Der klinische Phänotyp bei familiärer Multipler Sklerose

Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die klinisch als auch pathologisch eine große Heterogenität aufweist. Deutschland gehört mit einer Prävalenz von 60/100.000 Einwohnern zu den Hochrisikoländern. Bei 15 % der Betroffenen liegt eine familiäre Form der Erkrankung vo...

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Main Author: Korsukewitz, Catharina Renate
Contributors: Sommer, Norbert (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Nervenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die klinisch als auch pathologisch eine große Heterogenität aufweist. Deutschland gehört mit einer Prävalenz von 60/100.000 Einwohnern zu den Hochrisikoländern. Bei 15 % der Betroffenen liegt eine familiäre Form der Erkrankung vor. Klinisch lassen sich unterschiedliche Verlaufsformen (schubförmig, sekundär-progredient, primär-progredient) unterscheiden. In verschiedenen Populationen und bei verschiedenen Verlaufsformen zeigt die Krankheit unterschiedliche Symptome. Ebenso ist das Erkrankungsalter von der Verlaufsform abhängig, und die Progression der Erkrankung ist heterogen. Pathologisch lassen sich unterschiedliche Entzündungsmuster mit unterschiedlicher Beteiligung von Immunzellen und humoraler Immunabwehr nachweisen. Die Ätiologie der Erkrankung ist bislang ungeklärt. Familiäre Formen als auch die geographische Risikoverteilung haben zu einer Akzeptanz einer genetischen Suszeptibilität geführt. Welche Umweltfaktoren als Auslöser der autoimmunitären Reaktion dienen, ist bislang unbekannt. Genetische Untersuchungen konnten bislang - außer einer eindeutigen Beteiligung des HLA-Systems - keine reproduzierbar relevanten Genloci für die Entstehung der MS finden. Vor diesem Hintergrund sollte die Untersuchung eine genaue klinische Charakterisierung von Patienten mit familiärer MS in Deutschland und so eine Möglichkeit der klinischen Differenzierung bieten. Wir untersuchten 156 Patienten (98 Geschwister) mit familiärer MS, die über die Universitätsklinik Marburg, Rehabilitationskliniken und neurologische Praxen rekrutiert wurden. Den Geschwistern wurde eine nach Alter, Verlaufsform, Geschlecht und Dauer der Erkrankung angepasste Kontrollgruppe zugeordnet. Darüber hinaus wurde allen Patienten mit familiärer MS eine Kontrollgruppe aus 284 Patienten mit sporadischer MS der MS-Ambulanz des Universitätsklinikums Marburg zugeordnet. Die Endpunkte waren die Progression des Behinderungsgrades, das Alter bei Erkrankungsbeginn und das Erstsymptom. Die Progression der Erkrankung wurde mit der Telefon-Version des EDSS nach Lechner-Scott und dem daraus berechneten Progressionsindex (PI = EDSS/Dauer der Erkrankung) erhoben. Diese wurde zuvor von uns in einer doppelt-blinden Untersuchung an 52 Patienten der neurologischen MSAmbulanz validiert. Das Alter bei Erkrankungsbeginn und die Erstsymptomatik wurden anamnestisch und mit Hilfe der Krankenakten erhoben. Die Patienten mit familiärer MS zeigten ein stärkeres Absinken des PI mit der Dauer der Erkrankung als diejenigen mit sporadischer MS. Bei den Erstsymptomen traten bei familiärer MS signifikant häufiger Hirnstammsymptome auf als bei sporadischer MS. Der EDSS, der PI und das Alter bei Erkrankungsbeginn unterschieden sich jedoch nicht signifikant voneinander. Die Geschwisterpaare waren für das Alter bei Erkrankungsbeginn und den PI konkordant. Die Ergebnisse zeigen, dass der klinische Phänotyp bei familiärer und sporadischer MS gewisse Unterschiede aufweist. Dieses Ergebnis sollte Anlass sein, eine prospektive Untersuchung mit Erhebung klinischer Daten durchzuführen, die eine Bildung von Subgruppen zur genetischen Analyse ermöglicht.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0631