Gesundheit am Arbeitsplatz: Meta-Analysen zum Zusammenhang von Arbeitsmerkmalen und Depression

Depressive Störungen führen zum einen zu erheblichen Einschränkungen des täglichen Lebens und zum anderen auch zu hohen betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten. Die Global Burden of Disease Study (WHO, 2008) sagt vorher, dass depressive Störungen im Jahr 2020 an zweiter Stelle (Murray & Lopez...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Schmidt, Susanne
Beteiligte: Rau, Renate (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2012
Psychologie
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2012.0613
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Depressive Störungen führen zum einen zu erheblichen Einschränkungen des täglichen Lebens und zum anderen auch zu hohen betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten. Die Global Burden of Disease Study (WHO, 2008) sagt vorher, dass depressive Störungen im Jahr 2020 an zweiter Stelle (Murray & Lopez, 1997) und im Jahr 2030 an erster Stelle (WHO, 2008) der Erkrankungen stehen werden, die für Morbidität und eine vorzeitige Mortalität verantwortlich sind. Die Betroffenen empfinden oftmals einen hohen Leidensdruck. Betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten sind enorm. Während das Thema Depression am Arbeitsplatz in den letzten zwei Jahrzehnten stärker auf Primärstudienebene untersucht wurde, sind Überblicksarbeiten immer noch rar. Wenige Reviews existieren, die spezifische Merkmale einer Tätigkeit mit Depression in Bezug setzen (Tennant, 2001; Bonde, 2008; Netterstrøm et al., 2008; Siegrist, 2008; van der Doef & Maes, 1999). Eine erste Meta-Analyse untersucht Tätigkeitsmerkmale und deren Zusammenhang zu den breiter angelegten „common-mental disorders“ (Stansfeld & Candy, 2006). Eine umfassende Meta-Analyse, welche Merkmale des Arbeitsplatzes bzw. der Arbeitstätigkeit erfasst und diese in Relation zu Depression auswertet, ist nicht präsent. In der vorliegenden Arbeit wurde vor dem Hintergrund möglicher Prävention geprüft, ob es Arbeitsmerkmale gibt, die einen Zusammenhang zu Depression am Arbeitsplatz aufweisen und als eventuell begünstigende Faktoren wirken. Hierzu wurden Meta-Analysen erstellt, welche die Zusammenhänge verschiedener Merkmale von Arbeitstätigkeiten und Depression betrachten, indem sie Ergebnisse vorhandener Primärstudien meta-analytisch integrieren. Weiterhin wurden Analysen der untersuchten Konzepte durchgeführt, um so inhaltliche Erkenntnisse zu gewinnen. Zwei Publikationen wurden verfasst. Als erste Meta-Analyse in diesem Forschungsfeld untersuchte Publikation 1 den Zusammenhang von Rollenstress und Depression. Dabei wurden Rollenkonflikte sowie Rollenambiguität nach Kahn, Woelfe, Quinn, Snoek, and Rosenthal (1964) als interessierende Variablen betrachtet. Die Ergebnisse zeigen einen positiven Zusammenhang von Rollenambiguität und Depression sowie einen etwas höheren positiven Zusammenhang von Rollenkonflikten und Depression. Bei einer Korrektur der Ergebnisse um den Einfluss der anderen Rollenvariable zeigten sich weiterhin Korrelationskoeffizienten in bedeutender Höhe. Zudem wurde die Unabhängigkeit der beiden Rollenvariablen meta-analytisch untersucht. Die Ergebnisse zeigten eine gemeinsame Komponente der Variablen, welche in Zusammenfassung 8 dem grundlegenden Konzept begründet sein könnte. Inhaltliche Überlegungen stützen jedoch auch ein Resultieren aus der Arbeitsumgebung. Ein statistisch signifikanter Moderator wurde extrahiert und zeigte erstmals einen moderierenden Einfluss der geographischen Region, in der die Daten erhoben wurden, auf. Diese Ergebnisse gehen einher mit Primärforschung von Hofstede (1994), der sechs Dimensionen identifizierte, die sich in regionalen Kulturgruppen unterscheiden. Die zweite Publikation unterteilt sich in zwei inhaltlich und methodisch getrennte Fragestellungen. Zum einen wurde der Zusammenhang der Variablen des Job Demand-Control Modells (Karasek, 1979; Karasek & Theorell, 1990) und Depression meta-analytisch untersucht. Zum anderen stand die Angemessenheit der konzeptionellen Erfassung von job-demands im Vordergrund. Die meta-analytischen Ergebnisse zeigten kleine bis moderate, aber signifikante Zusammenhänge. Den höchsten Zusammenhang fand sich für die Variable iso-strain (hohe Arbeitsanforderungen/wenig Kontrolle/sozial isolierte Arbeitsbedingungen). Detaillierte Analysen zeigten, dass job-strain unter isolierten Arbeitsbedingungen besonders bei Frauen einen hohen Zusammenhang zu Depression zeigt. Moderierende statistische Variablen wurden aufgezeigt. Die Ergebnisse der zweiten Fragestellung zeigten, dass bisherige Messinstrumente zur adäquaten Erfassung heutiger Arbeitsbedingungen dringend überarbeitet werden sollten und lieferten damit direkt praktische Implikationen. Es wurde deutlich, dass das Antwortverhalten der untersuchten Arbeitnehmer sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht merklich verändert hat. Trotzdem stieg der Zusammenhang zwischen Arbeitsanforderungen und Depression an. Die Ergebnisse legen nahe, dass die bisherigen Messinstrumente die zunehmende Konzentration der Arbeitswelt (z.B. steigende qualitative und quantitative Arbeitsanforderungen, die von einer geringeren Anzahl an Mitarbeitern bewältigt werden müssen) nicht mehr adäquat abbilden.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2012.0613