Interventionelle Methoden in der Endokrinologie: Untersuchungen zur endosonographisch gesteuerten transluminalen Feinnadelpunktion, endoskopischen farbkodierten Duplexsonographie und transiliakalen Knochenbiopsie

Interventionelle Untersuchungsmethoden kommen in der Endokrinologie selten zur Anwendung. Zur Beurteilung der Qualität, Relevanz, Komplikationsrate und Tolerabilität erfolgte die retrospektive Untersuchung endosonographisch gesteuerter transluminaler Feinnadelpunktionen der Nebennieren und anderer p...

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Main Author: Meyer, Silke
Contributors: Kann, Peter Herbert (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2006
Innere Medizin
Subjects:
EUS
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Interventionelle Untersuchungsmethoden kommen in der Endokrinologie selten zur Anwendung. Zur Beurteilung der Qualität, Relevanz, Komplikationsrate und Tolerabilität erfolgte die retrospektive Untersuchung endosonographisch gesteuerter transluminaler Feinnadelpunktionen der Nebennieren und anderer paraintestinaler Organe (a), der endoskopischen Duplexsonographie adrenaler Raumforderungen (b) sowie der transiliakalen Knochenbiopsie bei unklaren metabolischen Osteopathien (c). (a) Die Endosonographie (EUS) ermöglicht die Darstellung paraintestinaler Organe mit der Option einer diagnostischen endosonographisch gesteuerten transluminalen Feinnadelpunktion (EUS-FNA). Ziel war es, die Qualität und Komplikationsrate der EUS-FNA der Nebennieren und anderer paraintestinaler Organe zu evaluieren. Unter Verwendung eines Endosonoskops PENTAX FG 32 UA in Kombination mit einem Aspirationsnadelsystem Typ Hancke-Vilmann wurden 72 mittels EUS-FNA (n=44) gewonnene Präparate von 41 Patienten (Pankreas: n=13; Nebennieren: n=9; Abdomen: n=6; Mediastinum: n=13) hinsichtlich Auswertbarkeit und Kontamination mit Fremdgewebe beurteilt. Die Analyse von 34 Histologien und 38 Zytologien ergab 16 vs. 11 sehr gut/gut, 7 vs. 10 ausreichend, 7 vs. 13 schlecht und 4 vs. 4 nicht auswertbare Präparate. Die Kontamination mit Fremdgewebe war in 4 vs. zwei Präparaten stark, in drei vs. 14 deutlich, in 8 vs. 19 leicht und in 19 vs. drei Fällen nicht nachweisbar. Sehr gut/gut auswertbare Präparate waren signifikant weniger kontaminiert (p=0,037). Benigne waren 35, maligne 24 Befunde. 13 Präparate waren unter dem Aspekt der Dignität nicht klassifizierbar. In einem Fall zu einer asymptomatischen, selbstlimitierenden Einblutung im Zielgewebe. Die Auswertbarkeit war bei 64 von 72 Präparaten (89%) möglich. Eine unzureichende diagnostische Aussagekraft war mit einer Kontamination durch Fremdgewebe assoziiert. Die EUS-FNA erweitert die diagnostischen Möglichkeiten von außen schwer zugänglicher Organe insbesondere auch bei endokrinologischen Fragestellungen. (b) Die Klassifizierung adrenaler Tumoren mittels endosonographischer Darstellung gilt als schwierig. Ziel war es, Perfusionsmuster adrenaler Raumforderungen duplexsonographisch darzustellen und diese semiquantitativ im Vergleich zum umgebenden Parenchym zu klassifizieren. Die Durchführung erfolgte mit einem Endosonoskop Pentax FG 32 UA in Kombination mit einem Hitachi EUS 525 Ultraschallgerät. Die Perfusionsmuster von 46 später histologisch verifizierten Raumforderungen (Adenome: n=20; noduläre Hyperplasien: n=11; Phäochromozytome: n=15) von 38 Patienten wurden als nicht (n=24), leicht (n=12), mäßig (n=4) sowie stark (n=6) hypervaskularisiert beurteilt. Phäochromozytome wiesen im Vergleich zu Adenomen (p=0,003) sowie nodulären Hyperplasien (p=0,047) einen signifikant höheren Perfusionsgrad auf, wobei die Perfusionsmuster nicht abhängig von Echogenität, Echostruktur, Dignität oder Tumorgröße waren. Die endoskopische Duplexsonographie scheint eine zusätzliche Möglichkeit in der endosonographischen Differenzierung adrenaler Raumforderungen und hierbei insbesondere in der Detektion von Phäochromozytomen darzustellen. Eine große Varianz der Perfusionsmuster läßt jedoch eine Klassifizierung allein mittels endosonographischer Kriterien nicht zu. (c) Die Methode der transiliakalen Knochenbiopsie wird bezüglich ihrer Relevanz in der Diagnostik metabolischer Osteopathien kontrovers diskutiert. Ziel war es, ihre klinische Rolle einschließlich Tolerabilität und Komplikationsrate zu beurteilen. 99 transiliakale Knochenbiopsien in 14 Jahren entsprechen einer Anwendung bei 0,003% der das osteologische Zentrum in diesem Zeitraum frequentierenden Patienten. Indikationen beinhalteten die männliche Osteoporose (n=63), die unklare prämenopausale Osteoporose (n=18) ohne endokrinologische Funktionsstörung, V.a. eine systemische oder maligne Genese (n=16) sowie abnehmende Knochendichte unter spezifischer Osteoporosetherapie (n=2). Die Knochenbiopsie führte bei 82 von 99 Patienten zu einer Veränderung der medikamentösen Therapie. 16 Patienten erhielten aufgrund ihres histologischen Befundes keine weitere osteoporose-spezifische Therapie. In sechs Fällen ergab sich die Indikation zur Durchführung weiterführender Diagnostik. Die Komplikationsrate war gering bei mittels eines Fragebogens evaluierter guter Tolerabilität. Die transiliakale Knochenbiopsie bleibt im Rahmen der Differenzierung metabolischer Knochenerkrankungen eine für ein ausgewähltes Patientenkollektiv relevante diagnostische Methode. Die hier dargestellten interventionellen Untersuchungsmethoden liefern bei ausgewählten Fragestellungen trotz der Zunahme nicht-invasiver Verfahren häufig entscheidende differentialdiagnostische Informationen für die therapeutische Vorgehensweise.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2006.0181