Ultraschallvokalisationen bei Maus und Ratte - Kommunikative Signale des motivational-affektiven Zustands?

Mäuse und Ratten verfügen über die Fähigkeit, Ultraschallvokalisationen auszusenden. Diese Ultraschallvokalisationen treten in motivational relevanten Kontexten auf. Sie sind für die biopsychologische Forschung von großer Bedeutung, da die Tiere in Abhängigkeit ihres motivational-affektiven Zustande...

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Main Author: Wöhr, Markus
Contributors: Schwarting, Rainer (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2008
Psychologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Mäuse und Ratten verfügen über die Fähigkeit, Ultraschallvokalisationen auszusenden. Diese Ultraschallvokalisationen treten in motivational relevanten Kontexten auf. Sie sind für die biopsychologische Forschung von großer Bedeutung, da die Tiere in Abhängigkeit ihres motivational-affektiven Zustandes unterschiedliche Vokalisationen emittieren und somit Einblicke in die Grundlagen von Emotion und Motivation gewähren können. Über die funktionale Bedeutung dieser Ultraschallvokalisationen besteht jedoch Unklarheit. In den vorgelegten Arbeiten sollte daher geprüft werden, inwiefern es sich bei den Ultraschallvokalisationen um kommunikative Signale des motivational-affektiven Zustands handelt. Hierzu wurde zum einen geprüft, welche Bedeutung soziale Faktoren, wie maternale Fürsorge oder An- beziehungsweise Abwesenheit eines Artgenossen, für den Sender, das heißt für die Produktion von Rufen, haben. Zum anderen wurde geprüft, welchen Einfluss die Produktion von Rufen auf den Empfänger hat. Es konnte gezeigt werden, dass sich die erfahrene maternale Pflege auf die Produktion isolations-induzierter Vokalisationen im Jungtier als auch auf die im Erwachsenenalter auftretenden 22-kHz Vokalisationen auswirkt, wohingegen die aktuelle An- beziehungsweise Abwesenheit eines Artgenossen die Emission von 22-kHz Rufen nicht beeinflusst. Die Effekte maternaler Fürsorge sind möglicherweise über Beeinflussung des Aufteretensverhältnisses von aktiven und passiven Bewältigungsstrategien in aversiven Situationen vermittelt. Ferner konnte gezeigt werden, dass obwohl die An- beziehungsweise Abwesenheit eines Artgenossen keinen steigernden Einfluss auf die Produktion von 22-kHz Rufen hat, diese dennoch angst-ähnliches Verhalten beim Empfänger induzieren können. Im Gegensatz zu der durch 22-kHz Rufe induzierten lokomotorischen Inhibition, steigern 50-kHz Rufe die lokomotorische Aktivität und führen zu Annäherungsverhalten. In Übereinstimmung mit den entgegengesetzten Verhaltensreaktion aktivieren 22-kHz Rufe Hirnstrukturen, die an der Regulation von Angst und Furcht beteiligt sind, wohingegen 50-kHz Rufe Strukturen aktivieren, die mit Belohnungsprozessen in Zusammenhang stehen. Die vorgelegten Arbeiten stützen demnach die Hypothese, dass Ultraschallvokalisationen als kommunikative Signale des motivational-affektiven Zustands dienen. Die hier etablierten Verhaltensparadigmen werden es zukünftig ermöglichen die biopsychologischen Grundlagen verschiedener Aspekte von Sozialverhalten zu untersuchen. So kann beispielsweise die durch die Präsentation von 50-kHz Vokalisationen induzierte Verhaltensreaktion der Tiere genutzt werden, um die genetischen und neurochemischen Grundlagen sozialen Annäherungsverhaltens zu beschreiben und so möglicherweise Einblick in die Pathomechanismen von psychischen Störungen gewähren, die durch Defizite im Sozialverhalten gekennzeichnet sind.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0498