Die J-Span Plastik nach Resch bei posttraumatischer unidirektionaler Schulterinstabilit.Kurz- bis mittelfristige klinische Ergebnisse und deren Vergleich mit veröffentlichten Ergebnissen alternativer Operationsverfahren.

In der Vergangenheit wurden bezüglich der operativen Behandlung der posttraumatisch rezidivierenden vorderen Schulterluxation zahlreiche Operationsverfahren entwickelt. Aus der Vielzahl der verschiedenen Operationsverfahren haben sich diesbezüglich nur vier Konzepte mit vielen Modifikationen durchge...

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Main Author: Hemme, Sven
Contributors: Fuchs-Winkelmann, Susanne (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Orthopädie und Rheumatologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der Vergangenheit wurden bezüglich der operativen Behandlung der posttraumatisch rezidivierenden vorderen Schulterluxation zahlreiche Operationsverfahren entwickelt. Aus der Vielzahl der verschiedenen Operationsverfahren haben sich diesbezüglich nur vier Konzepte mit vielen Modifikationen durchgesetzt. Für den häufigen Fall der traumatischen rezidivierenden ventralen Schulterinstabilität hat sich ein Vorgehen bewährt, das sich nach dem Ausmaß der Schädigung der kapsuloligamentären Verankerung am Pfannenrand richtet: Ziel jeglicher stabilisierender Operation am Schultergelenk sollte jedoch eine anatomische Rekonstruktion und damit die Beseitigung möglichst aller pathologischen Veränderungen sein. Aus diesem Grund ist z.B. bei eindeutigen Hinweisen auf eine anlagebedingte Instabilität oder irreparablen anatomischen Defekten bzw. bei Revisionseingriffen ein knöcherner Eingriff unumgänglich. In Ausnahmesituationen wurde in der Klinik für Orthopädie des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek, Hamburg bei Patienten mit traumatisch rezidivierender ventraler Schulterinstabilität, die einen ausgeprägten knöchernen Pfannenranddefekt, bzw. eine zu kurze Pfanne aufwiesen, eine J-Span-Plastik nach RESCH durchgeführt. Darin wurde eine anatomische Rekonstruktion der durch die rezidivierenden Schulterluxationen hervorgerufenen pathologischen Veränderung am ventrocaudalen Pfannenrand gesehen. Zwischen 1996 und 2002 wurden 17 Patienten mit einer traumatisch rezidivierenden ventralen Schulterinstabilität, die einen ausgeprägten knöchernen Pfannenranddefekt bzw. eine zu kurze Pfanne aufwiesen, mittels J-Span-Plastik nach RESCH versorgt. Zusätzlich erfolgte aufgrund der präoperativ bei der klinischen Untersuchung festgestellten Hyperlaxität des zu operierenden Schultergelenks ein Kapsel-T-Shift nach NEER. 13 dieser Patienten konnten über eine durchschnittliche Follow-up-Zeit von 23 ± 26 Monate (5-89 Monate) nachuntersucht werden. Das durchschnittliche Alter bei der Operation betrug 35 ± 12 Jahre (19-57 Jahre). In Hinblick auf eine sowohl subjektive als auch objektive Bewertung kamen drei verschiedene Schulterfunktions-Scores mit differierender Verteilung der Subjektivität bzw. Objektivität zur Anwendung: CONSTANT-, ROWE- und ASES-Score. Postoperativ kam es bei allen Schulterfunktions-Scores zu einer Verbesserung der Punkte. Es zeigte sich im Vergleich zur gesunden Schulter eine signifikante Reduktion der Außenrotation sowohl bei 0 Grad als auch bei 90 Grad Abduktion. Des weiteren zeigte sich nach einem durchschnittlichen Nachuntersuchungszeitraum von 23 ± 26 Monate (5-89 Monate) bei 4 von 13 Patienten eine Zunahme der Arthrose von 0 auf 1 Grad nach Samilson. In allen 13 Fällen wurde eine 100%ige Spaneinheilung beobachtet. Der TGHI vergrößerte sich signifikant (p < 0,001) von präoperativ durchschnittlich 0,54 ± 0,05 (0,44 – 0,55) auf postoperativ durchschnittlich 0,72 ± 0,06 (0,62 – 0,79). Postoperativ zeigte sich bei keinem der Patienten ein Apprehensionzeichen positiv > 1. Grades. Vergleicht man die Ergebnisse dieser Studie mit denen in der Literatur bisher aufgeführten ventralen Stabilisierungsverfahren hinsichtlich der Rezidiv- und Arthroserate sowie des Außenrotationsdefizites, so ist folgendes festzustellen: In dieser Studie konnte bisher bis auf eine Subluxation keine weitere Reluxation festgestellt werden. Es zeigt sich somit zu den bekannten Reluxationsraten der anderen ventralen Stabilisierungsverfahren mittelfristig gesehen eine sehr geringe Rate. Bezüglich des Außenrotationsdefizit zeigt sich im Literaturvergleich eine verhältnismäßig hohe Rate in dieser Studie. Die Außenrotation muss also als ein potentiell die Funktion des Gelenkes einschränkender Faktor berücksichtigt werden. Ein Vergleich der Arthroserate in dieser Studie mit anderen knöchernen Stabilisierungsoperationen (Spanplastiken, Knochenblockoperationen, Drehosteotomien) ist insofern schwierig, da es sich hier um kurz- bis mittelfristige Ergebnisse handelt. Inwieweit sich diese Ergebnisse bezüglich der Arthroserate langfristig entwickeln werden und ob sie vergleichbar sind mit den bisher in der Literatur genannten Ergebnisse bleibt abzuwarten. Die J-Span-Plastik als operative Therapie der traumatisch rezidivierenden ventralen Schulterinstabilität ist keineswegs als Konkurrenzverfahren gegenüber den bisher etablierten Operationstechniken anzusehen. Sie ergänzt die bisher durchgeführten Operationstechniken. Besteht bei einer ventralen Schulterinstabilität ein ausgeprägter knöcherner Pfannenranddefekt bzw. eine zu kurze Pfanne, ist eine operative Versorgung alleine der Bankert-Perthes-Läsion nicht sinnvoll, da so bei einer zu kurzen Pfanne die Kavität nicht wiederhergestellt werden kann und somit eine Stabilitätskomponente fehlt. Bei diesen Ausnahmesituationen ist eine J-Span-Plastik nach Resch sinnvoll.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0759