Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose. Literaturübersicht und Analyse des Patientengutes eines Hauses der Maximalversorgung am Beispiel der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie - Plastische Operationen - am Helios Klinikum Erfurt

Im Jahr 2003 erfolgte erstmals die Berichterstattung über den Zusammenhang einer Bisphosphonattherapie und dem Auftreten einer Osteonekrose der Kieferknochen. Seitdem hat sich die Bisphosphonat-assoziierte Osteonekrose des Kiefers zu einer schwerwiegenden und zunehmend bekannten Nebenwirkung der...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Heller, Daniela
Beteiligte: Schäfer, Helmut (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2014
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Im Jahr 2003 erfolgte erstmals die Berichterstattung über den Zusammenhang einer Bisphosphonattherapie und dem Auftreten einer Osteonekrose der Kieferknochen. Seitdem hat sich die Bisphosphonat-assoziierte Osteonekrose des Kiefers zu einer schwerwiegenden und zunehmend bekannten Nebenwirkung der Bisphosphonattherapie im klinischen Alltag entwickelt. Besonders die Gruppe der Patienten mit malignen Grunderkrankungen und intravenöser Therapie mit Aminobisphosphonaten ist hiervon betroffen. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Analyse von Patientendaten mit bekannter BPONJ der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Helios Klinikum Erfurt und der Vergleich dieser Daten mit der Literatur, so dass mögliche Faktoren, die die Entstehung einer BPONJ begünstigen, identifiziert werden. 62 Fälle konnten bezüglich ihrer Grunderkrankungen, die zur Bisphosphonattherapie führten, verschiedener applizierter Bisphosphonate, Nebenerkrankungen, sowie Komedikationen und anderen Einflussfaktoren, wie Ersterkrankung und Folgemanifestation der BPONJ, zahnmedizinischen Vorerkrankungen und anderen potenziellen Risikofaktoren untersucht werden. Es erfolgte die Analyse verschiedener Frühsymptome, diagnostischer Methoden, wie Histologie und unterschiedlicher bildgebender Verfahren. Weiter konnten Therapieformen und die Einteilung der verschiedenen Stadien der BPONJ in Bezug auf das Outcome ausgewertet werden. Die meisten Patienten erhielten eine intravenöse Therapie mit minobisphosphonaten aufgrund einer malignen Grunderkrankung. In Übereinstimmung mit Literaturdaten zeigte sich auch in der vorliegenden Erhebung ein vorangegangener dentoalveolärer Eingriff als wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer BPONJ. Besonderes Augenmerk sollte hier auf Zahnextraktionen gelegt werden, die unter laufender BP-Therapie stattgefunden haben. Weitere Faktoren, die zu einer BPONJ prädisponieren, sind eine Parodontitis marginalis oder apicalis sowie künstlicher Zahnersatz. Hier ist vor allem der Einsatz schlecht sitzender Prothesen gefährdend, ebenso wie eine schlechte Mundhygiene. Anhand der Daten zeigte sich, dass sowohl histologische und radiologische Befunde ebenso wie klinische Erstsymptome unspezifisch sind. In den meisten Fällen konnte die Diagnose aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes gestellt werden. Zusätzlich ist eine ausführliche Anamnese eine unabdingbare Voraussetzung für die Feststellung von Zusammenhängen zwischen Risikofaktoren und BPONJ. Patienten mit einer Bisphosphonattherapie können in 3 Risikogruppen eingeteilt werden. Verbunden mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer BPONJ ist eine intravenöse Bisphosphonattherapie aufgrund einer ossären Metastasierung oder einer multiplen Myelomerkrankung. Ein mittleres Risiko weisen Patienten mit einer intravenösen BP-Therapie auf, denen dieses wegen einer therapieinduzierten Osteoporose appliziert wurde. Ein niedriges Risiko für die Entwicklung einer BPONJ haben Patienten, bei denen das BP aufgrund einer primären Osteoporose indiziert wurde. Auffällig ist, dass eine BPONJ vor allem bei Patienten auftritt, die länger als zwölf Monate eine intravenöse Behandlung mit Zoledronat, Pamidronat oder beiden Wirkstoffen erhalten und eine bösartige Primärerkrankung mit ossärer Metastasierung aufweisen. Übereinstimmend mit anderen Studien konnte festgestellt werden, dass die BPONJ aus einer Interaktion multipler aufeinandertreffender Risikofaktoren resultiert. Ebenso bestätigte sich, dass in den meisten Fällen der Unterkiefer betroffen ist. Seit dem Jahr 2010 liegen in den vorliegenden untersuchten Kollektiv sinkende Vorstellungszahlen von Patienten mit einer BPONJ vor, was auf einen positiven Einfluss prophylaktischer Maßnahmen zurück geführt wird. Dennoch müssen trotz zunehmender Aufklärung weiterhin Patienten mit dem Bild der BPONJ behandelt werden. Dies zeigt, dass weiterer Handlungsbedarf bezüglich Verbesserung von Prophylaxe, Prävention und Behandlung besteht. Die möglichst schonende und vollständige Entfernung des nekrotischen Knochens in Verbindung mit konservativen Maßnahmen weist die besten Ergebnisse auf [82]. Die Genesung von der BPONJ führt in den meisten Fällen zu einer Abnahme der Symptomatik. Im Gegensatz dazu bedingt eine persistierende oder voranschreitende BPONJ nicht zwingend die Zunahme von Symptomen. Ein Therapiewechsel auf ein Medikament mit geringerem Risiko für die Entwicklung einer BPONJ sollte stets als Alternative für Patienten mit maligner Grunderkrankung und BP-Therapie überdacht werden. In zukünftigen Studien sollte geklärt werden, ob eine Unterbrechung der BP-Therapie bei Auftreten einer BPONJ sinnvoll ist und in welchen zeitlichen Abständen eine BP-Applikation aufgrund ihrer pharmakologischen Halbwertszeit von Monaten bis Jahren wirklich notwendig ist. Alle betreffenden Fachrichtungen sollten miteinander kommunizieren, um gemeinsam eine effektive und optimale Langzeitbehandlung für betroffene Patienten zu gewährleisten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0429