Remedia pro infantibus: Arzneiliche Kindertherapie im 15. und 16. Jahrhundert, dargestellt anhand ausgewählter Krankheiten

Das Ziel der vorliegenden Dissertation war die Erforschung der pharmazeutischen Aspekte der pädiatrischen Therapie in einem zeitlich begrenzten historischen Raum. Beginnend mit den einschlägigen Inkunabeln des späten 15. Jahrhunderts 'Libellus de egritudinibus infantium' von Paulus Bagella...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Manzke, Walter Martin
Beteiligte: Dilg, Peter (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Geschichte der Pharmazie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Das Ziel der vorliegenden Dissertation war die Erforschung der pharmazeutischen Aspekte der pädiatrischen Therapie in einem zeitlich begrenzten historischen Raum. Beginnend mit den einschlägigen Inkunabeln des späten 15. Jahrhunderts 'Libellus de egritudinibus infantium' von Paulus Bagellardus (1472), Bartholomäus Metlingers 'Ein Regiment der jungen Kinder' (1473) und 'Libellus de egritudinum infantium' des Cornelius Roelans von Mecheln (1483/84) – die seit Karl Sudhoff (1925) als 'Erstlinge der pädiatrischen Literatur' bezeichnet werden – wird mit den Werken von Eucharius Rösslins 'Rosengarten' (1513), Thomas Phaires 'The boke of chyldren' (1544) und Hieronymus Mercurialis' 'De morbis puerorum tractatus locupletissimi' (1583) ein Bogen bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert gespannt und anhand dieser sechs herausragenden Autoren das kinderarzneiliche Therapiespektrum exemplarisch analysiert. All diesen Publikationen ist gemeinsam, daß sie sich der speziellen körperlichen Konstitution von Säuglingen und Kindern, ihren Erkrankungen sowie deren Heilung oder Prophylaxe widmen und damit die ersten gedruckten Monographien auf dem Gebiet einer sich langsam herausbildenden Kindermedizin darstellen. Während in den wissenschaftlich orientierten Publikationen die Beschreibung der jeweiligen Ätiologie, der Krankheitsdiagnose und -prognose einen wesentlich größeren Raum als in den volksnäheren, für Laien konzipierten Schriften einnimmt, variiert das therapeutische Instrumentarium nicht sehr stark; allerdings lassen sich im Autorenvergleich abweichende Beurteilungen einzelner therapeutischer Konzepte, bestimmter Arzneistoffe sowie Unterschiede beim Einsatz von Simplicia und Composita feststellen. Der Gedanke einer kinderadäquaten Therapie kommt in der Warnung vor bestimmten Drogen ebenso zum Ausdruck wie in der starken Einschränkung von rektal wirkenden Arzneien, Purgationen, Aderlaß oder Schröpfen und mittels Ammentherapie, d.h. durch die Integration der Stillenden in die Behandlung ließ sich das Spektrum der einsetzbaren Medikamente beträchtlich erweitern, da deren Wirkung nach damaliger Auffassung durch die Milch auf das Kind übertragen wurde. Genauso kannte man im Untersuchungszeitraum eine altersabhängige Differenzierung in der Arzneimitteldosierung, spezielle Krankheiten als für diese frühe Lebensphase typisch, entwickelte signifikante Abgrenzungsmodalitäten gegenüber der Behandlung Adulter und widmete sich im Rahmen der damaligen Möglichkeiten mit großer Sorgfalt der Heilung kindlicher Gebrechen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0081