Autökologische Studien an der Steinfliege Nemurella pictetii (Plecoptera: Nemouridae)

Die gemäßigten Zonen der Erde sind durch saisonale Schwankungen des Klimas gekennzeichnet. Dort vorkommende Organismen müssen sich diesen Bedingungen angepasst haben. Sie zeigen plastische Reaktionen bei wechselnden Umweltbedingungen, die sich beispielsweise in unterschiedlichen Entwicklungsgeschwin...

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Bibliographic Details
Main Author: Lieske, Reimo
Contributors: Zwick, Peter (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2005
Biologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die gemäßigten Zonen der Erde sind durch saisonale Schwankungen des Klimas gekennzeichnet. Dort vorkommende Organismen müssen sich diesen Bedingungen angepasst haben. Sie zeigen plastische Reaktionen bei wechselnden Umweltbedingungen, die sich beispielsweise in unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten und damit in unterschiedlich langen Lebenszyklen äußern können. Eine Art mit einem hoch variablen Lebenszyklus ist die Steinfliege Nemurella pictetii. Nicht nur zwischen Fundorten innerhalb ihres großen Verbreitungsgebiets, sondern auch an einem Fundort können die Lebenszyklen zwischen einzelnen Individuen stark differieren. Ziel der Arbeit war es, mögliche Ursachen dieser Variabilität aufzuzeigen. Hierzu wurde die Entwicklungsgeschwindigkeit der Larven dieser Art bei unterschiedlichen Umweltbedingungen mit Hilfe von Laborversuchen analysiert. Besondere Beachtung erfuhren die Faktoren Temperatur, Photoperiodik, Nahrungsqualität und intraspezifische Konkurrenz. Die Experimente zeigten, dass alle untersuchten Umweltfaktoren einen Einfluss auf die Entwicklungsgeschwindigkeit besitzen. Sie können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken oder abschwächen. Den größten Einfluss übt die Temperatur aus. Steigende Temperaturen führen zu einer beschleunigten Entwicklung. Eine opportunistische Ernährungsweise erlaubt es N. pictetii, vielfältige Nahrungsressourcen zu nutzen. Bei Verfügbarkeit hochwertiger Nahrung wird die Entwicklung beschleunigt. In Kombination mit intraspezifischen Konkurrenzsituationen kann es zur Aufspaltung der Larvenpopulation in mehrere Kohorten kommen. Die Reaktion der Larven auf die Photoperiodik ist von der Temperatur abhängig. Unter kurzen Tageslängen wird in Kombination mit hohen Temperaturen die Entwicklungsgeschwindigkeit gesteigert. Kurze Tageslängen und niedrige Temperaturen verzögern dagegen die Entwicklung. Dadurch können sich die Entwicklungsunterschiede zwischen einzelnen Kohorten weiter verstärken. Zusammenfassend betrachtet, zeichnet sich N. pictetii durch ihre generalistische Lebensweise, verbunden mit einer hohen Plastizität in ihrer Entwicklungsgeschwindigkeit aus. Dies ermöglicht ihr, auf wechselnde Umweltbedingungen schnell und flexibel reagieren zu können. Dadurch ist sie nicht nur in der Lage, große Teile Europas zu besiedeln, sondern auch die Zahl der Generationen pro Jahr den jeweiligen Umweltbedingungen anzupassen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2005.0118