Emotional instabile Persönlichkeitsstörungen in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Inanspruchnahmepopulation

Während die emotional instabile Persönlichkeitsstörung (EIP) bzw. die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) in der Erwachsenenpsychiatrie heute die am besten untersuchte Persönlichkeitsstörung darstellt, liegen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie trotz wachsenden Interesses bislang nur ei...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Morisset, Andrea
Beteiligte: Mattejat, Fritz (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2010
Nervenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Während die emotional instabile Persönlichkeitsstörung (EIP) bzw. die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) in der Erwachsenenpsychiatrie heute die am besten untersuchte Persönlichkeitsstörung darstellt, liegen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie trotz wachsenden Interesses bislang nur eingeschränkte Ergebnisse im Hinblick auf diese Persönlichkeitsstörung vor. Vor allem Übersichtsarbeiten, die verschiedene Aspekte der emotional instabilen/Borderline-Persönlichkeitsstörung beleuchten und konkrete Zahlen nennen, sind rar. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine klinische Inanspruchnahmepopulation von jugendlichen PatientInnen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung detailliert zu beschreiben und sechs Hypothesen zu überprüfen. Dazu erfolgte die Auswertung der elektronisch archivierten Basisdokumentation aller PatientInnen mit der Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, die im Zeitraum von 1992 bis 2002 in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -therapie Marburg stationär behandelt wurden (N=39), sowie deren Vergleich mit nach Geschlecht, Alter und Intelligenz gematchten psychiatrischen KontrollpatientInnen. Zudem wurden die Krankenakten der PatientInnen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung ausgewertet. Die Hypothesen, dass jugendliche EIP-PatientInnen vermehrt selbstverletzendes Verhalten zeigen und stärker unter Suizidgedanken leiden als ihre psychiatrischen Kontrollen, konnten bestätigt werden. Nicht verifizieren lassen konnten sich hingegen die Hypothesen, dass EIP-PatientInnen häufiger geschiedene Eltern haben, mehr psychiatrisch relevante Erkrankungen in der Familie aufweisen, häufiger Substanzmissbrauch betreiben und öfter Suizidversuche verüben, als die psychiatrischen KontrollpatientInnen. Im explorativen Vergleich der EIP-PatientInnen mit den entsprechenden KontrollpatientInnen fiel auf, dass sich beide Gruppen v.a. bezüglich der Symptome Aggressivität, Verstimmung und suizidales Verhalten, sowie im Bereich der psychosomatischen Symptome unterscheiden; Symptome, die die EIP-PatientInnen in dieser Untersuchung häufiger zeigten. Außerdem konnte gezeigt werden, dass EIP- PatientInnen signifikant seltener bei ihren Eltern und öfter unter abnormen psychosozialen Umständen leben, wobei dies dadurch zustande kommt, dass sehr viele EIP-PatientInnen in einer Institution betreut werden. Im Bereich Schule, in der Beurteilung der psychosozialen Anpassung sowie im Bereich des Therapieumfangs und des Therapieerfolgs unterscheiden sich beide Gruppen nicht signifikant. Bei der Auswertung der Krankenakten, für die kein Vergleich mit psychiatrischen KontrollpatientInnen zur Verfügung stand, fiel auf, dass etwa 70 % der PatientInnen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung einen Substanzmissbrauch (Drogen, Alkohol, Tabletten) und etwa 75% einen Nikotinkonsum betreiben. In der Lebensgeschichte der untersuchten PatientInnen konnte nachgewiesen werden, dass etwa 59% Opfer von körperlichem Missbrauch, v.a. in der Familie, und etwa 67% der PatientInnen Opfer von sexuellem Missbrauch sind. Somit deckt sich diese Untersuchung in vielen Bereichen mit den bereits existierenden Zahlen anderer Studien an jugendlichen und auch erwachsenen PatientInnen mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung/Borderline-Persönlichkeitsstörung. Allerdings beziehen sich diese Studien oft, ebenso wie die vorliegende Untersuchung, auf kleine Fallzahlen und unterscheiden sich bzgl. der untersuchten Population. Zu einigen der untersuchten Aspekte, z.B. bzgl. des Therapieverlaufs, der Kooperation von PatientInnen und Eltern oder einzelner Symptomenkomplexe, bestehen noch keine vergleichbaren Ergebnisse. Es ist sicherlich erforderlich, der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung im Kindes- und Jugendalter, gerade auch vor dem Hintergrund der Diskussion über die Diagnostizierbarkeit dieser Erkrankung, verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Insbesondere sind Studien an größeren Patientenkollektiven erforderlich.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0678