS als mögliche alternative Behandlungsmöglichkeit der ADHS.  
Physical Description:69 pages.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2016.0114