Untersuchung des deklarativen Gedächtnisses für Public Events bei Patienten mit Temporallappenepilepsie

Einleitung: Die Temporallappenepilepsie ist eine der häufigsten fokalen Epilepsien mit multiplen Ursachen. Es ist bekannt, dass Patienten mit langjähriger chronischer Epilepsie, insbesondere bei temporal lokalisiertem Fokus, häufig über Gedächtnisdefizite klagen, wobei speziell episodische Gedächtn...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Barth, Sonja Dorothea
Beteiligte: Rosenow, Felix (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Nervenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Einleitung: Die Temporallappenepilepsie ist eine der häufigsten fokalen Epilepsien mit multiplen Ursachen. Es ist bekannt, dass Patienten mit langjähriger chronischer Epilepsie, insbesondere bei temporal lokalisiertem Fokus, häufig über Gedächtnisdefizite klagen, wobei speziell episodische Gedächtnisinhalte betroffen zu sein scheinen. Hierzu zählt unter anderem das Erinnern an öffentliche Ereignisse, so genannte „Public Events“. Dies unterstützt die Annahme, dass der Temporallappen und speziell der dort lokalisierte Hippokampus eine entscheidende Rolle bezüglich einer intakten Gedächtnisfunktion spielt. Im Rahmen dieser Untersuchung sollte mittels eines standardisierten Fragebogens für Public Events geprüft werden, ob Patienten mit Temporallappenepilepsie eine Störung des episodischen Gedächtnisses zeigen und ob diese Störung zeitlich mit dem ersten Auftreten von Anfällen assoziiert ist. Material und Methoden: Zu Beginn der Untersuchung wurde ein standardisierter, 100 Items umfassender Fragebogen entwickelt. Dieser setzte sich aus Public Events unterschiedlicher Kategorien aus den Jahren 1960-2004 zusammen. Mithilfe dieses Interview-Fragebogens wurde dann das Gedächtnis von 20 Patienten, die unter Temporallappenepilepsie leiden sowie 20 vergleichbaren, gesunden Kontrollpersonen getestet. Sie wurden dabei nach den Ereignissen selbst, deren zeitlicher Einordnung und deren subjektiver emotionaler Bewertung befragt. Ergebnisse: Die aus Patienten und Kontrollpersonen gebildeten Paare unterschieden sich nicht signifikant bezüglich Alter, Geschlecht, Ausbildung, Händigkeit und Intelligenz. Jedoch ergaben sich signifikante Unterschiede zugunsten der gesunden Kontrollpersonen hinsichtlich der mittleren Gedächtnisleistung und der Leistung in den einzelnen Dekaden. Es ergaben sich hierbei Haupteffekte für die Gruppe und die Dekade sowie ein Interaktionseffekt Gruppe x Dekade. Signifikante Unterschiede bezüglich der zeitlichen Einordnung gewusster Items und deren emotionaler Bewertung ergaben sich nicht. Auch Differenzen zwischen links- und rechtseitig lokalisierter Epilepsie konnten nicht gefunden werden. Bei alleiniger Betrachtung der Patienten mit Hippokampussklerose zeigte sich zusätzlich ein signifikanter Unterschied zwischen der Gedächtnisleistung vor und nach Erkrankung sowie eine geringere emotionale Item-Bewertung durch die rechtsseitig erkrankten Patienten. Diskussion und Schlussfolgerungen: Anhand dieser Untersuchung konnte gezeigt werden, dass Patienten, die unter langjähriger Temporallappenepilepsie leiden, eine signifikant schlechtere Gedächtnisleistung bezüglich öffentlicher Ereignisse haben als gesunde Kontrollpersonen. Dabei scheint die Genese der Erkrankung eine Rolle zu spielen. So konnte bei den Patienten mit der Ätiologie einer Hippokampussklerose zusätzlich ein signifikanter Unterschied zwischen der Gedächtnisleistung vor und nach Erkrankung und eine geringere emotionale Item-Bewertung bei rechtsseitiger Hippokampussklerose gezeigt werden. Weitere Unterschiede zwischen rechts- und linksseitiger Temporallappenepilepsie fanden sich nicht. Ein eindeutiger Effekt der Erkrankungsdauer konnte anhand dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden. Außerdem zeigte sich kein Defizit der Patienten bei der zeitlichen Einordnung gewusster Items, also eine normale Gedächtnischronologie. Die Testung bezüglich spezifischer Gedächtnisleistungen, wie beispielsweise der hier geprüften öffentlichen Ereignisse, könnte auch im klinischen Alltag zur optimierten Erfassung krankheitsspezifischer neuropsychologischer Defizite eingesetzt werden und gegebenenfalls auch lokalisatorische Hinweise bei unklaren Epilepsiesyndromen liefern.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0577