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Titel: Mechanisms of Fatigue in Everyday Life
Autor: Dörr, Johanna M.
Weitere Beteiligte: Nater, Urs M. (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2016
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2016/0363
DOI: https://doi.org/10.17192/z2016.0363
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2016-03630
DDC: 150 Psychologie
Titel(trans.): Mechanismen von Erschöpfung im Alltag

Dokument

Schlagwörter:
Erschöpfung, Neuroendokrines System, Vegetatives Nervensystem, Alltag, Stress, Ambulantes Assessment, Fatigue, Stress, HPA axis, Autonomic Nervous System, Ambulatory Assessment

Summary:
Es handelt sich bei dem Dokument um eine kumulative Dissertation, die einen Übersichtsartikel und drei empirische Studien umfasst. In Form des Übersichtsartikels wurde zunächst ein Überblick über die prominentesten Beispiele von Definitionen von Erschöpfungssyndromen (Neurasthenie, das chronische Erschöpfungssyndrom und Burnout) erstellt (Doerr & Nater, 2013). Außerdem wurde in diesem Artikel die Abgrenzung der Syndrome zu Depression diskutiert. Der Übersichtsartikel schlussfolgert, dass Erschöpfungs-Syndrome in der Tat in ihren Kriterien stark überlappend und daher nicht sinnvoll voneinander abzugrenzen sind. Vor allem sollte Wert auf eine gründliche Ausschluss-Diagnostik gelegt und die Funktionalität der Begriffe reflektiert werden, bevor sie Verwendung finden. Es scheint von besonderer Bedeutung, herauszufinden, wie das Symptom Erschöpfung entsteht und welche Mechanismen zu klinisch bedeutsamer, medizinisch unerklärter Erschöpfung führen. Ein solcher Mechanismus könnte „Stress“ sein. Als wichtigste Stress-responsive biologische Systeme gelten die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) sowie das Autonome Nervensystem (ANS). Ziel der empirischen Untersuchungen war es, den Zusammenhang zwischen Stress und Erschöpfung sowie interagierenden Faktoren auf biologischer Ebene (Aktivität der HHNA und des ANS), subjektiver Erlebens-Ebene (Schlafqualität), sozialer Ebene (Partner), sowie behavioraler Ebene (körperliche Aktivität) im Alltag zu untersuchen. Hierfür wurden Studien in Ambulanten Assessment-Designs (Erhebungen von Daten im Alltag von Personen) durchgeführt, um eine direkte Überführbarkeit der Ergebnisse auf Alltags-Situationen zu gewährleisten. In allen Studien wurden die subjektiven Angaben der Probanden zu mehreren Messzeitpunkten täglich über mehrere Tage hinweg jeweils mit Hilfe von Eingaben in iPod touchs® erfasst. Biologische Parameter wurden mit Hilfe von Speichelproben ermittelt, die zu den gleichen Messzeitpunkten gesammelt wurden, und aus denen Cortisol als Marker der HHNA-Aktivität und Alpha-Amylase als Marker der ANS-Aktivität extrahiert wurden. Die erste Studie überprüfte die mögliche Reziprozität von Stress und Erschöpfung sowie die Mediation des Zusammenhangs von Stress und Erschöpfung durch Schlafqualität oder HHNA- und ANS-Aktivität. Die Erhebung fand in einer Studierenden-Stichprobe in zwei unterschiedlichen Phasen (zu Beginn des Semesters sowie in der Prüfungsvorbereitung) statt. Die Reziprozität von Stress und Erschöpfung sowie die Mediation des Zusammenhangs von Stress am Vortag und Erschöpfung am nächsten Tag über Einschränkungen in der Schlafqualität bestätigten sich. Es fanden sich keine Hinweise auf eine Mediation des Zusammenhangs von Stress und Erschöpfung über die Aktivität der HHNA oder des ANS. In der zweiten Studie wurde in einer Stichprobe aus Paaren (Doerr, Nater, Spoerri, Ehlert, & Ditzen, ready to be submitted) die Annahme überprüft, dass sich die alltägliche Erschöpfung abhängig von Einflüssen des Partners zeigt. So wurde von den Paaren eine geringere Erschöpfung angegeben, je positiver die Interaktion mit dem Partner eingeschätzt wurde. Weiterhin konnte die Annahme, dass Erschöpfung, Stress, und der Ausstoß von Cortisol bei Paaren co-reguliert sind (also in positiver Abhängigkeit von den jeweiligen momentanen Werten des Partners stehen), bestätigt werden. Eine Co-Regulation der Alpha-Amylase-Werte mit denen des Partners zeigte sich nur bei Frauen. Die dritte Studie (Doerr, Fischer, Nater, & Strahler, under review) umfasste eine Stichprobe aus Fibromyalgie-Patientinnen (die neben chronischen Schmerzen auch von klinisch bedeutsamer Erschöpfung betroffen sind). Neben den subjektiven Angaben und den biologischen Werten wurde hier zusätzlich die Bewegungsmessung mit Hilfe von Aktigraphie in die Analysen einbezogen. Es zeigte sich eine Vorhersage täglicher (genereller und körperlicher) Erschöpfung durch die Cortisol-Aufwachreaktion am morgen. Weiterhin hing momentane körperliche Erschöpfung mit erhöhten Cortisol-Werten zusammen. Körperliche Aktivität des Vortags zeigte einen Zusammenhang mit Erschöpfung am Folgetag, der jedoch nicht über Cortisol oder Alpha-Amylase-Werte mediiert wurde. Weiterhin zeigte sich momentane Erschöpfung unabhängig von vorausgehender körperlicher Aktivität. Körperliche Erschöpfung sagte jedoch anschließende körperliche Aktivität negativ vorher. Es sollten sich Studien anschließen, die einen längeren Zeitraum (Monate bis Jahre) umfassen. Bezüglich möglicher Interventions- und Präventionsansätze scheint der Einsatz von Stress-Management-Techniken, inklusive einer Erhöhung der Schlafhygiene, sowie der Einbezug des Partners/ der Partnerin (sofern vorhanden) von herausragender Bedeutung. Weiterhin sollten Interventionen, die auf die Erhöhung von körperlicher Aktivität bei chronisch erschöpften Personen abzielen, diese auf einen möglichen kurzfristigen Anstieg von Erschöpfung psychoedukativ vorbereiten.

Zusammenfassung:
The aim of this thesis was to find out which factors predict and increase fatigue in everyday life with the aim of shedding light on mechanisms relevant for the chronification of fatigue. We expected stress to (prospectively) predict fatigue. Also, we expected fatigue to (prospectively) predict stress because it diminishes subjective coping abilities. Further, we expected hypoactivity of the Hypothalamic Pituitary Adrenal (HPA) axis and hyperactivity of the Autonomic Nervous System (ANS) to be associated with fatigue, and the relationship between stress and fatigue to be mediated by these biological mechanisms. Moreover, sleep quality was expected to mediate the stress-fatigue relationship from one day to the next. Being in a close relationship and physical activity are investigated as important factors directly influencing fatigue, or influencing fatigue mediated by HPA axis and ANS activity. First, in light of the multitude of existing labels and definitions, we decided to review different attempts to define and classify chronic fatigue conditions and their differentiation from depression (Doerr & Nater, 2013). This review helps to grasp the concept of chronic medically unexplained fatigue and shed light on why difficulties with and conflicts regarding this symptom are present in society. In the first empirical study, we then investigated the influence of stress on fatigue and the mediating capability of HPA axis activity, ANS activity, as well as sleep quality in a student sample. As part of these analyses, we were also interested in whether the stress-fatigue relationship is reciprocal in nature (Doerr et al., 2015). In a second study, relationship-specific influences on fatigue were analyzed using a dyadic ambulatory assessment approach (Doerr, Nater, Spoerri, Ehlert, & Ditzen, ready to be submitted). In a third study, we investigated the association of HPA axis, ANS, and physical activity, with fatigue in a sample of female patients with fibromyalgia syndrome (FMS) (Doerr, Fischer, Nater, & Strahler, under review). The narrative review revealed that current definitions of syndromes that present with medically unexplained fatigue as the major symptom overlap and cannot be clearly differentiated. Nevertheless, each of their labels has a different underlying functionality, and one should be aware of this before applying them. As concluded in this review, research on the symptom of fatigue is warranted, and not necessarily comparisons between healthy subjects and persons suffering from fatigue syndromes (as they lack valid definitions). Summary of results from empirical studies: Stress and fatigue. Stress and fatigue co-varied within persons in the student sample and the FMS sample, but not in the sample of couples. Moreover, we found a prospective reciprocal association between stress and fatigue within days as well as between days in the student sample. Fatigue levels were also heightened in the student sample in the exam condition. HPA axis activity. Neither in the student sample nor in the sample of couples was there a momentary association between cortisol and fatigue. The CAR emerged as a negative predictor of mean daily fatigue in the FMS sample, but was not associated with fatigue levels in the student sample. Furthermore, momentary cortisol levels were positively associated with physical fatigue in the FMS sample. In the student sample, morning cortisol levels were heightened in the exam condition. ANS activity. ANS activity, as measured by sAA, only explained variance in momentary fatigue in the women of the couple sample (negative association). It was not associated with fatigue levels in any of the other studies. It was, however, altered (steeper slope) during exam preparation in the student sample. Sleep quality. Sleep quality was found to be a mediator between mean daily stress levels and mean daily fatigue levels in the student sample. Relationship-specific influences. Fatigue, stress, and HPA axis activity were co-regulated within couples. Furthermore, ANS activity co-varied with that of the partner in women. Positive interaction with the partner was associated with reduced fatigue levels. Physical activity. Objectively measured mean daily physical activity was positively associated with mean same-day stress level and negatively associated with mean next-day fatigue in the FMS sample. However, it was not associated with HPA axis or ANS activity. Studies are now needed that investigate the influence of stress and changes in HPA axis and ANS activity using longer time periods of investigation. The clinical implication that emerges most clearly from our studies is that stress management training can be seen as the most important approach for prevention and treatment of chronic fatigue.


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