Braucht der erfahrene Arzt ein Pulsoximeter? Eine Beobachtungsstudie zur Reliabilität klinischer Hypoxämiekontrolle

Zusammenfassung Einleitung: Die Hypoxämie ist eine der häufigsten postoperativen Komplikationen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, eine Hypoxämie im postoperativen Verlauf frühzeitig und sicher zu erkennen, um die Patienten nicht zu gefährden. Mit der Pulsoximetrie existiert eine etablierte...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Brieskorn, Melanie
Beteiligte: Eberhart, Leopold (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2012
Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Zusammenfassung Einleitung: Die Hypoxämie ist eine der häufigsten postoperativen Komplikationen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, eine Hypoxämie im postoperativen Verlauf frühzeitig und sicher zu erkennen, um die Patienten nicht zu gefährden. Mit der Pulsoximetrie existiert eine etablierte Methode, die eine Hypoxämie mit hoher Sensitivität detektiert. In den letzten Jahren wird jedoch zunehmend das Konzept der Fast-Track-Anästhesie angewandtt, bei dem die Patienten postoperativ ohne apparatives Monitoring und unter Umgehung des Aufwachraums direkt aus dem Operationssaal auf die Station verlegt werden. Deshalb soll in dieser Studie untersucht werden, wie verlässlich die Detektion einer Hypoxämie anhand klinischer Zeichen ist, ob die Qualität der Hypoxämieevaluation mit steigender Berufserfahrung des Personals steigt und ob sich das Erkennen von Hypoxämien erlernen lässt. Material und Methoden: Die Studie umfasst 1145 Patienten, die zwischen Mai 2009 und Januar 2010 an der Universitätsklinik Marburg operiert worden sind. In die Studie eingeschlossen wurden alle Patienten, die eine Vollnarkose erhielten und nach der Operation im Aufwachraum überwacht wurden. Ausgeschlossen wurden Patienten, die während des Transportes vom Operationssaal in den Aufwachraum Sauerstoff erhielten, die direkt auf eine Intensivstation verlegt wurden und solche, die lediglich eine Regionalanästhesie erhielten. Die Sauerstoffsättigung der Patienten wurde an der Schleuse zwischen Operationstrakt und Aufwachraum durch den begleitenden Anästhesisten, eine Person vom Pflegepersonal sowie einen Doktoranden anhand der klinischen Zeichen Zyanose und Tachypnoe evaluiert und gleichzeitig durch ein Pulsoximeter gemessen. Die vom Pulsoximeter gemessenen und die vom Personal angegebenen Werte wurden verglichen und mittels Bland-Altman-Plots dargestellt. Die Anästhesisten wurden entsprechend ihrer Qualifikation in drei Gruppen (Oberarzt, Facharzt, Assistenzarzt) eingeteilt, um die Qualitäten ihrer Evaluationen der Berufserfahrung gegenüberzustellen. Außerdem wurden die Qualitäten der Evaluationen über den Zeitraum der Studie dahingehend untersucht, ob sich eine Lernkurve ableiten lässt. Ergebnisse: Die Inzidenz der Hypoxämie betrug 13,8%. Die Anästhesisten erkannten anhand klinischer Zeichen eine vorliegende Hypoxämie bei den Patienten mit einer Sensitivität von 8,1%, das Pflegepersonal und die Doktoranden mit einer Sensitivität von 2,7%. Es zeigt sich außerdem, dass die Qualität der Hypoxämieevaluation mit zunehmender Berufserfahrung nicht steigt (p=0,9892). Eine Lernkurve über den Zeitraum der Studie lässt sich ebenfalls nicht nachweisen, wenn man die Qualitäten der klinischen Hypoxämieevaluation der Doktoranden zu Beginn der Studie mit denen am Ende vergleicht. Diskussion: Zyanose und Tachypnoe sind unzuverlässige klinische Zeichen, um eine Hypoxämie klinisch zu erkennen. Die Sensitivität dieser Methode zum Erkennen einer Hypoxämie ist niedrig (8,1% bzw. 2,7%), auch wenn das Personal viele Jahre Berufserfahrung vorzuweisen hat. Mit der Pulsoximetrie existiert jedoch ein Messverfahren, welches mit hoher Sensitivität eine Hypoxämie beim Patienten detektiert. Deshalb sollten Patienten auch bei Anwendung des Fast-Track-Konzeptes mittels eines Pulsoximeters im postoperativen Verlauf überwacht werden, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0152