Epistaxis bei Kindern und Jugendlichen

In der vorliegenden Arbeit wurden die Krankenakten von 62 pädiatrischen Epistaxispatienten ausgewertet, um Besonderheiten der kindlichen Epistaxis und deren Therapie herauszuarbeiten. Bei 45/62 Patienten war zunächst keine direkte Ursache für die Blutung aus der Nase aufgefallen. In 13/62 Fällen war...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Harlfinger, Martin
Beteiligte: Folz, Benedikt (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:In der vorliegenden Arbeit wurden die Krankenakten von 62 pädiatrischen Epistaxispatienten ausgewertet, um Besonderheiten der kindlichen Epistaxis und deren Therapie herauszuarbeiten. Bei 45/62 Patienten war zunächst keine direkte Ursache für die Blutung aus der Nase aufgefallen. In 13/62 Fällen war ein Trauma das blutungsauslösende Ereignis und in 3/62 Fällen traten die Blutungen in Verbindung mit Syndromen auf, wobei es sich zweimal um ein Morbus-Rendu-Osler-Syndrom und einmal um ein ektodermales Dysplasiesyndrom handelte. Eine Patientin blutete aus einer vaskulären Malformation am rechten Naseneingang. In 60/62 Fällen handelte es sich um eine sogenannte anteriore Epistaxis, zu posterioren Blutungen kam es lediglich in 2/62 Fällen. In beiden Fällen handelte es sich um Nachblutungen nach ärztlichen Eingriffen. Von den 45 Patienten ohne direkt erkennbare Blutungsursache wurde bei 6 Patienten ein erhöhter oder erniedrigter Blutdruck gemessen. Bei den pädiatrischen Patienten konnte kein wesentlicher Einfluss des Blutdruckes auf Dauer oder Frequenz des Nasenblutens festgestellt werden. Bei 5/45 Patienten lag ein von-Willebrand-Jürgens-Syndrom vor, 3/45 Patienten standen unter dem Einfluss von Acetylsalicylsäure. Bei beiden Gruppen konnten längere Blutungsdauern als beim Durchschnitt der untersuchten Patienten gezeigt werden. Bei 34/45 Patienten trat die Epistaxis nicht in Folge einer Systemerkrankung auf. In 27/34 Fällen lag jedoch ein auffälliger Schleimhautbefund vor. Eine trockene Schleimhaut wiesen 19/34 Patienten auf, wobei ein Zusammenhang zu trockener Umgebungsluft gezeigt werden konnte, da es zu vermehrten Blutungen an Tagen mit niedriger Luftfeuchtigkeit und in den Wintermonaten mit trockener Heizungsluft kam. Mehr als ein Drittel der Patienten (12/34) wies ein prominentes, durch die Schleimhaut durchscheinendes Gefäß am Vorder- oder Unterrand des Septums auf, teleangiektatische Gefäße fielen in 4/34 Fälle auf. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass lange Blutungen von mehr als einer Stunde Dauer besonders aus prominenten Gefäßen auftreten, während Teleangiektasien oft in Verbindung mit besonders häufig auftretenden Blutungen stehen. Bei der rhinoskopischen Untersuchung des vorderen Nasenseptums fiel ein durch die Mukosa durchscheinendes Gefäß auf, das vom Nasenboden kommend nach kranial zieht und dort den Locus Kiesselbachi versorgt. Im Gegensatz zu Darstellungen in der Literatur konnten Anastomosen mit von kranial kommenden Gefäßen der Arteria ethmoidalis anterior nicht festgestellt werden. Der Locus Kiesselbachi wird nach den Erkenntnissen der vorliegenden Untersuchung hauptsächlich vom Ramus septalis inferior der Arteria sphenopalatina versorgt. Ziel einer dauerhaft erfolgreichen operativen Therapie häufig auftretender oder besonders lang andauernder Epistaxis muss die Verödung dieses Gefäßes sein. In 21/45 Fällen ohne direkt erkennbare Blutungsursache wurde zunächst mit bipolarer Koagulation therapiert. Alle akuten Blutungen konnten erfolgreich gestillt werden. In 6 dieser 21 Fälle kam es in den nächsten Monaten zu einer erneuten Vorstellung wegen Epistaxis, wobei es sich ausschließlich um Patienten mit prominenten Gefäßen, Teleangiektasien oder um einen Patienten mit von-Willebrand-Jürgens-Syndrom handelte. Eine chemische Koagulation mit Silbernitrat wurde in 2/45 Fällen angewendet, wobei diese Therapie in der Hälfte der Fälle erfolgreich war. Bei 18/45 Patienten wurde eine Nd:YAG-Lasertherapie eingesetzt. Alle Patienten litten seit längerem unter häufig auftretenden Blutungen, 2/3 von ihnen wurden vor der Lasertherapie bereits ohne dauerhaften Erfolg bipolar koaguliert. In allen Fällen konnte anschließend eine deutliche Besserung der Epistaxissymptomatik festgestellt werden. Das heißt, dass unter befeuchtender Therapie mit weicher Nasensalbe keine weiteren nennenswerten Blutungen auftraten. Bei Patienten mit häufiger und starker Epistaxis scheint diese Therapie einen größeren Erfolg zu haben als die bipolare Koagulation. Zu empfehlen ist die Lasertherapie deshalb besonders bei Patienten mit prädisponierenden Faktoren für Epistaxis wie prominenten Gefäßen oder Teleangiektasien im Bereich des Septums oder bei Patienten mit auffällig langen Blutungen (z.B. Patienten mit von-Willebrand-Jürgens-Syndrom). Außerdem ist die Therapie geeignet für Patienten, bei denen zuvor erfolglos bipolar koaguliert wurde. Die Therapie der Morbus-Rendu-Osler-Patienten war in beiden Fällen ähnlich. Sie bestand aus einer Vorbehandlung mit weicher Nasensalbe und nachfolgender Nd:YAG-Lasertherapie im Bereich des Locus Kiesselbachi unter stationären Bedingungen. Nach einem Heilungsintervall von 8 Wochen wurde die andere Nasenseite behandelt. Anschließend wurde eine dauerhafte intensive Nasenpflege mit weicher Nasensalbe verordnet. So konnte in beiden Fällen eine weitgehende Beschwerdefreiheit in den nächsten zwei Jahren erzielt werden.