Studie über die Einnahme von Weidenrinden-Extrakt, Salicin und Salicortin sowie Synthesen von Salicylsäure-Glycosiden und Salicin-Analoga

Die Anwendung der Weidenrinde als Analgetikum und Antipyretikum geht zurück bis in die Antike. Mit dem Aufleben der modernen Phytotherapie rückte sie wieder in den Fokus wissenschaftlichen Interesses. Die analgetische und antipyretische Wirkung ist wahrscheinlich auf das Phenolglycosid Salicin zurüc...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Buß, Tanja
Beteiligte: Imming, Peter (Prof.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2005
Pharmazeutische Chemie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Anwendung der Weidenrinde als Analgetikum und Antipyretikum geht zurück bis in die Antike. Mit dem Aufleben der modernen Phytotherapie rückte sie wieder in den Fokus wissenschaftlichen Interesses. Die analgetische und antipyretische Wirkung ist wahrscheinlich auf das Phenolglycosid Salicin zurückzuführen. Salicin dient dabei als Prodrug und wird im Körper zur eigentlichen Wirkform Salicylsäure verstoffwechselt. Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Plasmaspiegel an Salicylsäure nach der Einnahme von Weidenrinden-Extrakt und den in der Weidenrinde enthaltenen Phenolglycosiden Salicin und Salicortin als Reinsubstanzen an vier gesunden, freiwilligen Probanden untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass die Einnahme von standardisiertem Weidenrinden-Extrakt im Vergleich zur Einnahme von Salicin als Reinsubstanz keine Nachteile bezüglich der maximalen Plasmakonzentration an Salicylsäure und des AUC-Wertes aufweist. Allerdings flutet die Salicylsäure im Blut nach der Applikation von Salicin als Reinsubstanz bereits nach 1 Stunde an, während die maximale Plasmakonzentration an Salicylsäure nach Einnahme von Weidenrinden-Extrakt erst nach 3,5 Stunden erreicht wird. Die Applikation des Phenolglycosids Salicortin führt zu einer deutlich geringeren Plasmakonzentration an Salicylsäure als die Einnahme von Salicin und Weidenrinden-Extrakt. In der Literatur wird mehrfach über die Wirksamkeit der Weidenrinde bei akutem rheumatischem Fieber (ARF) berichtet. Im Gegensatz zu den chronisch-rheumatischen Erkrankungen handelt es sich bei ARF um eine Zweiterkrankung nach einer Streptokokken-Infektion. Daher wurde die antibakterielle Wirkung von Saligenin, Salicylsäure-Natrium und Gentisinsäure-Natrium gegen ausgewählte Streptokokken-Stämme untersucht. Ein antibakterieller Effekt konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Die Wirksamkeit der Weidenrinde ist daher auf ihre antiphlogistischen und analgetischen Eigenschaften zurückzuführen. Bei der Verstoffwechselung von Salicin im menschlichen Körper ist die Hydrolyse des Glycosids der geschwindigkeitsbegrenzende Schritt. Zur Spaltung der Acetal-Struktur werden bakterielle und intestinale beta-Glucosidasen benötigt, die bei verschiedenen Patienten jeweils unterschiedlich aktiv sein können. Daher wurden im Rahmen dieser Arbeit verschiedene Salicylsäure-Glycoside und Salicin-Analoga synthetisiert, um den Einfluss unterschiedlicher Zucker-Einheiten auf die Hydrolysegeschwindigkeit der Glycoside zu untersuchen. Neben verschiedenen Salicylsäure-Glycosiden konnte beta-Salicin, das Galactose-Analogon von beta-Salicin und alpha-Salicin hergestellt werden. alpha- und beta-Salicin wurden anschließend im künstlichen Magen- und Darmsaft auf ihre Hydrolysestabilität untersucht. Im Rahmen von Untersuchungen über zentrale Angriffsorte von Metaboliten nicht-steroidaler Analgetika in unserem Arbeitskreis wurde außerdem eine Synthese von Salicylsäure-Arachidonsäure-Ester (= Salicylsäurearachidonat) entwickelt.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2006.0224