Lebensqualität bei psychisch kranken und gesunden Kindern und Jugendlichen - Ergebnisse einer kontrollierten Vergleichsuntersuchung

Die vorliegende Arbeit ist der Frage nachgegangen, ob sich die Lebensqualität von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren von der Lebensqualität gesunder Kinder und Jugendlicher unterscheidet. Dabei interessierte auch, ob Kinder mit internalen (= überwiegend ängstlich-dep...

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Main Author: Kramer, Wulf Helge
Contributors: Mattejat, F. (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Medizinische Psychologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die vorliegende Arbeit ist der Frage nachgegangen, ob sich die Lebensqualität von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren von der Lebensqualität gesunder Kinder und Jugendlicher unterscheidet. Dabei interessierte auch, ob Kinder mit internalen (= überwiegend ängstlich-depressive Syndrome) oder externalen Störungen (= überwiegend aggressiv-ausagierende Syndrome) im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen Einschränkungen ihrer Lebensqualität zeigen. Dazu wurden mit einem aus dem ILK (=Inventar zur Erfassung der Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen; Mattejat et al., 1998) entwickelten Telefoninterview Angaben von 1008 Eltern aus sieben Lebensbereichen gewonnen und mit bereits vorhandenen Daten einer klinischen Studie (=Multizenterstudie, Mattejat et al., 1998) verglichen. Um Verzerrungen zwischen den beiden Studien auszuschließen, wurden beide Stichproben bezüglich Alter, Geschlecht und Schulform parallelisiert (353 Vergleichspaare). Dabei zeigen sich in allen Lebensbereichen signifikante Unterschiede zwischen psychisch kranken und gesunden Kindern und Jugendlichen. Die deutlichsten Unterschiede liegen bei der Gesamteinschätzung vor, gefolgt von den Bereichen der psychischen Gesundheit, dem familiären, schulischen Bereich und beim Kontakt zu anderen Kindern. Wenn man die Gruppe der internal gestörten Kinder mit gesunden Kindern vergleicht, zeigen sich ebenfalls bei allen ILK-Items signifikante Unterschiede. Die deutlichsten Unterschiede liegen hier bei der Gesamteinschätzung, der psychischen Gesundheit und beim sozialen Kontakt zu anderen Kindern. Bei den external gestörten Kindern zeigen sich beim Vergleich mit psychisch gesunden Kindern ebenfalls signifikante Unterschiede in allen Lebensbereichen. Vor allem die Gesamteinschätzung, die psychische Gesundheit und der schulische bzw. der familiäre Bereich werden deutlich schlechter bewertet als bei den gesunden Gleichaltrigen. Unsere Ergebnisse für den Vergleich psychisch krank vs. gesund entsprechen den wenigen bereits vorhandenen Untersuchungen aus der wissenschaftlichen Literatur. Auch bezüglich der Untergruppen von internal bzw. external gestörten Kindern entsprechen unsere Ergebnisse weitgehend den Studienergebnissen aus der wissenschaftlichen Literatur, wobei bei den internal Erkrankten der familiäre Bereich, bei den external Erkrankten zusätzlich den sozialen Kontakt zu anderen Kindern als problematisch eingestuft werden. Die gefundenen Unterschiede zeigen sehr deutlich, dass die psychisch kranken Kinder nicht nur Einschränkungen aufweisen, die unmittelbar mit ihrer Symptomatik verbunden sind, sondern das sich in allen erfassten Lebensbereichen Einschränkungen darstellen. Eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung sollte sich deshalb nicht nur auf die Symptomatik, sondern auf alle Lebensbereiche beziehen. Hierzu ist im Vorfeld eine entsprechende Diagnostik durchzuführen. Bei der Behandlungsplanung sollte jeweils berücksichtigt werden, welche Lebensbereiche beeinträchtigt sind, um ein Behandlungskonzept zu entwickeln, das optimal auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0382