Validierung der deutschen Fassung der Skala "Life Regard Index revised" ("LRI-r") - Fragebogen Test zum Lebenssinn

„Der Sinn des Lebens“ wurde in seiner Dimension als individueller Lebenssinn in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Bezüge zur psychosozialen und körperlichen Gesundheit wurden hergestellt (Wong & Fry, 1998). Um für den deutschen Sprachraum im Ans...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Groß, Helge
Beteiligte: Basler, Heinz-Dieter (Prof. Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Medizinische Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:„Der Sinn des Lebens“ wurde in seiner Dimension als individueller Lebenssinn in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Bezüge zur psychosozialen und körperlichen Gesundheit wurden hergestellt (Wong & Fry, 1998). Um für den deutschen Sprachraum im Anschluss an internationale empirische Forschung zum Lebenssinn ein Instrument zur Verfügung zu stellen, wird in dieser Arbeit die deutsche Fassung des „Life Regard Index revised“ („LRI-r“; Battista & Almond, 1973; Revision durch Debats, 1998) an einer größeren Stichprobe validiert. Der LRI-r ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen konzipiert als 2-dimensionales Instrument und soll im Konstrukt der „positiven Lebensschau“, nach Battista & Almond (1973) definitionsgleich mit persönlichem Lebenssinn, die Bereiche Sinnrahmen („framework“ FR) und Erfüllung („fulfillment“ FU) mit jeweils 14 Items (die wiederum zur Hälfte positiv oder negativ formuliert sind) auf einer 3-stufigen Skala abdecken. Von den 283 in die Studie eingeschlossenen Probanden sind zum Untersuchungszeitpunkt 195 in ärztlicher Behandlung. Die insgesamt 168 Frauen und 115 Männer sind durchschnittlich 46,78 Jahre alt (Spanne 18-84 Jahre). Die Mittelwerte (65,05 für den Index, 34,69 für FR, 30,36 für FU) liegen ebenso wie deren Standardabweichung (12,9 für den Index, 6,6 für FR, 7,0 für FU) im Rahmen von Voruntersuchern. Allerdings müssen wegen des linksschiefen Abweichens von einer Normalverteilung (Index und FR mehr als FU) nonparametrische statistische Methoden zur weiteren Analyse bevorzugt werden. Der LRI-r bestätigt in der deutschen Version Vorbefunde zur guten inneren Konsistenz (Cronbachs Alpha .934 für den Index, .892 für FR, .874 für FU) und Retestreliabilität (rtt =.87 für den Index, .83 für FR, .85 für FU). Die sehr gute Übereinstimmung mit einem anderen Test zum Lebenssinn (SOC-9) bestätigt die vorbeschriebene Konstruktvalidität des Instrumentes. Es finden sich wie bei Untersuchungen in anderen Sprachen Korrelationen in erwarteter Richtung und Stärke mit Maßen zum psychischen und körperlichen Befinden (SF-12, SCL-90-R Somatisierung), zu Depression (HADS-Depression) und zu Angst (HADS-Angst) sowie zu einer Reihe soziodemographischer Daten (Geschlecht, Ausbildung, Zivilstand, berufliche Situation, Religionszugehörigkeit, Wohnortgröße). Patienten erzielen deutlich niedrigere Punktzahlen im LRI-r als Nichtpatienten. Nur in der Patientengruppe erleben ältere Menschen mehr Lebenssinn. Die Faktorenanalyse (PCA, PAF) bestätigt Ergebnisse aus anderen Arbeiten: die Items laden nicht konsistent in erwünschter Weise wie nach der Subskalierung vorgesehen. Der deutliche Einfluss der Polung der Items in negative oder positive Formulierung auf die Faktorisierung und möglicherweise auch auf die innere Konsistenz des Tests wird erstmals beschrieben. Einzelne Items werden genauer beleuchtet, wodurch Schwächen in den Formulierungen deutlich werden. Die Diskussion der Ergebnisse erfolgt vor dem Hintergrund einer zuvor erarbeiteten Definition des zu untersuchenden Konstrukts Lebenssinn. Die Darstellung der Grenzen dieser Untersuchung berücksichtigt Besonderheiten des Instruments LRI-r und der Stichprobe. Die Empfehlung für die weitere Verwendung des LRI-r in der deutschen Version als eindimensionales Instrument zur Erfassung von Lebenssinnerleben wird gegeben. Schließlich werden aus dieser Arbeit folgende weiterführende Forschungsziele betreffend des Einsatzes einer 5-Punkt-Skala des Tests, der Integration des Tests in gemischt qualitativ-quantitativen Studien zum Lebenssinn, des Zusammenhangs zwischen Lebenssinn und Alter sowie Gesundheit, der genetischen Disposition sowie weitere klinische Nutzungsmöglichkeiten benannt.