Durchflusszytometrische Untersuchung zur Frage der Absorption und Elution von HLA-Klasse I-Antigenen auf Thrombozyten während der Lagerung als gepoolte Thrombozytenkonzentrate

Die Versorgung von HLA immunisierten Patienten mit geeigneten Thrombozyten stellt auch heute noch ein Problem in der Transfusionsmedizin dar. Zwar kann mittlerweile in den meisten Fällen durch die Bereitstellung passender Thrombozytapheresekonzentrate von HLA kompatiblen Einzelspendern ein adäquater...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Heim, Markus
Beteiligte: Zeiler, Thomas (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Versorgung von HLA immunisierten Patienten mit geeigneten Thrombozyten stellt auch heute noch ein Problem in der Transfusionsmedizin dar. Zwar kann mittlerweile in den meisten Fällen durch die Bereitstellung passender Thrombozytapheresekonzentrate von HLA kompatiblen Einzelspendern ein adäquater Transfusionserfolg erreicht werden, nicht immer stehen jedoch geeignete HLA typisierte Spender kurzfristig zur Verfügung. In dieser Situation transfundierte man in der Vergangenheit Thrombozytenkonzentrate, die aus den Vollblutspenden verschiedener, nicht HLA typisierter, Blutspender gewonnen wurden. Begründet in der großen Vielfalt des HLA-Systems besteht dabei die Chance, dem Patienten auch solche Thrombozyten zur Verfügung zu stellen, gegen die er bisher noch keine HLA-Antikörper gebildet hat. Durch die Einführung neuer Her-stellungstechniken werden diese Thrombozytenkonzentrate verschiedener Einzelspender mittlerweile jedoch zu Beginn der Lagerungszeit von maximal 5 Tagen zusammengeführt (gepoolt). Da aufgrund der derzeitigen Studienlage nicht zweifelsfrei zu klären ist, ob (bzw. in welchem Umfang) Thrombozyten HLA-Antigene aus dem Plasma passiv adsorbieren, stellte sich die Frage, ob es im Verlauf der routinemäßigen Lagerung dieser Pool-TK zu einer Adsorption von HLA-Antigenen aus dem Plasma und somit zu einer Angleichung der HLA-Antigene auf den gemeinsam gelagerten Thrombozyten kommt. Eine Inkompatibilität vorher kompatibler Thrombozyten, und damit verbunden, ein geringerer Anstieg der Thrombozytenzahl beim Empfänger des Konzentrats wären die Folge. In der vorliegenden Studie wurde mittels durchflusszytometrischer Bestimmung von HLA-A2-Antigenen auf Thrombozyten eine mögliche Übertragung von HLA-Antigenen während der Lagerung von gepoolten Thrombozytenkonzentraten untersucht. In einem ersten Versuch sollte eine mögliche Anlagerung von HLA-Antigen aus dem Plasma nachgewiesen bzw. widerlegt werden. Dazu wurden in je 10 Ansätzen Thrombozyten von HLA-A2 negativen Spendern durch Zentrifugation pelletiert und nach Entfernung des autologen Plasmas in thrombozytenfreiem Plasma von HLA-A2 positiven Spendern resuspendiert. Diese Aufschwemmungen wurden 5 Tage unter Routinebedingungen für Thrombozytenkonzentrate gelagert. Die Expression von HLA-A2- Antige-nen auf den Thrombozyten wurde im Verlauf der Lagerung durchflusszytometrisch an-hand eines FITC konjugierten Anti-HLA-A2-Antikörpers bestimmt. Verglichen wurde die mittlere Fluoreszenzintensität (MFI) der Anti-HLA-A2 Markierung der Thrombozyten, wobei pro Messgang und Probe die MFI von jeweils 5 000 Ereignissen bestimmt wurde. Als Negativkontrollen dienten das unbehandelte Präparat des HLA-A2 negativen Spenders sowie pelletierte Thrombozyten des HLA-A2 negativen Spenders, die in autologem Plasma resuspendiert wurden. Als Positivkontrolle diente das unbehandelte Präparat des HLA-A2 positiven Spenders. Sowohl im Versuchsansatz, als auch in den Kontrollen war im Verlauf der Lagerung ein Anstieg der Bindung des Anti-HLA-A2-Antikörpers zu verzeichnen. Dieser Anstieg unterschied sich jedoch nicht zwischen Versuchsansatz und Negativkontrollen und ist somit als unspezifisch zu werten.. Eine spezifische Mehranlagerung des Antikörpers als Nachweis einer HLA-Anlagerung aus dem Plasma in den Testansätzen konnte statistisch gesichert ausgeschlossen werden. In einer zweiten Versuchsreihe sollte ein möglicher „Shift“, also die Abschilferung und Übertragung von HLA-Antigen zwischen Thrombozyten im Poolkonzentrat, nachgewiesen bzw. widerlegt werden. Auch hier wurden je 10 Versuchsansätze durchgeführt. Um einen möglichen Shift nachzuweisen, wurden die HLA-A2 negativen Thrombozyten in einer Mischpopulation mit HLA-A2 positiven Thrombozyten gelagert und Veränderungen der MFI der HLA-A2 negativen Thrombozyten im Vergleich zu einer Ne-gativkontrolle (siehe oben) am Durchflusszytometer gemessen. Zusätzlich wurden Isotypkontrollen (Anti-IgG1) zu jedem Messzeitpunkt mitgeführt. Auch eine pH-Wert Bestimmung der Konzentrate am Ende der Lagerungszeit, also nach 5 Tagen, wurde durchgeführt. Die signifikante, aber nicht spezifische Zunahme der Antikörperbindung des HLA-A2-Antikörpers bei allen Konzentraten die HLA-A2 negative Thrombozyten enthielten, zeigte sich auch in Versuch 2. Analog zeigte sich jedoch auch eine parallele, signifikante Mehrbindung des Antikörpers der Isotypkontrolle in allen Ansätzen. Eine spezifische Mehranlagerung bzw. Mehrbindung des HLA-A2-Antikörpers im Testansatz, dem Pool-Präparat, im Vergleich zur Negativkontrolle, gewertet als Shift, konnte statistisch gesichert ausgeschlossen werden. Es darf daraus geschlossen werden, dass das Poolen von TK verschiedener Spender nicht zu einer Veränderung bzw. einer Angleichung der HLA-Antigene auf der Oberflä-che der Thrombozyten während der routinemäßigen Lagerungszeit und unter Routine-Lagerungsbedingungen führt.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2006.0719