Audiometrisches Screening zur Identifikation von Personen mit Zustand nach Lassavirus-Infektion in Guinea, West-Afrika

Lassafieber ist ein in Westafrika fokal endemisch vorkommendes hämorrhagisches Fieber, an dem pro Jahr ca. 150.000 Menschen erkranken. Etwa 29% der Patienten entwickeln während der Rekonvaleszenz eine sensorineurale Schwerhörigkeit, die in 60% der Fälle nicht reversibel ist. Dies übersteigt die Inzi...

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1. Verfasser: Rotter, Paul Florian
Beteiligte: Meulen, Jan ter (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Hygiene u. Med. Mikrobiologie mit Medizinaluntersuchungsamt
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Lassafieber ist ein in Westafrika fokal endemisch vorkommendes hämorrhagisches Fieber, an dem pro Jahr ca. 150.000 Menschen erkranken. Etwa 29% der Patienten entwickeln während der Rekonvaleszenz eine sensorineurale Schwerhörigkeit, die in 60% der Fälle nicht reversibel ist. Dies übersteigt die Inzidenz von sensorineuralen Hörschädigungen nach anderen postnatal erworbenen Infektionen, die in Westafrika ebenfalls weit verbreitet sind. Bisher liegen in einem Niedrigprävalenzgebiet allerdings keine bevölkerungsbezogenen Daten darüber vor, welcher Anteil der sensorineuralen Schwerhörigkeit auf eine Lassavirus-Infektion zurückzuführen ist. Deshalb wurde in einer Kohorte von ansonsten gesunden Schwerhörigen in einem Lassa-endemischen Gebiet der Republik Guinea, Westafrika, die Häufigkeit von immunologischen Labormarkern einer abgelaufenen Lassavirus-Infektion, sowie ihre Korrelation mit dem Schweregrad der sensorineuralen Schwerhörigkeit untersucht. Des Weiteren wurde untersucht, ob der positive Vorhersagewert eines pathologischen Hörtestes ausreichend ist, um Personen mit Zustand nach Lassavirus-Infektion zu identifizieren. Mit einer einfachen audiometrischen Untersuchung wurden in einem Gebiet mit ca. 4% Lassa-Antikörper-Prävalenz insgesamt 65 Personen mit einer Schallempfindungsschwerhörigkeit sowie 49 Kontrollpersonen mit normalem Hörvermögen identifiziert. Mittels indirekter Immunfluoreszenz wurden Lassavirus-spezifische Antikörper und mittels Lymphozyten-Proliferations-Assay eine Lassavirus-spezifische CD4 T-Zell-Antwort gemessen. In insgesamt 17% der Personen mit sensorineuraler Schwerhörigkeit waren Labormarker einer abgelaufenen Lassavirus-Infektion nachweisbar. Die weitere Untersuchung ergab eine statistisch signifikante Korrelation zwischen dem Schweregrad der sensorineuralen Schwerhörigkeit und Lassa-spezifischen Antikörpern (p=0.019) sowie der spezifischen T-Zell-Antwort (p=0.007). Damit ist erstmals gezeigt, dass auch in einem Gebiet mit relativ niedriger Lassavirus-Aktivität diese Infektion für einen erheblichen Anteil an der in der Bevölkerung vorhandenen Schallempfindungsschwerhörigkeit mittleren bis höheren Schweregrades verantwortlich ist. Zudem deuten die Ergebnisse auf eine immunologische Genese der Ertaubung hin. Der positive Vorhersagewert einer audiometrischen Untersuchung ist allerdings zu gering, um Personen mit Zustand nach Lassavirus-Infektion in einem Niedrigprävalenzgebiet zu identifizieren.