Entwicklung eines Fragebogens zur Patientenzufriedenheit in der stationären Psychotherapie

Aufgrund gesundheitspolitischer und –ökonomischer Notwendigkeiten sowie einem Wandel der Patientenrolle nehmen in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung die Bemühungen zu, Qualitätssicherungsprogramme wie Zufriedenheitsbefragungen in die stationäre Versorgung zu übernehmen. Des Wei...

Full description

Saved in:
Bibliographic Details
Main Author: Dietzel, Caroline
Contributors: Schreiber, Wolfgang (Prof., Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2009
Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
Description
Summary:Aufgrund gesundheitspolitischer und –ökonomischer Notwendigkeiten sowie einem Wandel der Patientenrolle nehmen in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung die Bemühungen zu, Qualitätssicherungsprogramme wie Zufriedenheitsbefragungen in die stationäre Versorgung zu übernehmen. Des Weiteren wurde die Bedeutung der subjektiven Bewertung für den Behandlungsprozess und als Kriterium der Ergebnisqualität erkannt. Ziel der vorliegenden Dissertation war die Erstellung eines Fragebogens zur differenzierten Erfassung der Patientenzufriedenheit auf der Basis eines bestehenden Instrumentariums. Nachdem im deutschsprachigen Raum keine Studien über die Wertigkeit unterschiedlicher Aspekte der Zufriedenheit psychotherapeutischer Patienten vorliegen, sollte mittels eines induktiven Forschungsansatzes ermittelt werden, welche Gesichtpunkte einer stationären psychotherapeutischen Behandlung aus Sicht der Patienten für ihre Zufriedenheit besonders wichtig sind. Der empirische Teil der Arbeit umfasste drei Komponenten. In Studie I wurden 242 Patienten mit einem bereits etablierten Erhebungsinstrument, dem Fragebogen zur Patientenzufriedenheit, ZUF-8 (Schmidt et al. 1989, Spießl et al. 1996), befragt. Dieser sollte hierbei auf seine Brauchbarkeit zur Evaluierung der globalen Zufriedenheit im Bereich der Psychotherapie und Psychiatrie Marburg getestet werden. Die Untersuchung mittels ZUF-8 bestätigt das aus bisherigen Studien bekannte hohe Maß an Zufriedenheit. Das Erhebungsinstrument erweist sich als reliable eindimensionale Skala. Die guten Gütekennwerte des ZUF-8 vorheriger Studien konnten in der vorliegenden Arbeit überzeugend repliziert werden. Demnach ist der ZUF-8 ein äußerst ökonomisch einsetzbares Instrument und erscheint weitestgehend geeignet, die Zufriedenheit als einen Indikator der Ergebnisqualität zu erheben. In Studie II erfolgte aus den Ergebnissen der ersten Studie die Entwicklung eines Fragenkatalogs. Dieser sollte mit Hilfe eines halbstandardisierten Interviews zur Ermittlung der spezifischen Erwartungen der Patienten an eine bevorstehende Psychotherapie beitragen. Die Auswertung der 30 Patienteninterviews erfolgte mittels inhaltsanalytischem Verfahren, an dessen Ende die Bildung eines Kategoriensystems stand. In der zweiten Studie konnte anhand der freien Meinungsäußerungen ein Kategoriensystem, bestehend aus 17 Hauptkategorien erarbeitet werden. Besonders wichtig für die Patienten waren die Räumlichkeiten der Station, das Therapieangebot sowie die Betreuung durch das Pflegepersonal. In Studie III wurde der neu konzipierte Fragebogen (SpezFB) verwendet, der die 35 inhaltsanalytisch generierten Statements des zweiten Teils der Studie enthielt und die spezifische Zufriedenheit am Ende einer vollstationären psychotherapeutischen Behandlung anhand zwei Patientengruppen erfassen sollte. Abschließend wurde eine Prüfung des SpezFB auf seine Reliabilität und Dimensionalität durchgeführt. Des Weiteren wurden ein möglicher Einfluss soziodemographischer Variablen und eventuelle Antwortunterschiede zwischen den beiden Stichproben untersucht. Im Ergebnis der Hauptstudie liegt eine Skala mit insgesamt 20 Items vor, welche sich in 5 Subskalen unterteilen lässt: „Zufriedenheit mit Ärzten und Therapeuten“, „Zufriedenheit mit der Pflege“, „Zufriedenheit mit den Möglichkeiten der eigenen Therapie- und Freizeitgestaltung sowie der Zusammenarbeit des Teams“, „Umsetzung und Erreichung der Therapieziele“ sowie „räumliche Ausstattung der Station“. Es zeigt sich eine sehr gute interne Konsistenz. Die Bewertung ist weitgehend unabhängig von soziodemographischen Variablen. Auch in dieser dritten Studie konnte ein hohes Maß an Zufriedenheit unter den Patienten festgestellt werden. Eine Untersuchung des Antwortverhaltens der beiden Stichproben zeigte im t-Test auf der Ebene der Einzelitems wenige signifikante Unterschiede. Letztendlich zeigt sich im Ergebnis dieser dritten Studie ein kurzes und daher sowohl in der Durchführung als auch in der Auswertung, ökonomisches, gut verständliches und leicht einsetzbares Erhebungsinstrument. Die Ergebnisse der Befragung mittels SpezFB sind sowohl für den täglichen Umgang mit Patienten als auch für die Konzeption von Behandlungsstrategien und qualitätsverbessernden Maßnahmen relevant. In weiteren Untersuchungen erscheint es jedoch sinnvoll, die aus den Patienteninterviews gewonnen Items hinsichtlich ihres Aufbaus zu verbessern, um schließlich ein reliables, valides und ökonomisches Messinstrumentes der Patientenzufriedenheit zu erhalten, das möglichst für die Befragung aller stationär behandelten psychiatrischen und psychotherapeutischen Patienten geeignet ist.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0689