Die inverse Schulterendoprothese als alternative Versorgung der komplexen proximalen HumerusfrakturEine vergleichende Untersuchung der primären und sekundären Implantation einer inversen Schulterprothese

Es wurden 30 Patienten nachuntersucht, die im Zeitraum von 01/2008 bis 02/2011 eine inverse Prothese nach traumatischer Indikation in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Marburg erhalten haben. Die Patienten wurden aufgeteilt in eine Gruppe, die di...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Steuer, Stefanie
Beteiligte: Ruchholtz, Steffen (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2013
Operative Medizin
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0731
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
Tags: Tag hinzufügen
Keine Tags, Fügen Sie den ersten Tag hinzu!
Zusammenfassung:Es wurden 30 Patienten nachuntersucht, die im Zeitraum von 01/2008 bis 02/2011 eine inverse Prothese nach traumatischer Indikation in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Marburg erhalten haben. Die Patienten wurden aufgeteilt in eine Gruppe, die die inverse Prothese als primäre Versorgung erhalten hat (19 Patienten) und eine sekundäre Gruppe, die die inverse Prothese nach Versagen einer Osteosynthese oder Versagen der konservativen Therapie erhalten hat (11 Patienten). Ziel der Studie war es die klinischen Ergebnisse dieser Patienten abzubilden und ein Vergleich der beiden Gruppen durchzuführen. Das mittlere Lebensalter des Gesamtkollektivs betrug 76 Jahre. Die Patienten wurden im Schnitt 1,46 Jahre nach Implantation der inversen Prothese nachuntersucht. Das Outcome der Patienten wurde anhand des ASES-, Constant - und Oxford Shoulder Score erhoben, sowie der funktionellen Ergebnisse bei der Elevation und Abduktion und die Schmerzangaben auf der Visuellen Analogskala. Es zeigen sich stets leicht bessere Ergebnisse in der Gruppe der primär implantierten Prothesen. Zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung betrug der durchschnittliche Schmerzwert auf der VAS 1,84 bei primären Einbau und 2,06 bei sekundären Einbau, wobei etwa die Hälfte der primär operierten keinerlei Schmerzen angibt (52,6%) und etwa ein Drittel der sekundär operierten (36,4%). Auch beim ASES- Score zeigt sich ein geringfügig besseres Ergebnis der primären Gruppe (60,8 Punkte versus 57,4). Bei primärem Einbau erreichen die Patienten einen Constant Score von 41, 1 Punkten, bei sekundärem Einbau 33,9 Punkten. Funktionell erreichen die primär operierten Patienten eine Abduktion von 80° und eine Elevation von 83°, die sekundär operierten eine Abduktion von 74° und eine Elevation von 71°. Insgesamt beträgt die Differenz zur gesunden Seite bei der Abduktion und der Elevation jeweils zwischen 60° und 70°. Auch bei dem Oxford Shoulder Score erreicht die primäre Gruppe einen leicht besseren Wert (primär: 28,7 Punkte versus sekundär: 31,4 Punkte). In der Literaturübersicht zeigen vergleichbare Studien ähnliche bis deutlich bessere Ergebnisse nach Implantation einer inversen Prothese. Insbesondere die Kraftmessung des Constant Score wurde häufig uneinheitlich gehandhabt und stellt somit einen Diskussionspunkt dar. Ein direkter Vergleich der unterschiedlichen Studien ist somit nicht uneingeschränkt möglich. Die Mehrheit aller Studien kommt zu dem Schluss, dass die inverse Prothese eine verlässliche Alternative für komplexe proximale Humerusfrakturen des älteren Patienten mit osteoporotischem Knochen darstellt. Es wird eine deutliche Schmerzreduktion bis Schmerzfreiheit erreicht bei funktionell suffizientem Bewegungsausmaß. Eingeschränkt bleibt die Rotationsfähigkeit der Patienten, wobei hier neue Verfahren entwickelt werden, um diese zu verbessern. In Bezug auf das Operationsverfahren zeigt sich, dass aktuell der Trend besteht die Tuberkel an der Prothese zu fixieren, um ein größeres Bewegungsausmaß zu erzielen. Die Komplikationsrate liegt in fast allen Studien bei 20-30%. Aufgrund der möglichen Verschlechterung der funktionellen Ergebnisse im Langzeitverlauf, sowie der eingeschränkten Revisionsmöglichkeiten sollte die Indikation zur inversen Prothese nur für Patienten > 65 Jahre gestellt werden. Die größte Schwierigkeit in der Behandlung der proximalen Humerusfraktur liegt darin, dass richtige Therapieverfahren für den jeweiligen Patienten zu finden. Die Entscheidung muss hierbei immer individuell gefällt werden. Die inverse Prothese stellt bei komplexen Frakturen und Therapieversagern eine verlässliche Option dar.
DOI:http://dx.doi.org/10.17192/z2013.0731