Eine Untersuchung zur Validität des Transtheoretischen Modells im Bereich sportlicher Aktivität

Aktuelle Daten zur Bewegungssituation der deutschen Erwachsenenbevölkerung zeigen, dass eine Diskrepanz herrscht zwischen der hohen Akzeptanz von sportlicher Aktivität als Quelle von Gesundheit und dem Anteil der Bevölkerung, der sich tatsächlich regelmäßig körperlich bewegt. Ziel der Studie war es...

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Main Author: Marc, Angelika
Contributors: Basler, Heinz-Dieter (Prof. Dr. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Medizinische Psychologie
Subjects:
TTM
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Aktuelle Daten zur Bewegungssituation der deutschen Erwachsenenbevölkerung zeigen, dass eine Diskrepanz herrscht zwischen der hohen Akzeptanz von sportlicher Aktivität als Quelle von Gesundheit und dem Anteil der Bevölkerung, der sich tatsächlich regelmäßig körperlich bewegt. Ziel der Studie war es die Motivation zu körperlicher Aktivität unter Menschen im mittleren Erwachsenenalter zu dokumentieren. Dazu wurden Daten von insgesamt 251 männlichen (49,8%) und weiblichen (50,2%) Personen gewonnen, die im Jahr 2001 in einer Querschnittserhebung einen vom Institut für Medizinische Psychologie der Philipps-Universität Marburg entwickelten Fragebogen ausfüllten, der auf dem Transtheoretischen Modell nach Prochaska basiert. Dieses Modell erhebt den Anspruch verschiedene psychologische Konzepte zur Verhaltensänderung, die früher als inkompatibel galten, mittels des Konstruktes des Stages of Change zu integrieren. Es setzt sich aus den Kernvariablen Stufen und Strategien der Verhaltensänderung, Entscheidungsbalance und Selbstwirksamkeit zusammen. Die Stufen repräsentieren die motivationale und zeitliche Struktur des Modells und die übrigen Konstrukte stehen in einem systematischen Verhältnis zu diesen. Es wurden Hypothesen bezüglich der Zusammenhänge der Variablen untereinander überprüft mit dem Ziel die Validität des TTM im Bereich Bewegung zu bestätigen. Weitere Fragestellungen befassten sich mit dem habituellen Wohlbefinden und dem subjektiv empfundenen Gesundheitszustand und deren eventueller Korrelationen mit den fünf Stufen des TTM. Bei der Verteilung der Studienteilnehmer auf die fünf motivationalen Stufen fällt auf, dass der Anteil der sportlich Aktiven mit über 50 % deutlich höher liegt als in der Literatur für die deutsche Allgemeinbevölkerung angegeben. Die Auswertung der Daten erfolgte mit Hilfe varianzanalytischer Methoden und ergab für den Bereich Gütekriterien zufriedenstellende Ergebnisse für alle verwendeten Messinstrumente. Auch die Faktorenanalysen bestätigten in weiten Teilen die postulierten Dimensionen. Lediglich die Existenz von zehn Strategien der Verhaltensänderung konnte für den Bereich Bewegung in dieser Arbeit nicht verifiziert werden und wurde durch ein 7-Faktorlösung ersetzt. Dies lässt die Interpretation zu, dass in diesem Verhaltensbereich die Anzahl der verwendeten Strategien geringer ausfällt als in anderen Bereichen, wie beispielsweise der Raucherentwöhnung. Die Ergebnisse zu den Hauptannahmen des TTM zeigten, das sich Personen der einzelnen Stufen in den psychologischen Kernvariablen des Modells unterscheiden. Personen in den Stufen der Handlung und Aufrechterhaltung weisen erwartungsgemäß in nahezu allen Variablen signifikant andere Werte auf als Personen der nicht verhaltensorientierten Stufen. Der Verlauf der Strategien der Verhaltensänderung über die fünf Stufen zeigt eine globale Zunahme ihrer Verwendung unabhängig von der Zuordnung zu kognitiv-affektiven oder behavioralen Strategien. Da auch ihre Anzahl faktorenanalytisch nicht bestätigt werden konnte, wirft dies die Frage nach dem Sinn der Unterscheidung in zwei Typen von Strategien im Bereich Bewegung auf. Entgegen den Erwartungen wurden die Analysen zu den Unterschieden im Wohlbefinden in den einzelnen Stufen nicht signifikant, sondern ließen sich nur auf deskriptiver Ebene bestätigen. Hypothesenkonform wird der eigene Gesundheitszustand von aktiven Personen besser eingeschätzt als von Nicht-Aktiven und "Absichtslose" fühlen sich gesünder als Angehörige der Absichtsbildung und Vorbereitung. Diese Ergebnisse demonstrieren, dass die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf die Gesundheit von sportlichen Personen selbst wahrgenommen werden und unterstreichen die von Basler et al. (2001) postulierte Theorie, dass sich die Untersuchungsteilnehmer der zweiten und dritten Stufe in einem Konflikt befinden, der sich entweder direkt auf ihre Gesundheit oder zumindest auf ihre Wahrnehmung derselben auswirkt. Die Ergebnisse werden als Bestätigung für die Validität des TTM im Rahmen des Bewegungsverhaltens aufgefasst. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass das Modell jedem Verhaltensbereich individuell angepasst werden sollte. Für den Bereich Bewegung ergeben sich aus den vorliegenden Ergebnissen der Vorschlag einer Reduktion der Strategien der Verhaltensänderung und die Frage nach dem Sinn von zwei Subtypen dieser Strategien. Weiterhin bleibt die Frage nach der Dimensionalität der Selbstwirksamkeit offen. Als letztes bleiben Verfahrensvorschläge für weitere Forschungsansätze, die auf eine repräsentativere Stufenverteilung und Längsschnittstudien abzielen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0176