Die Effektivität von experimentellen Akzeptanzstrategien bei akutem Schmerz

Die Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) ist ein Verfahren der dritten Welle der Psychotherapie. Seitdem ACT durch positive Therapieforschungsbefunde u.a. im Bereich der Schmerzstörungen in den Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung gerückt ist, erfreuen sich auch akzeptanzbasierte Intervention...

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Main Author: Kohl, Annika
Contributors: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Psychologie
Subjects:
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Description
Summary:Die Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) ist ein Verfahren der dritten Welle der Psychotherapie. Seitdem ACT durch positive Therapieforschungsbefunde u.a. im Bereich der Schmerzstörungen in den Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung gerückt ist, erfreuen sich auch akzeptanzbasierte Interventionen in ihrer Anwendung größerer Beliebtheit. Mehrere experimentelle Studien verglichen die Wirksamkeit von Akzeptanzstrategien und von Strategien zur Ablenkung oder Unterdrückung auf Schmerztoleranz und Schmerzintensität (Branstetter-Rost, Cushing, & Douleh, 2009; Gutiérrez, Luciano, Rodríguez, & Fink, 2004; Hayes, Bissett, et al., 1999; Páez-Blarrina, Luciano, Gutiérrez-Martínez, Valdivia, Rodríguez-Valverde, et al., 2008). Dabei ergaben sich widersprüchliche Befunde hinsichtlich der Überlegenheit der einen oder anderen Strategie. Die vorliegende kumulative Dissertation setzt sich aus drei Studien zusammen. Die erste Studie verschaffte einen Überblick über die bisherige experimentelle Datenlage, in dem mithilfe einer meta-analytischen Übersichtsarbeit Akzeptanzstrategien mit anderen Emotionsregulations-Strategien hinsichtlich verschiedener Zielvariablen verglichen wurden (Kohl, Rief, & Glombiewski, 2012c). Bezüglich des Einflusses auf Schmerztoleranz bestätigte sich die Überlegenheit von Akzeptanzstrategien. Keine signifikanten Unterschiede zwischen Akzeptanz und anderen Emotionsregulations-Strategien konnten bezüglich der Schmerzintensität gefunden werden. Die Studie zeigte den Forschungsbedarf hinsichtlich des Vergleichs von Akzeptanzstrategien und solchen zur kognitiven Umstrukturierung auf, der im Bereich der Schmerzstörungen bisher nicht gestillt worden war. Daher wurde in der zweiten, experimentellen Studie der Effekt von Akzeptanz, kognitiver Umstrukturierung und Ablenkung auf Schmerztoleranz und -Intensität mithilfe eines Messwiederholungsdesigns bei Gesunden überprüft (Kohl, Rief, & Glombiewski, 2012a). Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Akzeptanz gegenüber kognitiver Umstrukturierung in Bezug auf die Erhöhung der Schmerztoleranz überlegen war. Die Schmerzintensität wurde hingegen in größerem Maße durch Ablenkung als durch Akzeptanz beeinflusst. Neben mangelnder Forschung bezüglich Strategien der kognitiven Umstrukturierung, basierten die meisten Ergebnisse der in der meta-analytischen Übersichtsarbeit beleuchteten Studien auf gesunden Stichproben, was die Generalisierbarkeit der Befunde auf klinische Populationen einschränkte. Daher wurden in einer dritten Studie mit Fibromyalgiepatienten die Strategien Akzeptanz und kognitive Umstrukturierung einer Kontrollbedingung gegenübergestellt (Kohl, Rief, & Glombiewski, 2012b). Hierbei zeigte sich, dass sowohl Akzeptanz als auch kognitive Umstrukturierung die Hitzetoleranz stärker verbesserten als die Kontrollbedingung. Bezüglich der Kältetoleranz zeigte sich die Überlegenheit zur Kontrollbedingung nur in der Bedingung zur kognitiven Umstrukturierung. Responder-Analysen ergaben, dass es nur Patienten aus den aktiven Bedingungen (Akzeptanz und kognitive Umstrukturierung) gelang, die Schmerzintensität um 30% zu reduzieren. Die Ergebnisse des Dissertationsprojekts legen nahe, dass die Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den untersuchten Strategien zum einen von den Zielvariablen abhängen und zum anderen bei Gesunden und Patienten unterschiedlich ausfallen. Es besteht weiterhin Forschungsbedarf, um die Ergebnisse an anderen Stichproben zu validieren und um mögliche Moderatoren des Ansprechens auf die Instruktionen zu identifizieren, damit die Zuweisung zur einen oder anderen Therapieform gezielter vollzogen werden kann.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0959