Palliative Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom mit prolongierten Hochdosis 5-Fluorouracil /Folinsäure-Protokollen unter besonderer Berücksichtigung des Toxizitätsprofils von Natriumfolinat als 24h Mischinfusion mit 5-FU im Vergleich zur sequenziellen Applikation von Calciumfolinat (2h) und 5-FU (24h).

In der vorliegenden Studie wurden die Daten einer palliativen Hochdosischemotherapie mit 5-Fluorouracil und Folsäure in Form von Natriumfolinat respektive Calciumfolinat bei 100 konsekutiv behandelten, nicht selektierten Patienten mit weit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom untersucht. Es wurde...

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Bibliographic Details
Main Author: Spychalski, Nicole
Contributors: Köppler, Hubert ( Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Innere Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der vorliegenden Studie wurden die Daten einer palliativen Hochdosischemotherapie mit 5-Fluorouracil und Folsäure in Form von Natriumfolinat respektive Calciumfolinat bei 100 konsekutiv behandelten, nicht selektierten Patienten mit weit fortgeschrittenem kolorektalem Karzinom untersucht. Es wurde die Frage gestellt nach der gleichwertigen Anwendbarkeit von Natriumfolinat im Vergleich zu Calciumfolinat. Die Betreuung der Patienten erfolgte in einer onkologischen Schwerpunktpraxis. Die Therapie wurde bei allen Patienten komplett ambulant durchgeführt. Die Therapieergebnisse wurden verglichen mit Literaturdaten vor der Fragestellung, in wie fern sich die Therapiedaten eines nicht selektierten Patientenkollektivs aus der täglichen Praxis in prospektiv durchgeführter klinischer Studien wiederspiegeln. 5-Fluorouracil und Natriumfolinat wurden simultan über 24 Stunden appliziert, womit man dem ursprünglich von Ardalan et al. im Jahre 1991 beschriebenen Therapieregime einer 24 Stundenapplikation von 5-Fluorouracil und Folinsäure nahe gekommen ist (3). Im Vergleich dazu erfolgte die sequenzielle Applikation von Calciumfolinat als 2-h- Kurzinfusion und 5-Fluorouracil als 24-h-Infusion nach dem AIO-Schema bzw. modifizierten Ardalan-Schema auf Grund der Inkompatibilität von Calciumfolinat und 5-Fluorouracil bei simultaner Infusion. Insgesamt erfolgten 607 Applikationen von 5-Fluorouracil und Natriumfolinat. In keinem Fall kam es zu einer Okklusion des Kathetersystems durch Ausfällung von Salzen wie unter der Anwendung von Calciumfolinat beschrieben. So konnte davon ausgegangen werden, dass die beiden Medikamente 5-FU und Natriumfolinat zur simultane Applikation kompatibel sind. Dies entspricht den Ergebnissen von Hartung et al. . Im Vergleich der Therapiegruppen zeigten sich unter Natrium- und Calciumfolinat ähnliche Nebenwirkungsprofile. Insgesamt waren die Toxizitäten mild. Häufigste Toxizitäten waren in beiden Gruppen die Diarrhoe, Übelkeit/Erbrechen, Mukositis und das Hand-Fuß-Syndrom. Schwerwiegende Toxizitäten waren in beiden Gruppen vergleichbar selten. Aufgefallen war unter Natriumfolinat eine Arrhythmie WHO Grad III. Hartung et al. beschrieb ebenfalls in 2 Fällen kardiale Komplikationen. Auf Grund weiter Einschlusskriterien wurde hier ein sehr inhomogenes Patientenkollektiv betrachtet, das nur sehr bedingt mit herkömmlichen Studiendaten vergleichbar war. Dennoch wurden bei sehr guten Ansprechraten (Na-FA: 44 %, Ca-FA 25 %) gute Behandlungsergebnisse mit einer medianen progressionsfreien Zeit unter Natriumfolinat von 7 Monaten und unter Calciumfolinat von 5 Monaten ermittelt. Diese Daten sind vergleichbar mit Ergebnissen aus herkömmlichen Studien. Das mediane Überleben des Gesamtpatientenkollektivs seit Beginn der palliativen Tumortherapie betrug 21 Monate. Im Vergleich mit Literaturdaten stellte dies ein sehr gutes Ergebnis dar. Das mediane Überleben der first line mit Calciumfolinat behandelten Patienten betrug 14 Monate, was ein den Literaturdaten entsprechendes Ergebnis darstellt. Über das mediane Überleben der first line mit Natriumfolinat behandelten Patienten konnte bei einem zu kurzen Beobachtungszeitraum keine abschließende Aussage getroffen werden. Ein wichtiger Aspekt in der palliativen Chemotherapie ist der Erhalt der Lebensqualität der Patienten. Hierbei war die ambulante Durchführbarkeit einer Therapie sehr wichtig, die unter dem Einsatz von Natriumfolinat uneingeschränkt möglich war. Vorteilhaft konnte sogar die Verweildauer des Patienten in der Praxis verkürzt werden. Das Wegfallen des 2-stündigen Praxisaufenthalts zur Applikation von Calciumfolinat war aus Sicht des Patienten als ein Zugewinn an Lebensqualität zu werten. Für die behandelnde Praxis bedeutet die kürzere Inanspruchnahme des Therapieplatzes eine Kostenersparnis und damit eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit. Die vorliegende Arbeit bestätigt die Daten von Hartung et al. . Der Einsatz von Natriumfolinat erbrachte ähnliche Häufigkeiten und Schweregrade von Toxizitäten wie unter Calciumfolinat bei äquieffektiven Verlaufsdaten sowohl im internen Vergleich der Therapiegruppen als auch im Vergleich mit Daten herkömmlicher Studien. Als klarer Vorteil von Natriumfolinat war die Zeitersparnis auf Grund der fehlenden 2-stündigen Vorlaufzeit wie bei Calciumfolinat zu werten, was für den Patienten einen Zugewinn an Lebensqualität und die Therapieeinheit eine Kosteinsparung erbrachte. Somit ist der Einsatz von Natriumfolinat in der Hochdosistherapie mit 5-FU beim fortgeschrittenen kolorektalen Karzinom zu befürworten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0425