Vergleichende Untersuchungen zur circadianen Rhythmik des intraokularen Druckes (IOD) im Tagestensioprofil (TTP) und den Veränderungen der Druckwerte im Provokationstest "Wasserbelastungstest" (WBT) bei Patienten mit verschiedenen GLaukomformen

Ein wichtiges Verfahren in der Glaukomdiagnostik ist die Bestimmung des intraokularen Druckes (IOD). Dieser unterliegt einer circadianen Rhythmik, welche bei vielen Glaukompatienten gestört ist. Es wird vermutet, dass der maximale IOD und der Druckanstieg wichtig sind für das Fortschreiten der Erkra...

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Main Author: Störzer, Judith
Contributors: Strempel, Ilse (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2009
Augenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Ein wichtiges Verfahren in der Glaukomdiagnostik ist die Bestimmung des intraokularen Druckes (IOD). Dieser unterliegt einer circadianen Rhythmik, welche bei vielen Glaukompatienten gestört ist. Es wird vermutet, dass der maximale IOD und der Druckanstieg wichtig sind für das Fortschreiten der Erkrankung. Eine kompetente Diagnostik und Therapie erfordert deshalb in bestimmten Fällen die Erstellung eines Tagestensioprofils (TTP) über 24-Stunden. Um auch die nächtlichen Druckwerte erfassen zu können, erfolgt das TTP unter stationären Bedingungen, was die Untersuchungsmethode sehr aufwendig und kostenintensiv macht. Aus diesem Grund haben wir die Einsetzbarkeit und prognostische Bedeutung des Wasserbelastungstests als alternative Methode untersucht. Bei diesem Testverfahren wird durch das Trinken einer bestimmten Wassermenge eine erhöhte Drucksteigerung bei Glaukompatienten hervorgerufen. Es wurde von uns die Hypothese aufgestellt, dass die Durchführung des Wasserbelastungstests die gleichen maximalen Tagesdruckwerte und Druckschwankungen liefert wie das TTP. Dafür werteten wir retrospektiv 84 Augen von 44 Patienten aus, die innerhalb der Glaukomsprechstunde an der Augenklinik Marburg untersucht wurden. Die ausgewerteten Daten lassen folgende Schlussfolgerung zu: Die maximalen Druckwerte des Wasserbelastungstests fallen in unserer Studie im Durchschnitt höher aus als beim TTP, zeigen aber eine positive Korrelation zueinander. Im Durchschnitt fällt der WBT 2 mmHg höher aus, was klinisch gesehen schon durch zwei unterschiedliche Prüfer verursacht sein kann. Ein weiterer Grund für die Differenz der Messwerte in beiden Verfahren kann u. a. in der Hospitalisation der Patienten beim TTP gesucht werden. Bedingt durch den stationären Aufenthalt werden niedrigere Maximalwerte hervorgerufen, als sie im Alltag tatsächlich bestehen. Weitere Auslöser könnten verpasste Nachtmessungen und zu große Messabstände am Tage sein. Ob diese Faktoren die Hauptursache sind oder ob es noch weitere Gründe für die niedrigeren Druckwerte im TTP gibt, muss durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Ähnliches gilt für den Druckanstieg. Hier konnte keine Korrelation für die Werte beider Testverfahren ermittelt werden, was u. a. an der Größe unseres Patientenkollektivs liegen kann. Weiterhin zeigte sich in unserer Studie, dass gerade der WBT effektiv zur Überprüfung von Normaldruckglaukomen eingesetzt werden kann. Diese Patienten weisen häufig normale Druckwerte während der Glaukomsprechstunde auf trotz fortschreitender Gesichtsfeldprogressionen. Die schnelle Durchführung eines WBT kann hier für Aufklärung sorgen, da durch den WBT meist deutlich höhere Druckwerte festgestellt werden können als beim TTP. Eine Erklärung könnte sein, dass das NDG Teil einer generalisierten Endotheliopathie ist. Bereits in einer früheren Studie wurde diskutiert, dass der erhöhte Augeninnendruck nach Durchführung des WBT Ursache einer Endothelstörung ist. Weitere Studien zu diesem Thema sollten folgen, da gerade diese Glaukomvariante im Zusammenhang mit der zunehmenden Alterskaskade ansteigt. In Anbetracht der ernormen Kostenexplosion im Gesundheitswesen sollte der WBT als kostengünstiges Testverfahren mit hohem Aussagewert wieder einen wichtigen Platz in der Glaukomdiagnostik einnehmen. TTPs dürfen aus diesem Grund nur für komplizierte Einzelfälle vorbehalten sein und auch hier ist immer eine kombinierte Durchführung eines TTP und WBT ratsam.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0299