Prävalenz und Verlauf unterschiedlicher Ätiologien bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie in den Jahren 2000 – 2008

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der Prävalenz viraler bzw. entzündlicher Ätiologien, davon abhängig den Krankheitsverlauf bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie und den Effekt einer spezifischen, kausal orientierten Therapie. Grundlage dazu bilden Daten von 1.710 Patienten, d...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: van Gellecom, Joachim
Beteiligte: Pankuweit, Sabine (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2011
Innere Medizin
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2011.0422
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der Prävalenz viraler bzw. entzündlicher Ätiologien, davon abhängig den Krankheitsverlauf bei Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie und den Effekt einer spezifischen, kausal orientierten Therapie. Grundlage dazu bilden Daten von 1.710 Patienten, die in der Universitätsklinik Marburg in den Jahren 2000-2008 mit Verdacht auf Kardiomyopathie therapiert wurden. Hierzu wurden die Daten aus den verfügbaren Herzkatheter- und echokardiografischen Untersuchungen, die Ergebnisse der EMB-Auswertung, die Arztbriefe und die elektronische Patientenverwaltung für jeden Patienten zuammengetragen und statistisch ausgewertet. Bei mehr als 50% der Patienten kann mithilfe der EMB die Ursache für die kardiale Symptomatik gefunden werden. Davon weisen über 27% der untersuchten Patienten Virusgenom sowie knapp 20% eine Entzündung im Myokard auf, jedoch besteht keine statistische Assoziation zwischen dem Virusgenomnachweis bzw. eines Entzündungsnachweises und einer klinischen Diagnose. Bei Patienten mit DCM zeigt sich im Krankheitsverlauf eine signifikante Verbesserung (p-Wert < 0,01) der EF als Surrogatparameter der Krankheitsentwicklung von durchschnittlich 28,2% zu Beginn auf +39,0% nach 60 Monaten. Eine Verbesserung der EF ist auch für die vier ätiologisch definierten Untergruppen nachweisbar, jedoch zeigen sich im langfristigen Krankheitsverlauf zwischen den Gruppen Unterschiede. Die Gruppe von Patienten, bei denen weder Virusgenom noch eine Entzündung im Myokard nachgewiesen werden kann, zeigt die signifikant schlechteste relative und absolute Entwicklung ihrer EF von allen vier Gruppen (relativer Zuwachs um +34% nach 60 Monaten). Demgegenüber verläuft die Entwicklung der EF von Patienten, bei denen Virusgenom und/oder eine Entzündung nachgewiesen werden konnte, mit durchschnittlich +51% signifikant besser, wobei ein Großteil der Patienten eine spezifisch antientzündliche beziehungsweise antivirale Therapie erhalten hatte. Im Vergleich zwischen diesen weiteren Gruppen (DCMi, DCM und Virusnachweis, DCMi und Virusnachweis) können in der Entwicklung der EF keine Unterschiede detektiert werden. Der Nachweis von Virusgenom im Myokard, unabhängig von einer Kardiomyopathie als Grunderkrankung, bedeutet für Patienten eine Verschlechterung der Prognose. Im langfristigen Verlauf nach 60 Monaten zeigen Patienten mit Virusgenomnachweis mit einer relativen Verbesserung der EF von +2% eine signifikant schlechtere Entwicklung als eine Vergleichsgruppe ohne Virusnachweis mit einer Steigerung EF von +26% (p- Wert < 0,01). Durch eine antivirale Therapie mit Pentaglobin® kann diese schlechte Prognose deutlich verbessert werden, da therapierte Patienten im langfristigen Verlauf eine signifikant größere relative Verbesserung von +18% (p-Wert < 0,05) aufweisen, die sich nicht mehr vom Krankheitsverlauf der Patienten ohne Virusgenomnachweis unterscheidet. Die Wirksamkeit der Therapie wird weiterhin angedeutet durch eine größere Wahrscheinlichkeit für behandelte Patienten, eine Besserung der EF im Verlauf aufzuweisen (p-Wert < 0,05) sowie durch eine nichtsignifikant größere Viruseliminationsrate unter Therapie von 21% im Vergleich zu 0% ohne Therapie. Die negative prognostische Bedeutung eines Entzündungsnachweises im Myokard von Patienten manifestiert sich zum einen in einer nichtsignifikant schlechteren relativen Entwicklung der EF im langfristigen Verlauf (+6,1% gegenüber +18,1% von Patienten ohne Entzündung). Zum anderen wird gezeigt, dass die Elimination einer Entzündung zu einer nichtsignifikanten Verbesserung von EF, LVEDD und NYHA-Stadium führt, wohingegen die Entzündungspersistenz nichtsignifikant eine Verschlechterung dieser Parameter bewirkt. Der Effekt einer antiinflammatorischen Therapie führt in dieser Untersuchung zu 100% zu einer Elimination der Entzündungsreaktion, womit eine Wirksamkeit einer immunsuppressiven Therapie angenommen werden kann, da die spontane Eliminationsrate mit 79% niedriger liegt. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die Analyse der EMB auf das Vorliegen von Virusgenom oder einer Entzündung im Myokard für Patienten mit klinischem Verdacht auf Kardiomyopathie eine bedeutende differentialdiagnostische Untersuchung ist. Ihr Stellenwert wird dadurch belegt, dass der Nachweis einer Entzündung oder eines Viruses mit einer Verschlechterung der Prognose assoziiert ist. Weiterhin wird erst durch den Befund der EMB die Möglichkeit eröffnet, mithilfe spezifischer Therapien den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2011.0422