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Titel: Lebensqualität bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD): Aspekte und Einflussmöglichkeiten
Autor: Vaske, Isabelle
Weitere Beteiligte: Rief, Winfried (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr: 2016
URI: https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2016/0047
DOI: https://doi.org/10.17192/z2016.0047
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2016-00479
DDC: 150 Psychologie
Titel(trans.): Quality of life in chronic obstructive pulmonary disease (COPD): Aspects and approaches

Dokument

Schlagwörter:
Lebensqualität, Chronische Krankheit, Obstruktive Ventilationsstörung, Bewältigung, End-of-Life Ängste, dyadisches Coping, quality of life, chronic obstructive pulmonary disease, end-of-life fears, coping with disease, dyadic coping

Zusammenfassung:
Als primäres Ziel in der Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) gilt neben der Linderung von Symptomatik und Verlängerung der Lebensdauer vor allem auch die Erhaltung der Lebensqualität. Die COPD ist charakterisiert durch eine progredient verlaufende und nicht reversible Verengung der Atemwege. Über alle Krankheitsstadien hinweg ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Bisherige Studien kommen jedoch übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass es nur einen geringen Zusammenhang zwischen der Lungenfunktion und der Lebensqualität gibt bzw. dass Variablen, die direkt an das medizinische Krankheitsbild angelehnt sind, nicht ausreichend die Lebensqualität vorhersagen. Zusätzlich spielen psychologische Aspekte wie psychische Komorbiditäten, krankheitsspezifische Ängste oder Selbstwirksamkeit eine bedeutende Rolle. Ziel der vorliegenden publikationsbasierten Dissertation war es, verschiedene Aspekte der Lebensqualität im Kontext der COPD zu untersuchen und Einflussmöglichkeiten abzuleiten. Im Kontext chronisch-progredienter körperlicher Erkrankungen spielen neben Angststörungen im Sinne der internationalen Klassifikationssysteme psychischer Störungen weitere Formen der Angst (zum Beispiel krankheitsspezifische Ängste und Ängste bezüglich des Lebensendes, sogenannte End-of-Life Ängste) eine Rolle, die die Lebensqualität der Patienten zusätzlich zur körperlichen Symptomatik beeinträchtigen können. Diese waren Inhalt einer ersten Studie, die die Relevanz von krankheitsspezifischen Ängsten sowie End-of-Life Ängsten bei COPD bestätigte. Es konnte festgestellt werden, dass End-of-Life Ängste unabhängig vom Krankheitsstadium auftreten, jedoch von psychischer Belastung und krankheitsspezifischen Ängsten (insbesondere Progredienzangst und Angst vor sozialer Isolation) vorhergesagt werden können. Eine zweite Studie behandelte den Einfluss von verschiedenen Krankheitsbewältigungsstrategien auf zwei Aspekte der Lebensqualität. Die körperliche Lebensqualität wurde neben Alter und dem Krankheitsstadium vorhersagt von handelndem problemorientiertem Coping, Informationssuche und Erfahrungsaustausch, Bereitschaft zur Annahme von Hilfe und der aktiven Suche nach sozialer Einbindung, wohingegen die psychische Lebensqualität vorhersagt wurde von handelndem problemorientiertem Coping, depressivem Coping und ebenfalls der Suche nach sozialer Einbindung. Da COPD-Patienten oft in einer Partnerschaft leben und diese durch die Erkrankung ebenfalls beeinträchtigt ist, ist neben der individuellen Krankheitsbewältigung auch der Umgang der Erkrankung als Paar (dyadisches Coping) von Bedeutung. Dieser wurde in einer dritten Studie thematisiert. Innerhalb des längsschnittlichen Designs zeigte sich, das die Lebensqualität beider Partner mit dem dyadischen Coping zusammenhängt. Dabei waren insbesondere Stressäußerungen, negatives dyadisches Coping und delegiertes dyadisches Coping von Relevanz. Insgesamt unterstreichen die durchgeführten Studien die Relevanz psychologischer Konzepte im Hinblick auf die Erhaltung der Lebensqualität bei COPD. Zusätzliche Interventionen zur Beeinflussung der Lebensqualität scheinen über alle Stadien der Erkrankung hinweg indiziert. Diesbezügliche mögliche Ansatzpunkte werden diskutiert.

Summary:
In the context of chronic obstructive pulmonary disease (COPD), treatment does not only aim at reducing symptoms and prolonging life expectancy, but also at promoting quality of life. COPD is characterized by a progressive and not-reversible obstruction of airway passages, and quality of life is substantially impaired across all stages of the disease. Previous studies showed a merely small relationship between lung function parameters and quality of life, medical predictors cannot sufficiently predict quality of life. Psychological aspects such as anxiety and depression, disease-specific anxieties or self-efficacy seem to play an additional important role. This publication-based dissertation examined different aspects of quality of life in COPD and identified opportunities to influence it. Besides anxiety disorders in the sense of the international classification systems of mental disorders, further presentations of anxiety (for example disease-specific anxieties and end of life fears) play an important role in the context of chronic progressive physical diseases and may impair quality of life beyond physical symptoms. A first study confirmed the relevance of disease-specific anxieties and end of life fears in the context of COPD. End of life fears occurred independently from disease severity. Mental distress and disease-specific anxieties (fear of progression, fear of social isolation) predicted end of life fears. A second study investigated associations between coping with disease and two aspects of quality of life (physical and mental). Age, disease severity, active problem-focused coping, looking for information, readiness of accepting help and looking for social inclusion predicted physical quality of life, whereas active problem-focused coping, depressive coping and looking for social inclusion predicted mental quality of life. As patients suffering from COPD often live in a partnership, which may also be affected by the disease, dyadic coping is relevant in addition to individual coping with disease. Thus, a third study took dyadic coping as subject. Within a longitudinal design, dyadic coping was associated with both partners’ quality of life. Relevant dyadic coping aspects were stress communication, negative dyadic coping and delegated dyadic coping. Overall, these studies highlight the relevance of psychological concepts in maintaining quality of life in COPD. Interventions aiming at improving quality of life seem to be indicated across all stages of the disease. Potential approaches are discussed.


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