Transfer des Fear-Avoidance Modells in die Praxis : Messung von Disability und Generalisierung von Lernerfahrungen im Kontext einer randomisiert-kontrollierten Studie

Basierend auf dem Fear-Avoidance Modell, welches die Chronifizierung von Rückenschmerzen beschreibt, wurde das Verfahren der Graduierten Exposition in vivo auf die Behandlung chronischer Rückenschmerzpatienten1 übertragen. Im Sinne des „tailored treatments“ richtet sich dieser spezifische Behandlung...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Riecke, Jenny
Beteiligte: Glombiewski, Julia A, (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2014
Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Basierend auf dem Fear-Avoidance Modell, welches die Chronifizierung von Rückenschmerzen beschreibt, wurde das Verfahren der Graduierten Exposition in vivo auf die Behandlung chronischer Rückenschmerzpatienten1 übertragen. Im Sinne des „tailored treatments“ richtet sich dieser spezifische Behandlungsansatz an eine Subgruppe chronischer Rückenschmerzpatienten. Sowohl zur Auswahl geeigneter Patienten als auch zur Überprüfung der Effektivität des neuen Therapieansatzes sind adäquate Messinstrumente u.a. zur Erfassung von „disability“ essentiell. Erste Hinweise auf die Effektivität von Graduierter Exposition in vivo bei chronischen Rückenschmerzpatienten liegen vor. Experimentelle Studien stellen jedoch die Generalisierung der Therapieeffekte auf andere Kontexte in Frage. Im Kontext einer randomisiert-kontrollierten Studie zur Überprüfung der Effektivität von Graduierter Exposition in vivo bei der Behandlung chronischer Rückenschmerzpatienten, deren Studiendesign und Intervention in Studie I beschrieben wurde, sollen in der vorliegenden Dissertation zwei Themenschwerpunkte bearbeitet werden. Erstens wurde an einer Stichprobe von N = 180 chronischen Rückenschmerzpatienten eine deutsche Version der weitverbreiteten Quebec Back Pain Disability Scale (QBPDS) entwickelt und auf deren Gütekriterien untersucht (Studie II). Die deutsche Version zeigte gute psychometrische Qualitäten und erwies sich als vergleichbar mit anderen nationalen Versionen der Skala. Die Überprüfung der Faktorstruktur ergab vier zugrunde liegende Faktoren, sodass eine Modifikation der Originalversion vorgeschlagen wurde. Durch die Entwicklung einer validen Version der QBPDS, liegt nun auch im deutschen Sprachraum ein Messinstrument vor, welches vor allem im Kontext von Graduierter Exposition in vivo eingesetzt werden kann. Zweitens wurde an einer Stichprobe von N = 53 chronischen Rückenschmerzpatienten untersucht, ob sich expositions-spezifische Lernerfahrungen auf einen anderen Kontext außerhalb der Therapie übertragen lassen (Studie III). Bei der Konfrontation mit einem neuen Bewegungsstimulus in einem unbekannten Kontext zeigte sich, dass die Schädlichkeitserwartungen bei Patienten, die eine Expositionsbehandlung erhielten, deutlich geringer ausfielen als bei Patienten der Vergleichsgruppen (Verhaltenstherapie, keine Therapie). In Bezug auf Schmerzerwartungen zeigten sich keine Gruppenunterschiede, was darauf hindeutet, dass ein spezifischer Effekt von Exposition in der Veränderung von Schädlichkeitsannahmen liegt. Die vorliegende Arbeit konnte eine valide und reliable deutsche Version der Quebec Back Pain Disability Scale entwickeln, welche die internationale Vergleichbarkeit von Studienergebnissen des RCTs ermöglicht. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass expositions-spezifische Therapieerfahrungen, wie die Reduktion kognitiver Aspekte von Fear-Avoidance, generalisierbar sind und damit auch auf langfristig stabile Therapieeffekte durch Graduierte Exposition in vivo hinweisen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0779