Lebensqualität von Patienten mit einem Oropharynxkarzinom nach primärer Strahlentherapie und/ oder kombinierter Radio- Chemotherapie im Vergleich zur operativen Therapie - Eine retrospektive Analyse der Jahre 2000 – 2009 der Tumorpatienten des Landes Brandenburg

Trotz neuer Therapiekonzepte hat sich die Prognose von Patienten mit Oropharynxkarzinomen in den letzten Jahrzehnten nicht zufriedenstellend gebessert. Vor allem bei Patienten mit Malignomen wird in den letzten Jahren bei der Therapieplanung zunehmend auch auf die Lebensqualität der Patienten nach e...

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Main Author: Schimmer, Mike
Contributors: Werner, Jochen (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2014
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Trotz neuer Therapiekonzepte hat sich die Prognose von Patienten mit Oropharynxkarzinomen in den letzten Jahrzehnten nicht zufriedenstellend gebessert. Vor allem bei Patienten mit Malignomen wird in den letzten Jahren bei der Therapieplanung zunehmend auch auf die Lebensqualität der Patienten nach erfolgter Therapie geachtet. Gerade beim Oropharynxkarzinom wird die Lebensqualität einerseits durch die Erkrankung selbst, andererseits auch durch die Therapie stark beeinflusst. Ziel dieser Arbeit war daher, die Lebensqualität von Patienten mit einem Oropharynxkarzinom zu bestimmen und Unterschiede zwischen der operativen Therapie und der Strahlentherapie mit oder ohne eine Chemotherapie zu vergleichen. Das Patientenkollektiv bildeten 1394 Patienten, die in den Jahren 2000-2009 im Land Brandenburg aufgrund eines Oropharynxkarzinoms behandelt wurden. Grundlage war eine postalische Befragung mit den Fragebögen zur Lebensqualität der EORTC, der QLQ-C30 und QLQ-H&N35. 954 Patienten wurden angeschrieben, 440 waren nach Aktenlage verstorben. 261 Patienten schickten die Fragebögen korrekt beantwortet zurück. Die häufigsten Tumorlokalisationen waren die Tonsilla palatina und der Zungengrund, die häufigsten Tumorstadien repräsentierten die fortgeschrittenen Stadien III und IV mit zusammen 62,1%. Etwa Dreiviertel der Patienten erhielten eine kombinierte Therapie mit einer Operation und einer anschließenden Strahlentherapie, einer anschließenden Radiochemotherapie oder einer primären Radiochemotherapie. In der allgemeinen krebsspezifischen Lebensqualität zeigen sich, von einem Thema abgesehen, keine Unterschiede in der Bewertung der Lebensqualität zwischen den vier verschiedenen Therapien. Bei Item „finanzielle Schwierigkeiten“ haben Patienten, die mit einer alleinigen Operation behandelt wurden, weniger Probleme als Patienten mit einem kombinierten Therapieansatz. Dies ist am ehesten mit der deutlich längeren Therapiedauer zu erklären, deretwegen die Patienten länger aus dem Berufsleben ausfallen. Insgesamt gesehen eignet sich der allgemeine krebsspezifische Fragebogen EORTC QLQ-C30 nicht so gut, um Unterschiede verschiedener Therapien beim Oropharynxkarzinom herauszuarbeiten. Hinsichtlich der Kopf- Hals- krebsspezifischen Lebensqualität zeigt sich, dass Patienten, bei denen eine Strahlentherapie durchgeführt wurde, eine signifikant höhere Symptombelastung in den Items „Schluckbeschwerden“, „Sinne beeinträchtigt“, „Probleme beim Essen“, „Probleme beim Mundöffnen“, „trockener Mund“ und „klebriger Speichel“ haben. Dies sind die typischen Symptome, die nach einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich auftreten. Somit haben Patienten, die eine alleinige Operation erhalten haben, eine bessere Lebensqualität als Patienten, bei denen eine primäre oder adjuvante Strahlentherapie erfolgte. Dabei macht es in der Bewertung der Lebensqualität keinen Unterschied, ob die Bestrahlung primär oder adjuvant erfolgt ist. Dieses Ergebnis muss jedoch mit Vorsicht gewertet werden, da eine alleinige Operation nur bei niedrigen Tumorstadien indiziert ist, die Mehrzahl der Oropharynxkarzinome jedoch im fortgeschrittenen Stadium therapiert werden muss und dann kombinierte Therapieansätze verfolgt werden müssen. Beim Thema „Ernährungssonde“ haben Patienten mit einer Strahlentherapie mit oder ohne Chemotherapie einen signifikant höheren Mittelwert als die Patienten in den anderen drei Gruppen. Ein höherer Mittelwert bei diesem Item bedeutet, dass diese Patientengruppe häufiger mit einer Ernährungssonde versorgt wird als die anderen Gruppen. Dieses ist auf eine höhere Gesamtstrahlendosis und der damit verbundenen größeren Schädigung der für den Schluckakt wichtigen Strukturen zu erklären. Zukünftige prospektive Studien sollten bereits prätherapeutisch die gesundheitsbezogene Lebensqualität bestimmen bei Patienten mit einem Oropharynxkarzinom und posttherapeutisch zu verschiedenen Zeitpunkten messen, um noch genauer Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen herausarbeiten zu können.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0034