Der Stellenwert von Midazolam als Komponente in einem modernen Sedierungskonzept von postoperativ nachbeatmeten, allgemeinchirurgischen Patienten

Hintergrund. Die in der Intensivmedizin häufig angewendete analgetische und sedative Therapie ist assoziiert mit einer Immobilisation des Patienten, einer erhöhten Morbidität, einer verlängerten Beatmungszeit, einer verlängerten Krankenhausverweildauer und erhöhten Krankheitskosten. Die meisten Sedi...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Pütz, Andreas
Beteiligte: Rolfes, Caroline (PD Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie
Schlagworte:
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Beschreibung
Zusammenfassung:Hintergrund. Die in der Intensivmedizin häufig angewendete analgetische und sedative Therapie ist assoziiert mit einer Immobilisation des Patienten, einer erhöhten Morbidität, einer verlängerten Beatmungszeit, einer verlängerten Krankenhausverweildauer und erhöhten Krankheitskosten. Die meisten Sedierungsprotokolle basieren auf der Verwendung von Benzodiazepinen mit einer mittleren oder langen Halbwertszeit, welche ein zügiges Weaning verhindern. Das Ziel unserer Studie ist, ein alternatives, Benzodiazepin-freies Sedierungsprotokoll zu entwerfen. Material und Methoden. Im Jahr 2008 wurden 134 Patienten mittels eines konventionellen Sedierungsprotokolls unter Verwendung von Benzodiazepinen und Propofol behandelt (Kohorte2008>72+). Im Jahr 2009 haben wir eine neue Sedierungsstrategie eingeführt, welche auf der Verwendung von Sufentanil, nichtsteroidalen Antirheumatika, Neuroleptika und Antidepressiva beruht. Diese wurde an 140 Patienten angewandt (Kohorte2009>72-). Die Phase in tiefer Sedierung, die Dauer der maschinellen Beatmung, sowie die Verweildauer auf Intensivstation und im Krankenhaus wurden retrospektiv analysiert. Die statistischen Berechnungen wurden unter Anwendung des Log-Rank-Tests und des Wald-Chi-Quadrat-Tests auf Signifikanz überprüft. Ergebnisse. Kohorte2008>72+ zeigt im Vergleich zur Kohorte2009>72- sowohl eine längere Phase in tiefer Sedierung (18,7±2,5 Tage vs 12,6±1,85 Tage, p=0,031) als auch eine längere, kontrollierte Beatmungsdauer (311,35±32,69 vs 143,96±20,76 Stunden, p<0,0001). Des Weiteren tendiert Kohorte2008 auch zu einer längeren, insgesamten Beatmungsphase als Kohorte2009 (653,66±98,37 Stunden vs 478,89±68,92 Stunden, p=0,128). Die mittlere Verweildauer auf Intensivstation lag im Jahr 2008 bei 35,30±4,26 Tagen und im Jahr 2009 bei 33,24±2,93 Tagen (n.s.). Die mittlere Krankenhausverweildauer betrug in Kohorte2008 57,0±9,8 Tage und in Kohorte2009 64,3±8,1 Tage (n.s.). Schlussfolgerung. Ein Benzodiazepin-freies Sedierungsprotokoll verkürzt sowohl die Phase der tiefen Sedierung als auch die Dauer der kontrollierten Beatmung. Es werden jedoch größer angelegte Studien benötigt, um zu untersuchen, ob dieses neue Protokoll auch die Beatmungstage insgesamt signifikant reduzieren kann.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0174