Einsatz des Marburger Konzentrationstests für Vorschulkinder (MKVK) zur Bewertung der Untersuchungszeit bei 3- bis 6- jährigen Vorschulkindern.

Eine ungestörte Konzentrationsfähigkeit ist eine der wesentlichen Grundlagen für ein erfolgreiches Lernen. Vor allem das „Sich- konzentrieren- Können“, d.h. sich aktiv für eine Sache zu interessieren und zu fokussieren, beeinflusst das Verhaltensmuster dahingehend, dass Aufnahme und Speicherung von...

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Main Author: Maurer, Caroline
Contributors: Berger, Roswitha (Prof.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2010
Medizin
Subjects:
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Description
Summary:Eine ungestörte Konzentrationsfähigkeit ist eine der wesentlichen Grundlagen für ein erfolgreiches Lernen. Vor allem das „Sich- konzentrieren- Können“, d.h. sich aktiv für eine Sache zu interessieren und zu fokussieren, beeinflusst das Verhaltensmuster dahingehend, dass Aufnahme und Speicherung von Informationen möglich wird. Daraus ergibt sich dann ein Lernprozess [38]. Vor allem bei Kindern in den ersten Grundschuljahren wird verstärkt darauf geachtet, ob diese Konzentrationsfähigkeit störungsfrei vorhanden ist. Es stellt sich aber die Frage, ob Kinder, die in der Grundschule auffällig sind, nicht schon im Vorschulalter auffällig gewesen wären, wenn man die geeigneten Tests zur Überprüfung gehabt hätte. Viele der Konzentrationstests für Kinder haben ihren Testschwerpunkt im Bereich der 2. bis 6. Schulklasse [12]. Beispiele für bereits vorhandene Konzentrationstests für Kinder sind der Konzentrationstest für die 3. und 4. Klasse (Revision) (KT3-4R) von BRETZ, NELL und SNIEHOTTA oder die Testreihe zur Überprüfung der Konzentrationsfähigkeit (TPK) von KURTH und BÜTTNER [12]. Gemeinsam ist diesen Tests, dass das Lesen und das Lösen einfacher Rechnungen bereits erlernt werden musste, um sie erfolgreich zu absolvieren. Daher können sie bei Vorschulkindern nicht verwendet werden. Aus Mangel an geeigneten Tests für Kinder im Vorschulalter entstand der Marburger Konzentrationstest für Vorschulkinder (MKVK). Dieser Test wurde in Anlehnung an ein Verfahren von KOCH und PLEIßNER entwickelt. Der MKVK wurde bereits erfolgreich an hochgradig schwerhörigen Kindern, an sprachentwicklungsgestörten und an gesunden Kindern in der Altersklasse 5 bis 7 Jahre getestet. In den vorhergehenden Studien wurden neben der guten Praktikabilität des Verfahrens auch signifikante Unterschiede im Vergleich von sprachentwicklungsgestörten Kindern mit gesunden Kindern bezüglich der Konzentrationsleistung gezeigt. Kinder aus den Altersklassen 3;5 bis 6;0 Jahre, die sich als unauffällig in ihrer Entwicklung gezeigt haben, fehlten bisher noch in den Untersuchungen. Ihre Testergebnisse werden in dieser Arbeit vorgestellt und die bisherigen Untersuchungen somit vervollständigt. Ziel dieser Arbeit war die Erstellung einer Normgruppe im Bereich 3;5 bis 6;0 Jahre und die dazugehörige Festlegung eines Zeitpunktes, bis wann die Bearbeitung des Tests als normal zu werten ist. Es haben 53 Kinder an der Testung teilgenommen, von denen drei Kinder vorzeitig den Test abgebrochen haben. Es handelte sich um Kinder aus drei Kindergärten bzw. Kindertagesstätten, die bisher in ihrer Entwicklung unauffällig waren. Erfasst wurde neben der Fehlerzahl auch die Zeit, wobei die Zeit noch mal in die Bereiche „bis 8 Minuten“ und „nach 8 Minuten“ unterteilt wurde. An sich war die Bearbeitungszeit des Tests aber nicht begrenzt. In vorherigen Tests mit gesunden Kindern der Altersklasse 5 bis 7 Jahre wurde ein möglicher Grenzwert bei 8 Minuten angesetzt. Dieser zeigte sich aber in der hier getesteten Altersgruppe von 3;5 bis 6;0 Jahren als nicht realistisch. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit weisen jedoch insgesamt darauf hin, dass der MKVK für Vorschulkinder gut geeignet ist. Es handelt sich um ein einfaches und kostengünstiges Verfahren, dessen Durchführung rasch erlernt werden kann. Zudem hatten auch die Kinder durchweg große Freude an der Bearbeitung des Testes und empfanden ihn nicht als Last. Es zeigte sich bei der Auswertung eine geringe negative Korrelation zwischen Alter und Zeit, d.h. dass jüngere Kinder im Allgemeinen mehr Zeit zur Bearbeitung des Tests benötigten, als ältere Kinder. Zusätzlich konnte für die gesamte hier getestete Altergruppe von 3;5 bis 6;0 Jahren sowohl im Median als auch im Mittelwert die zunächst geplante Grenze von 8 Minuten nicht eingehalten werden. Damit in Zukunft nicht zu viele gesunde Kinder durch den Test als auffällig eingestuft werden, sollte für die hier getestete Altersgruppe der cut- off für die Zeit erhöht werden. Außerdem wird empfohlen, zwei Altersgruppen zu bilden und jeder Altersgruppe einen eigenen Grenzwert zuzuordnen. Für die Altergruppe 1, d.h. Kinder unter 5 Jahren, wird ein Grenzwert von 12 Minuten, für die Kinder im Alter von 5 Jahren und älter, d.h. der Altersgruppe 2, wird ein Grenzwert von 9 Minuten empfohlen. Mit einem flächendeckenden Einsatz des MKVK, beispielsweise als verpflichtenden Test bei der Einschulungsuntersuchung, könnten einfach und effektiv Kinder mit dem Verdacht auf eine Konzentrationsstörung schon vor Schulbeginn diagnostiziert werden und so rechtzeitig, d.h. vor Eintreten schulischer Probleme, angemessen und individuell gefördert werden.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0369